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Danz op de Brunswiek-„Schloss“-Deel

Tanzen ist nicht so mein Ding – und das war immer schon so, nicht erst seit ich im Rollstuhl unterwegs bin. Und auch Trachten finde ich allenfalls mäßig interessant (unter geschichtlichen und sozialen Aspekten) – ich selbst hülle mich aber eher in Jeans und Pullis. Als der Landestrachtenverband Niedersachsen am vergangenen Sonntag allerdings zum „Tag der Tracht“ nach Braunschweig einlud, warfich alle Voreingenomenheiten bezüglich rhythmischer Bewegtheit und rückwärtsgewandter Kleiderordnungen kurzentschlossen über Bord – und nutzte die Gelegenheit zu Versuchen mit vor sich allem schnell bewegenden Objekten. Ich habe dazu überwiegend eine „analoge“ Kamera, die Mamiya 645 1000 S mit manueller Fokussierung eingesetzt.

(Bilder für größere Ansicht anklicken)

Die im auf Schwarzweiß-Negativfilm (Ilford FP4 Plus) aufgenommenen Bilder wurde gescannt (Canon 9000 Mark II – Auflösung 2400) und in Photoshop mit Filtern der Nik Collection bearbeitet.

Zusätzlich habe ich noch einige Bilder rein digital mit der Sony DSC QX 10 gemacht:

Text & Fotos: © 2017 Jos van Aken

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Ziemlich cool unterm Wasserfall

Manchmal setze ich mich einfach an meinen Wasserfall und markiere den coolen Typ oder so.

Das Original plätschert seit 1989 im Botanischen Garten Braunschweig  im schattigen Rhododendron- und Farntal – mit der Bronze-Skulptur "Judith" der Braunschweiger Künstlerin Sabine Hoppe. Seit einiger Zeit spendet der Wasserfall auch in unserer Wohnung schattige Kühle (zumindest bildlich)

Es ist ein 1,20 Meter breiter Textildruck einer meiner zahlreichen Fotos, die ich immer wieder von diesem Motiv mache (Kamera: Mamiya rb67 aus den 1970er Jahren)

Text und Fotos ©  2017 Jos van Aken

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Alte Braunschweiger Dame auf Dauerbesuch

Wer mich ein wenig kennt, müsste eigentlich wissen, dass ich zu Orten, in denen ich lebe, mit der Zeit eine Zuneigung entwickle – ohne deshalb gleich zum (Lokal)Patrioten zu verkommen. Ähnlich geht es mir mit meinem Verhältnis  zur Fotografie und allem, was damit zu tun hat: Ich meine damit vor allem Technik und Apparaturen, die wir benutzen, um Bilder zu gestalten, die unseren Vorstellungen weitestgehend entsprechen. Kurz gesagt: Werkzeuge , die die bildnerische Gestaltung unseren Ideen ermöglichen.  Dass beim Stöbern und Finden von Technik eine mehr oder weniger intensive, auch emotionale Nähe zu Technik in ihren vielfältigen Erscheinungsformen entstehen kann, ist fast unvermeidbar.

Das gilt auch für eine Kamera, die mir vor einigen Tagen eine liebe Freundin, deren Mann leider in diesem Jahr verstorben war, als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Er hatte als Ingenieur lange Jahre bei Rollei in Braunschweig gearbeitet und war an der Entwicklung einzelner Komponenten der legendären Kameras beteiligt.

Ich bin nun nicht gerade ein Rollei-Experte; kennen und schätzen gelernt habe ich die Kameras aus der Salzdahlumer Straße in Braunschweig aber bereits als 15- oder 16jähriger Bengel: Nach einer “Werra“ und einer “Edixa Reflex“ bekam ich endlich eine Mittelformatkamera: Die Rolleicord Vb. 

Jetzt, rund 55 Jahre später, steht nun also wieder eine Rollei vor mir: Diesmal ist es ein Rolleiflex-Modell, in Braunschweig Ende der 1930er Jahre gebaut und – soweit ich das vor den ersten Bildern mit dieser historischen Kamera beurteilen kann – in einem recht guten Zustand. Das Glas der Objektive (Sucher: Heidoscop Anastigmat 2,8/75, Aufnahme;Tessar 3,5/75) war nur äußerlich verschmutzt und leicht zu reinigen, und der Compur Rapid Verschluss scheint (allerdings nicht gemessen, sondern lediglich gesehen und gehört) auch noch zu funktionieren. Alles in allem scheint es sich um eine „Rolleiflex Automat“ Modell RF 111A zu handeln; sie wurde bis 1939 gebaut.

„Automat“ dank Kurbel

Der verkaufsfördernde Zusatz „Automat“ bezog sich übrigens natürlich nicht auf eine (heute selbstverständliche) Automatisiereung der Belichtung, sondern darauf, dass – anders als damals noch üblich, Filmtransport und Spannen des Objektiv-Verschlusses mit einem einzigen Vor- und Rückschwung an einer seitlich montierten Kurbel erledigt wurden.

Damals mussten Filmtransport zur nächsten Aufnahme und Spannen des Verschlusses meist in zwei „Arbeitsgängen“ erledigt werden (bei hochwertigen Mittelformat-Kameras der 1970er Jahre wie meiner Mamiya rb67 ist das auch heute noch so – alles eine Frage der Gewöhnung)

 So ganz glücklich bin ich mit dem Original Braunschweiger Zuwachs im Kameraschrank aber doch (noch) nicht. Das liegt daran, dass ich eben kein Sammler bin, sondern einer, der die unterschiedlichen Kameras vor allem dazu benutzt, wozu sie gedacht sind: Zum Fotografieren. 

Und da stört es mich doch arg, dass diese gute alte Rollei – von wem auch immer – „verschlimmbessert“ wurde: Ihr (aufklappbares und abnehmbares) Rückteil wurde für das Fotografieren auf 24×36 mm Kleinbildfilm statt der Belichtung auf Rollfilm mit dem Negativformat von 6×6 cm.

Möglich machte Rollei das mit einem technisch durchdachten Konstrukt, der „Rolleikin“-Rückwand zur Rolleiflex und Rolleicord. Sie besteht aus einem für Kleinbildfilme tauglichen Zählwerk, umgebauten Spezialrollen für Kleinbild-Patronen sowie einer modifizierten Filmandruckplatte und Masken für Filmbühne und Suchermattscheibe.

Auf der Suche nach Original-Rollei-Rücken

Diese Veränderung war in den späten 1930er und auch in den 1950er Jahren ziemlich beliebt bei Fotografen, die damals versuchten, die optischen und mechanischen Vorzüge der Mittelformat-Rollei (12 Bilder auf 120er Rollfilm) mit denen des Kleinbildfilms zu kombinieren: auf den passen dreimal soviel Bilder, nämlich 36. Für mich macht das keinen Sinn:

Ich fotografiere mittlerweile am liebsten mit Kameras, die auf Mittelformat-Rollfim 120 fotografieren – mit den Negativ-Formaten vom 6×4,5 (meine Mamiya 645), 6×7 (die Mamiya rb67) und 6×9 (Agfa Billy Record und Pinhole-Umbau Agfa Clack).

Jetzt bin ich auf der Suche nach einem passenden „normalen“ Mittelformat-Rückteil. 

Text & Fotos © 2017 Jos van Aken

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Herbst entschädigt für „Fake-Sommer“

Der sich nun wohl endgültig verabschiedende Sommer wurde dem Idealbild, was wir sorgsam in uns hegen und pflegen, ja nun wirklich nicht gerecht. Und ob wir in diesem Jahr und in unseren Breiten den berühmten "indian summer" genießen werden, der ja eigentlich im Norden der USA und in Kanada zu Hause ist – wer weiß   — Ich würde mich ja schon mit der mitteleuropäischen Variante dieses werebewirksamen Wetterphänomens, dem Altweibersommer,  zufrieden geben. Aber den heutigen Tag – den kann uns kein Miesepeter und kein Wetter-Grantler mehr nehmen: Herbst in seiner seiner schönsten Form.

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Luther, Tetzel und eine Wolke

"Immer" ist ja nicht unbedingt "was los" in Niedersachsens zweitgrößter Stadt, Braunschweig. Aber in diesem weitgehend ausgefallenen Sommer konnten sich Guck-, Kunst- und Eventbeflissene Braunschweiger nicht beklagen. Irgendwas war (gefühlt) immer. Typisches Beispiel: Luther war gerade da, sein liebster Feind Tetzel immer wieder auch mal – und auf dem Burgplatz setzt eine hochwissenschaftliche Wolke einen weiteren Akzent neben Veltheimschem Huneborstelschem und Vieweg Haus – vom Löwen dem Dom und der Fake-Burg Dankwarderode mal ganz zu schweigen

Ich habe  noch einmal in meinen Bildsammlungen geblättert und eine Sammlung von Fotos der jüngsten Braunschweiger "Hingucker"-Events und -Aktionen zusammen gestellt, die ich mit der gut 40 Jahre alten Mittelformat-Kamera Mamiya rb67.

© 2017 Jos van Aken

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Hier steht er wirklich (nicht mehr)
und der mit dem Kasten ist nicht weit

Mal standen sie da wie einst der Reformator höchstpersönlich vor dem Reichstag zu Worms, dann verschwanden sie wieder für kurze Zeit (der Sturmgewalt weichend): Die 95 pop-artigen Stelen frei nach einem von vielen Martin Luther-Portraits, die der Renaissance-Maler Lucas Cranach der Ältere der Kunstwelt hinterließ. In Braunschweig erinnern gleich 95 Luher-Stelen des Künstlers Wolf Menzel an die 95 Thesen, mit denen Luther vor 500 Jahren die Reformation initiierte.Hier einige der Fotos, die ich bei Besuchen der Luther-Stelen machen konnte (noch fehlen die jüngsten Bilder, die ich „analog“, also herkömmlich auf Film machte und die noch in Bearbeitung sind).

 

Zum Vergrößern bitte die einzelnen Bilder anklicken

„Hier steht er wirklich (nicht mehr)
und der mit dem Kasten ist nicht weit“
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Information? Nein, danke!
Lieber wieder Grinserüben-Plakate

Jahrzehntelang war ich – nicht nur „berufsbedingt“ als Journalist für Tageszeitungen, Hörfunk und Fernsehen – eher als kommunikationsfreudiger Mensch unterwegs. Das hat sich gelegt. Der Grund für mehr Zurückhaltung und spürbar abnehmende niederrheinische Fröhlichkeit (die ja auch eine  – nicht sichtbare – Mauer sein kann) ist nicht nur in meinem Alter und seinen unvermeidlichen Zipperlein mitsamt einem mittelprächtigen „Parkinson“ zu suchen: Alle paar Jahre werde ich unweigerlich für etliche Wochen ausgesprochen unleidlich und grantig – zumindest, wenn ich unterwegs bin.

Warum? Ist es das Wetter? Oder die Jahreszeit? Oder eine der periodisch auftretenden Übersprunghandlungen dieser oder jener Behörde? Was macht mich gerade wieder so unansprechbar, abweisend und überwiegend übel gelaunt?

Die Antwort auf dieses Phänomen ist ebenso einfach wie unübersehbar: Es darf (soll, muss) mal wieder gewählt werden, diesmal hier in Niedersachsen gleich im Doppelpack. An die Wahl zum Bundestag schließt sich fast ohne Atempause drei Wochen später eine zweite Möglichkeit an, eines der wichtigen demokratischen Rechte wahrzunehmen: In diesem Fall die vorzeitige Wahl zum neuen niedersächsischen Landtag – provoziert von einer Politikerin, die ihre weitere Karriere bei den Grünen nicht mehr garantiert sah und kurzerhand jetzt bei den Christdemokraten ihr Glück versucht. Das kostete die niedersächsischen Sozialdemokraten und Grünen die karge Einstimmenmehrheit.

Klappern und Amnesie-Hoffnung

Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Das ist wohl so, seit die ollen Griechen die Demokratie erfanden. Es wäre ja nun vielleicht sogar ganz lustig, wenn Die Damen und Herren, die sich zur Volksvertretung berufen fühlen – sich dann mit unschöner Regelmäßigkeit fast ausschließlich als Vertreter dieser oder jener Lobby erweisen und leider nicht ganz grundlos auf eine allumfassende Amnesie von Wählerinnen und Wählern hoffen, die sie zuvor enttäuscht (oder schlichtweg belogen und betrogen) hatten.

Dennoch könnte es gewisse Risiken mit sich bringen, wenn vor einer begehrenswerte Pfründe und Prominenz bringenden Wahl, im so genannten Wahlkampf, allzu deutlich oder gar eindeutig versprochen würde, was man als so ein Volks- und Lobbyistenvertreter so alles anstellen wolle, falls man gewählt würde.

Da geht eine Bundeskanzlerin schon lieber auf „Nummer sicher“, wenn sie – photoshop-geglättet, mit sonst kaum zu bewundernden gehobenen Mundwinkeln und mit edlem Schmuck behängt – die vieldeutige Aussage „Erfolgreich für Deutschland“ von riesigen Plakatwänden herab verkündet. Für dieses typische Produkt einer modernen aalglatten Werbeindustrie gilt ebenso wie für fast alle anderen Portrait-Plakate:

So sehen diese Typen nicht wirklich aus – und vor allem: Die „Botschaft“ der meisten Wahlwerbeplakate ist alles- und vor allem nichtssagend. Bleiben wir bei dem Beispiel der derzeitigen Kanzlerin, der wir bis auf weiteres auf keinem unserer Wege entgehen können: Wen oder was meint die Politikerin um des Wahlsiegs willen mit „Deutschland“, für das sie Erfolg verspricht?

Kaum zum Verwechseln ähnlich

Meint sie die Hartz 4-Menschen? Meint sie Menschen, die ihr Menschen- und Grundrecht auf politisches Asyl in Anspruch nehmen und deren durch das Genfer Flüchtlingsabkommen garantierte Rechte längst von Politikern aller derzeit regierenden Parteien mit Füßen getreten werden? Oder meint sie doch die Lobbyisten der Industrie und anderer mächtiger Interessenverbände und -vereine, die sich in Parlament und Kanzleramt die Klinke in die Hand geben.

Andere um die Gunst der Wählerinnen und Wähler buhlende Parteien machen es nicht besser: Die Sozialdemokraten zum Beispiel haben anlässlich der anstehenden Bundestagswahlkampf die ehrenwerte Urtugend ihrer Partei aus grauer Vorzeit wiederentdeckt: „Soziale Gerechtigkeit“ verkündet mit blauen Strahleaugen (Kontaktlinsen? Photoshop?) vom Großplakat herab der immer mehr zur tragischen Figur mutierende Spitzenkandidat Martin Schulz. Zitat Schulz, das ich, als Mensch mit Behinderung, tagtäglich zu ertragen habe: „Eine Gesellschaft ist nur dann gerecht, wenn alle Menschen die gleichen Chancen haben“. Recht hat er, der Mann und Kandidat.

Aber auch er vergisst oder verdrängt offensichtlich völlig schmerz- und schambefreit, wie die politische Wirklichkeit gerade der vergangenen, die auch und federführend Sozialdemokraten zu verantworten haben. Ich nenne hier nur mal als Beispiel den skandalösen Umgang der unheiligen Allianz von Christ- und Sozialdemokraten – vorneweg die längst nicht mehr erträgliche Andrea Nehles mit den unter anderem in der UN-Behindertenrechtkonvention festgeschriebenen unmissverständlichen Rechten von Menschen mit Behinderungen: Die versprochene Beseitigung von Barrieren wurde mit der Unterschrift der sozialdemokratischen Ministerin ebenso zur kläglichen Alibi-Scheinlösung wie die weiteren Gesetze, die angeblich Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen herstellen sollten.

Verrat an Behinderten – schon vergessen

All das wird – übrigens auch in den öffentlich-rechtlichen Diskussionen rund um die Wahl – vorsichtshalber gar nicht statt. Im plakativen Wahlkampf der „großen“ Parteien erst recht nicht. Da glauben die Werbeagenturen und die immer gleichen Grinse-Rüben doch tatsächlich, es reiche, die sympathie-gepimpten Portraits der Kandidaten würden unsereiner in die Wahlkabinen treiben und dazu verführen, Kreuze an der jeweils möglicherweise Mehrheiten bringenden Stelle auf dem Wahlzettel zu machen.

Schau’n wir mal: So ein nettes, etwas bemüht lächelndes Moppelchen soll ich wählen? Warum nicht? Was will uns das Plakat des Herrn Müller sonst noch sagen? Er wirbt – wohl nicht ohne Gedanken – vor der Braunschweiger Filiale des ECE-Einkaufszentrums, äußerlich dem im Krieg zerstörten Rresidenzschloss der Braunschweiger Herzöge zum Verwechseln ähnlich. Und da ist, gleich hinter dem christdemokratischen Spitzenkandidaten in der Stadt Heinrichs des Löwen, ja auch eine Figur, mit der sich der Kandidat offensichtlich identifiziert: Das Denkmal des „Schwarzen Herzogs“ – ein Braunschweiger  Rambo und Haudegen, der im Krieg gegen Napoleon getötet wurde.

Schlossherr und Oldie-Rambo-Fan

Was sagt uns also das Großplakat mit dem Braunschweiger Spitzenkandidaten der Christdemokraten: Der Kandidat, den es wieder mal über einen Landeslistenplatz seiner Partei in den Bundestag drängt (also nicht etwa von den Bürgern wirklich gewählt),  sieht sich offensichtlich als so eine Art Schlossherr und hat neben seiner Vorliebe für Oldtimer auf vier Rädern eine Vorliebe für fragwürdige Volkshelden.

Seine Gegenkandidatin, die Spitzenfrau der Sozialdemokraten in Braunschweig Dr. Carola Reimann, verzichtet auf ihrem Großplakat ebenfalls auf jegliche Sachaussage. Mit strahlendem Lächeln verkündet sie immerhin, sie sei und bleibe „Stark für Braunschweig“ – was auch immer das bedeuten soll.

Wer sich immer noch wundert, dass ich auf meinen Wegen durch Braunschweig bis auf weiteres möglicherweise unleidlich und irgendwie grantig erscheine, dem ist nicht zu helfen. Ich jedenfalls fühle mich bis auf weiteres belästigt und für dumm verkauft.

Text & Bilder: © 2017 Jos van Aken

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Uralte neue Klänge in der City

Musik auf der Straße gehört zum Leben in den Städten. Einmal durch eine Fußgängerzone schlendern ersetzt eine ganze Reise durch die verschiedensten Genres der Welt der Töne, Melodien, Rhythmen und Harmonien. Grenzen gibt es da nicht. Und: Es gibt immer wieder Neues zu entdecken – wie vor einigen Tagen in Braunschweig. Ein Chinese saß auf seinem kleinen wackligern Klapphocker und hatte ein seltsames Instrument auf dem Schoß, dem er wundersame, sphärische, geradezu magische Töne entlockte.

Der Virtuose aus dem fernen Osten spielte ein Musikinstrument, das wahrscheinlich seit Jahrtausenden in der Mongolei und seit dem 10. Jhdt.n.Chr. in China populär wurde und seit jeher "die erste Geige" in der klassischen chinesischen Nationaloper spielt: Die èrhú, eine zweisaitige Geige.

Text & Bilder © 2017 Jos van Aken

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Message to Maddin L.

Da sitzt eine junge Frau auf einem Denkmalsockel vor dem sogenannten Schloss in Braunschweig. Sie schaut gespannt auf das Display ihres unvermeidlichen Smartphones; offensichtlich macht sie das, was (fast) alle seit einiger Zeit (fast) unentwegt tun: Sie chattet, ist in ein digitales Gespräch mit einem nicht ersichtlichen Gegenüber vertieft.

Vielleicht ist dieser rätselhafte Gesprächspartner aber gar kein "Gegenüber", sondern steht – gleichsam wundersam 95fach geklont durch Wolf Menzel, einen kreativ regen Braunschweiger – auch auf dem Platz des Einkausschlosses rum. Der Reformator hat nach 500 Jahren endlich gelernt, sich nicht nur der technischen Revolution des Buchdrucks zu bedienen (wie zu seinen Lebzeiten), sondern auch die nur durch Serverausfälle und sonstige Katastrophen eingeschränkte (fast) unendlichen Möglichkeiten von WhatsApp und Co.

Ob die junge Dame wirklich eine "Message to Maddin L." losschickt und auf erhellende Antworten des sich 85fach im Winde drehenden Reformators und seiner Thesen wartet – oder doch vielleicht mit dem "Schwarzen Herzog" gleich neben den 95 Luther-Stelen versucht in Verbindung zu treten – keine Ahnung

Text & Bild: © 2017 Jos van Aken

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Ein Loch ist genug –
und manchmal auch der Anfang …

„Alles schon mal da gewesen“ – die „Pinhole“-Fotografie, die bei gestaltungs- und experimentierfreudigen Bildermachern gerade (mal wieder) unter mannigfachen Aspekten eine sowohl farbige als auch mit Grautönen gestaltende Renaissance vor allem in der Fotografie mit und auf Film erfährt, ist an sich ein Uralt-Hut (einer mit Loch).

Typisches Pinhole-Bild: Eingang zum Inselwall in Braunschweig. Kamera: Umgebaute Box-Kameraera Agfa Clack (Anfang der 1950er Jahre) Die simple Meniskus-Linse des Objektivs mit der Brennweite mit etwa 100 mm Brennweite bei einem Film(Negativ)Formal von 6×9 cm habe ich ausgebaut und durch eine Lochblende von 0,3 mm ersetzt. Das ergibt rechnerisch eine Blendenöffnung von 240 – daher die weiträumige Tiefenschärfe.

Fast die gleiche Perspektive auf das Tor zum Inselwall – diesmal mit einer Profi-Mittelformatkamera Baujahr 1974, der einäugigen Spiegelreflex Mamiya rb67 mit einem hochwertigen Weitwinkel-Objektiv (Sekor 4,5/50), abgeblendet auf Blendenöffnung 11.

„Ein Loch ist genug –
und manchmal auch der Anfang …“
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Still(es)Leben

Der Begriff des „Stilllebens“ in der bildenden Kunst hat mit „Stille“ ursprünglich nur indirekt zu tun. Es hab diese Art der Darstellung zwar bereits in der Antike (wahrscheinlich aber schon viel früher) Der Begriff „Stillleben“ (für das Gemälde-Genre) tauchte aber erst Mitte des 17 Jahrhunderts auf – in der niederländischen Nomenklatur der Kunst. Damals hieß das „stil leven“ und hieß wörtlich ins Deutsche übersetzt „unbewegtes Dasein“.

Aber das Stillleben umfasst natürlich eine weitere Bandbreite – thematisch wie gestalterisch. Das Titelbild zum Beispiel war und ist keineswegs als „Stillleben“ gedacht gewesen – dazu wurde es erst durch das gestaltende Mittel der Fotografie:

Eines der zahlreichen Erinnerungsbilder an unseren unvergessenen Hund über dem Küchentisch mit einer „fading flower“, der welkenden Blüte, die im Vergehen die Blätter hängen läßt, gerät im fotografischen Zuschnitt und in der Fargestaltung zur klassischen „nature morte“, dem „still life“ oder eben (in alter deutscher Schreibweise zum (fast) klassischen „Stilleben“ – das heute korrekte dritte l irritiert mich nach wie vor).

Ganz und gar brav klassisch daher kommt dagegen eine kleine Stillleben-Komposition, die sich mir kürzlich aufdrängte: Eine gute Freundin hatt uns eine der schönsten Rosenblüten aus ihrem Garten geschenkt.Ein  bisschen herbstliches Obst dazu – und schon entstand daraus ein Stillleben, das eine Allegorie des Wechsels vom Sommer zum Herbst entstehen lässt.

Ganz und gar weg von der ursprünglichen Deutung und dem gestalterischen Gebrauch des Begriffs schließlich ist das dritte Beispiel. Es entstand als Teileiner kleinen experimentellen Reihe von Bildern, die das vielfältige bunte wie graue Leben einer Wäschespinnemit den Mitteln der Fotografie versucht darzustellen – auch das (behaupzte ch) ist ein Stillleben.

Text und Bilder: © 2017 Jos van Aken

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Alle (zwei) Jahre wieder:
Dorfmarkt rund um die Klosterkirche

Das letzte Wochenende im August haben Freunde des dörflichen (Er)lebens, des guten Essens und durststillenden Trunks sowie last, not least des (Kunst)handwerks seit Jahren fest in ihrem privaten Ereigniskalender für ein ganz besonderes Erlebnis im kleinen, 1934 zur Stadt Braunschweig eingemeindeten Dorf Riddagshausen.  Für so manchen ist das von der Bürgerschaft Riddagshausen organisierte Markttreiben rund um die alte Zisterzienser-Klosterkirche und den Klostergarten so etwas wie eine Art „Weihnachten im Braunschweiger Sommer“. Der Vergleich hinkt allerdings nicht nur bezüglich der gemessenen und gefühlten Temperaturen der Feste. Weihnachten findet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur sprichwörtlich und sangesselig „alle Jahre wieder“  statt – der Dorfmarkt in Riddagshausen geht es entschieden entspannter an: Das nostalgische Markttreiben gibt es nur in jedem zweiten Jahr.

Fahrendes Volk
(Zum Vergrößern: Bilder anklicken)

Was lockt mich und tausende andere Dorfmarkt-Begeisterte immer wieder auf das historisch einwandfreie Kopfsteinpflaster, das  nicht nur Rollstuhlfahrer wie mich an die Grenzen ihrer körperlichen und psychischen Möglichkeiten bringt? Natürlich in erster Linie das „Drumherum“:

Das ehemalige Zisterzienserkoster mit der 1275 geweihten Abteikirche. Neben dem Gewusel tausender Besucher auf dem Klostergang lädt mittlerweile der Klostergarten nördlich und östlich der Klosterkirche und einem zusätzlichen Informations- und Verkaufsangebot zu einem ruhigeren Markt-Erleben ein.

Klosterkirche und Siechenkapelle
Ein Kirchgang zum (Be)Staunen
Meditieren in der kargen Frauenkapelle

Weniger prunkvoll, aber ein idealer Raum der Ruhe und Mediation: Die Frauenkapelle vor dem Torhaus des Klosters:

Text und Bilder © 2017 Jos van Aken

 

 

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Sommer, Sommer, Sommer
Jetzt brummt’s und blüht es

Erst wollte der Somnmer ja nicht so recht. Aber jetzt kommt er (hoffentlich länger als wieder nur ein paar Tage) richtig in Fahrt – im Botanischen Garten Braunschweig  und im Theaterpark habe ich einige Impressionen gesammelt:

Die Bougainvillea -ein Traum in magenta

Grün-gelbe Strukturen aus dem Fernen Osten: Das Indische Blumemrohr
Die Mähnen-Gerste ist eigentlich in Kanada , Alaska und Sibirien zu Hause – aber im Botanischen Garten Braunschweig fühlt sie sich auch sichtlich wohl. Ein Motiv, an dem der Bildermacher nicht vorbei kommt. in Farbe …
… und Schwarzweiß
Was so eine Große Kolbenhirse werden will, krümmt sich beizeiten
Und das ist unverkennbar ein Hasenschwanz (oder ganz viele). Bekannt ist diese Süßgrasart auchals Samtgras.

Und hier zwei typische Vertreter der floren Vielfalt Neuseelands: Die neuseeländische Flachslilie …
und der Neuseeländer Flachs
Die bizarre Buche im Theaterpark gewährt wie alle Jahre wieder einem Besucher aus dem Reich der Pilze Gastrecht.

text und bilder: © 2017 jos van aken

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Klatschmohn & Heldenarsch

Ob die städtischen Gärtner sich etwas dabei dachten – und wenn ja was, ist nicht bekannt. Ins heitere Grübeln kann aber jedenfalls so mancher geraten, der zurzeit die Symbolfigur des sagenhaften Helden Siegfried am Braunschweiger Burgundenplatz en passant beachtet.

Wunderschönen Klatschmohn haben die Spezialisten für städtisches Blühen und Grünzeugs dem germanischen Recken verpasst, den der später wegen seiner unkritisch anbiedernden Nähe zu den Nazis bekannt gewordene völkisch gesinnte Bildhauer Jakob Hoffmann bereits 1928 als Sinnbild für die im Jahre 1919 gegründete Braunschweiger Siedlung Siegfriedviertel entworfen hatte.

Der Mohn klatscht aber nicht etwa rund um den Siegfried – sondern ausschließlich hinter dem nackten Helden mit seinem wohlgeformten Hinterteil. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.


Text und Bilder © 2017 Jos van Aken

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Weiße Pracht und Schlammliebe

Die Nymphaea alba hat nichts mit einem abfallsammelnden Betrieb zu tun, der auch in Braunschweig dafür sorgt, dass wir nicht in den von uns immer noch großzügig gesammeltem Müll ersticken. Die „Weiße Nymphe“ – so die wörtrliche Übersetzung des botanischen Namens) ist vielmehr eines der weitest verbreiteten Seerosengewächse.

Diese Prachtgexemplare fand ich heute im Schul- und Bürgergarten. Diese wohlbekannteste Seerosenart wird gern auch als „Wasserlilie“ bezeichnet. Weniger schmeichelhaft ist die Tatsache, dass diese Schwimmblattpflanze ein „Schlammwurzler“ ist.Ohne den „Modder“ auf dem Grund von Seen und Bächen könnte sie gar nicht leben – darüber freuen nicht nur wir uns, sondern vor allem auch die vielen Käfer, die sie in der Öffnungszeit von morgen 7 Uhr bis nachmittags 16 Uhr gern besuchen und den Pollen in ihren Blüten mampfen.
Text und Bilder © 2017 jos van aken
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Auch wenn der Sommer
mal streikt: Nass ist Trumpf

So richtig ins Schwitzen hat der Sommer 2017 uns bisher nichtr allzu oft gebracht. Was mich selbst betrifft: Geht klar. Hauptsache, Braunschweig dreht seine Wasserhähne auf und verschafft uns, weise vorausschauend auf den wahrscheinlich letztlich doch nicht aufzuhaltenden Hochsommer feuchtes Vergnügen. Titelbild: Springbrunnen vor dem ECE-Einkaufszentrum Hier einige weitere Beispiele:

Der Brunnen des in der Hedwigsburg lebenden Künstlers Emil Cimiotti (einer der Gründer der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste) lädt während der warmen Jahreszeit vor dem Großen Haus des Braunschweiger Staatstheaters zu Verweilen, Schauen – und natürlich zur Abkühlung ein. Mich verführte die (eher ungewöhnliche Perspektive mit Blick vom Theater auf den Steinweg zu einer weitwinkligen Gegenlicht-Studie ein.

 

 

Einer der zugleich „coolsten“ und irgendwie dabei magischen Orte im Spiel von Dämmer- und Sonnenlicht auf fließendem Wasser: Die Rhododendron-Schlucht des Braunschweiger Botanischhen Gartens mit der Judith-Skulpturder Bildhauerin Sabine Hoppe. IDieses Bild entstand übrigens als „Langzeit“-Belichtung (1/15 sec) mit einer digital speichernden Sony-Minikamera während der Aufnahmen auf Mittelformat-Filmmaterial mit der Mamiya RB 67 (noch nicht entwickelt und bearbeitet)

 

Wasserspielchen vor dem Braunschweiger Rathaus.

 

 

 

Seerosen-Träume im Schul- und Bürgergarten am Rande des Braunschweiger Siegfriedviertels.

 

 

Stillleben mit totem Baum am Rande des Dowe-Sees im Braunschweiger Schul- und Bürgergartens

 

 

Er lächelt der (Dowe)-See, er ladet zum Bade. Hier irrt Schiller, der sein Schauspiel „Wilhelm Tell“ mit diesem „Lied des Fischerknaben“ beginnen lässt. Zu seiner Entschuldigung sei angemerkt, dass der Dichterfürst den Dowesee im Braunschweiger Schul- und Bürgergarten samt Entenhaus und weiblichem Fischerknaben-Ersatz gar nicht kannte.

 

 

… und weils so beruhigend und erfrischend zugleich ist: Hier noch zwei Impressionen vom Dowesee.

 

 

Text und Bilder © 2017 jos van aken

 

 

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Warten auf Victoria und die
anderen Nymphen-Schönheiten

Eine der Attraktionen des Botanischen Gartens der Technischen Universität Braunschweig an Sommerabenden waren Jahr für Jahr die weiß und rosa blühende Riesenseerose Victoria cruciana und viele andere Seerosengewächse im großen Becken eines eigens dafür eingerichteten Gewächshaus – bis 2014. Die Kult-Nächte“ im Spätsommer, in denen der Botanische Garten an der Humboldtstraße lange geöffnet blieb, um den Besuchern die Huldigung der sich in der Dunkelheit öffnenden Riesenseerosenblüten ganz nah am Objekt ihrer Begeisterung zu ermöglichen, gab es erst mal nicht mehr.

Die Blüte der Victoria cruciana ist immer wieder eines meiner bevorzugten Objekte fotografischer Freuden.

 

Die Victoria in voller Blüte

 

Auf den Blättern der Riesenseerose Victoria cruciana kann ohne Kentergefahr ein Kind mit bis zu 30 kg Gewicht Platz nehmen.
Blaue Schönheit im alten Seerosenhaus (2007)

Nach rund 60 Jahren mussten die Freunde von Victoria und ihren Gefährtinnen von Nymphaea gigantea, der himmelblauen Großen Seerose, der auch als Lotos-Blume bekannten Nymphaea pubescens oder der Nymphea rubra (Rote Seerose) auf die Schönheiten verzichten: Das baufällige Gewächshaus musste erst einmal geschlossen und nach 2015 auch geräumt werden. Handfeste Gründe: Das Betonbecken in das die Victoria cruziana Jahr für Jahr gepflanzt wurde, hatte Risse bekommen und wurde nun an mehreren Stellen undicht, die Glaswände des Seerosen-Gewächshauses alt und brüchig, die marode Einfachverglasung ohne isolierende Wirkung. Es bestand akute Einsturzgefahr.

2018 geht es weiter

Immerhin wuchs, gedieh und blühte die Braunschweiger Victoria danach noch einmal im alten, geschlossenen Gewächshaus und konnte 2015 wenigstens von außen beobachtet werden. Danach diente das marode Gewächshaus nur als Winterquartier für winteruntaugliche mediterrane Gewächse.

In der Zwischenzeit blieben die Freunde des Braunschweiger Botanischen Gartens aber nicht etwa untätig: Sie sammelten Spender und fanden zahlungskräftige Sponsoren für einen Neubau. Im Frühling dieses Jahres war es endlich soweit: Im Mai wurde mit dem mittlerweile abgeschlossenen Abriss des alten Gewächshauses begonnen. Bis Ende dieses Jahres soll das neue Seerosen-Gewächshaus stehen – bereit für die blühende Pracht der Wasser-Schönheiten im kommenden Sommer

Neu: barrierefrei & energieeffizient

Das neue Seerosen-Gewächshaus soll vor allem barrierefrei werden – bisher versperrten Stufen den freien Zugang mit Rollstuhl oder Kinderwagen. Außerdem werden – wenn die erhoffte Spendensumme reicht – eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz und die damit einhergehende Ressourcenschonung ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit garantieren.

Das baufällige Seerosenhaus ist weg – Platz für den Neubau (Stand: 22.05.2017)

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Ob lila, ob weiß – Hauptsache
es fliedert wieder

Das deutsche Gemüt ist ziemlich genau ab 1928 geradezu chloroformiert vom Duft des Flieders. Genauer gesagt: Des weißen Flieders. Den machte der gelernte Militärkapellmeister und Komponist Franz Doelle sozusagen unverblühbar mit einem musikalischen Schmachtfetzen.

Den Text dazu reimte zeitgeisttrefflich der Österreicher Fritz Rotter, und geträllert wurde der weiße Flieder (aber bitt’schön nur, wenn er denn wieder blüht) von der Opern-Sopranette Ruth Jost-Arden; die glänzte ansonsten eher ganz seriös und durch den Dirigenten Arturo Toscanini auf dem Hügel in Bayreuth „geadelt)  in Wagner- und Strauss-Opern. Classic-Pop-Crossover ist eben keine Entwicklung unserer Tage …

Dann wächst auch der Spargel wieder

Heute kennen wir vor allem das Flieder-Geschmachte in einer erträglicheren Version von den Comedian Harmonists – die pflanzten bekanntlich nicht nur kleine grüne „Kaktusse“ auf nichtsahnende Balkone oder machten eine gewisse Veronika dezent und melodisch-harmonisch, allerdings nicht unbedingt dezent darauf aufmerksam, dass ein nicht näher beschriebener (Herr?) Lenz den Spargel wachsen lässt.

Hier nun keine Spargel-Bildchen – das Lenz-Gemüse banne ich weder in gepixelter Form noch auf klassisches Film-Material:Ich verspeise es lieber(und zwar ganz und gar klassisch mit zerlassener Butter und festkochenden Kartuffeln (früher nur Linda, heute Belana).

Im Verlauf des Jahres gehört vielmehr die Beobachtung und fotografische Huldigung einer Syringa vulgaris in unserem Hinterhof zu den festen Terminen, die ich um nichts in der Welt verpassen will; besser bekannt die von Ende April bis Mitte Mai blühende und intensive Frühlingsdüfte verströmende Ölbaumgewächs eher als der „Gemeine Flieder“. Der wiederum ist alles andere als gemein in jeglichem Wortsinn, dafür aber nicht unbedingt weiß, sondern besonders beliebt auch – wer hätte es geahnt: fliederfarben; das ist so eine Art dunkel- oder auch blassviolett – übrigens die „Urfarbe“ der Fliederblüten – hier irrten wohl Doelle und Rotter.

Der fliederfarbene Flieder vor unseren Fenstern ist seit einigen Tagen leider verblüht. Bis zum nächsten Jahr bleiben mir nur diese Erinnerungsbildchen:

 

Text & Bilder © 2017 jos van aken

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Tausendschön und Puste-Magie

„Goldstandard“ für Wiesenschönheit im Mai: Das Gänseblümchen – und der zweite Klassiker: Löwenzahn. Beide sind übrigens nicht nur schön – sondern auch lecker: beim Gänseblümchen die Blüte und beim Löwenzahn die Blätter. Bevor es heute gewitterte (oder der mörderische Rasenmäher der Hausverwaltung unerbittlich zuschlägt), habe ich mich der Länge nach auf die Wiese vorm Haus geschmissen – mit Kameras natürlich,

Hier nochmal die zwei gelungensten Blümchen-Portraits in Schwarzweiß und Farbe:


Text und Bilder © 2017 Jos van Aken

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Beton-Buddies –
im Foto-Farbexperiment

Hier geht’s zu Teil 1 der Serie

Hier geht’s zu Beton-Buddies – Teil 2

Mein kleines Braunschweiger Sommer-Highlight sind (unübersehbar) die Beton-Großskulpturen der Künstlerin Christel Lechner; die hat nach einer ersten Ausstellung vor drei Jahren wieder die Braunschweiger Innenstadt mit ihren „Alltagsmenschen“ bevölkert. Die von mir persönlich als „Beton-Buddies“ getauften Typen sind auch 2017 fast zwangläufig Motive, die uns Fotografen anziehen wie das Licht die sprichwörtlichen Motten. An 17 Standorten laden die Lechner-Buddies zum Skulturenweg und immer wieder neuen Sichtweisen im städtischen Umfeld ein – vom Couchpotatoe-Narr auf historischen Burgplatz über drei unter die (Friseur-)Haube gekommenen reiferen Damen vor der Tourist-Info an der „Kleinen Burg“ bis hin zu Waschweibern vor der mittelalterlichen Magnikirche und bierernst den Kindergeburtstag-Dauerbrenner „Reise nach Jerusalem“ in einer Freezing-Variante spielenden reiferen Herrschaften vor dem ECE-Shoppingschloss.

Uralt-Farbdia-Film mit gestalterischem Potential

Mich haben die freundlichen überlebensgroßen „Invasoren“ fotografisch unter anderem zu einem (nicht ganz freiwilligen) Experiment verführt. Neben Fotografien auf herkömmlichen Mittelformat-Schwarzweißfilm (6×7 cm) habe ich auch einige Fotos auf Farbumkehrfilm (Diapositive) aufgenommen; diese Filme aus meinem eisernen Bestand haben ihr „Mindesthaltbarkeitsdatum“ allerdings seit mehr als 10 Jahren überschritten: Was letztlich dabei herauskommt, ist alles andere als vorhersehhbar.

Wie fast zu erwarten, kam dieser Film (trotz korrekter Entwicklung im e6-Prozess) mit seiner satten Rot-Maskierung und merkwürdigen Fehlfarben aus der Entwicklung zurück. Einige dieser Dias ließen sich „nur“ in einer reinen Schwarzweiß-Version einscannen und weiterverarbeiten. Andere reizten mich, ihre auf den ersten Blick unansehnlichen Farben spielerisch-gestaltend zu neuen Farbfotografien grafisch weiter zu entwickeln. Hier die Ergebnisse im Teil 3 der Serie „Beton-Buddies“.

Christel Lechners Narrr . Die Fehlfarben auf dem überlagerten Dia-Film regten mich zu dieser Farbstudie an.

 

Die „Reise nach Jerusalem“ – in meinem Doppelbelichtungsexperiment hätte nicht nur einer der Spieler keinen Sitzplatz mehr gefunden …

 

Nioch einmal das alte Highlight unserer Kindergeburtstage: Die Reise nach Jeruisalem – farblich mal anders.

 

 

Und auch das „Berliner Paar“ auf dem Hagenmarkt wurde (farblich) von mir ein wenig umgestylt.

Bei der Aufnahme der „Waschweiber“ (Magni-Kirchplatz) auf dem überlagerten (AGFA Agfachrome RSX II 100 Professional) ließen sich die Farben der Original-Szene noch annähernd digital rekonstruieren.

 

Die folgenden Aufnahmen wurden ebenfalls mit dem überlagerten Farb-Diafilm fotografiert. Alle Versuche, die Farben wiederherzustellen, scheiterten – deshalb hier die Schwarzweißumwandlung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Text und Bilder: © 2017 Jos van Aken
Kamera: Mamiya RB67 Professional S
Film: AGFA Agfachrome RSX II 100 Professional
Scan: Canon Canoscan 9000F Mark II

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Invasion der Beton-Buddies

Hier geht’s zu Teil 1 der Serie

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Am Beton scheiden sich wieder mal die Geister der Braunschweiger. Diesmal geht es nicht um notorisch städtebauliche Scheußlichkeiten wie den Anbau am Rathaus oder das nicht wirklich erfolgreich camouflierte Einkaufs-Schloss. Aber es geht doch wieder um Beton, und darüber hinaus geht  es um die nie überzeugend beantwortete Frage „Ist das Kunst – oder kann das weg“.

Vorab: Die Zahl der unerbitterlichen selbsternannten „Kunstkenner“, die sich am „Alltagsmenschen“-Skulpturen-Beton der Wittener Künstlerin Christel Lechner stoßen (wahrscheinlich die große Zehe, wahlweise die rechte oder die linke) hält sich in überschaubaren Grenzen – nimmt man (statistisch und möglicherweise auch politisch nicht korrekt) die Kommentare in den sozialen Netzwerken zum Thema als Anhaltspunkt.

Zumindest gefühlt kommt die Street-Art aber gut an – ganz konkret immer wieder an den lebhaften Kommentaren der Passanten ablesbar, die Christel Lechners „Beton-Buddies“ wie gute alte Freunde begrüßen und sich von den Alltagstypen ein Lächeln ins Gesicht zaubern lassen.

Verdauung à la Brecht

Ich persönlich kann, je länger ich Gedanken oder gar Gefühle daran verschwende, immer weniger mit dem hehren Begriff „Kunst“ anfangen. Oft denke ich, dass Bert Brecht eine ganz brauchbare Definition des Kunstbegriffs geprägt hat. Er stellte lapidar fest:

„Kunst ist nicht, wenn man in die Stube scheißt. Kunst ist, wenn man unter Beifall in die Stube scheißt“.

Aber auch der Versuch des Malers Georg Baselitz (vielen nur bekannt wegen seiner „auf dem Kopf stehenden“ Bilder), sich dem letztlich jeglicher Erklärung entziehenden gummiartigen Begriffen „Kunst“ und „Künstler“ zu nähern, hat was:

„Künstler sind Leute, die etwas tun, für das sich andere schämen würden“

Heitere Begegnungen

Schamlos im Baselitzschen Sinn sind die .Beton-Typen Christel Lechners nicht – zumindest bedecken sie meist züchtig ihre Blößen. Ihre durchgehende Eigenart ist die Heiterkeit. Und da ist es mir völlig wumpe, ob das gekonnte Rumgemantsche von Frau Lechner nun Kunst ist oder nicht. Weg sollte es auf keinen Fall – einfach, weil es ihnen zum Beispiel durchaus gelingt, mir aus einer depressiven Phase heraus zu kommen.

Nachdem ich vor einigen Tagen bereits erste Impressionen mit einer winzigen digital speichernden Kamera von einigen der „Alltagsmenschen“ festgehalten hatte (Beton-Invasoren der netten Art), habe ich jetzt begonnen, einige der Sulpturen(Gruppen) konventionell (also auf Filmmaterial – Negativ-Format 6×7) zu fotografieren. – Für Technik-Freaks: Ich arbeite in diesem Fall mit einer gut 40 Jahre alten Mamiya RB67-Mittelformatkamera.

Den „Narr auf dem Sofa“ liegt auf dem Burgplatz – vor dem dorthin „transplantierten“ Hunebostelschen Haus. Ob er darüber wacht, dass die die dort residierenden Handwerker der Handwerkskammer immer korrekt mit der zahlenden Kundschaft umgehen?

Die Kirche im Dorf lassen und die Wäsche vor derKirche – Waschfrauen vor der Magnikirche
Gut behütet bzw. bemützt – und vom Herrn Gemahl sorgsam beschirmt gegen die sommerliche Hitze: Ein „Berliner Paar“ beim Sightseeing auf dem Hagenmarkt.
„Unter Beobachtung “ der4 Schönen im Kaufhof-Schaufenster sind die beiden kommunizierenden Abfallentworger bei ihrer Pause. Den kontemplativen Alten auf der Rentnerbank( aus Holzpaletten) bringt der ganze Kunst-Rummel um ihn her nicht aus der Ruhe.

Text und Fotos © 2017 jos van aken

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(Fortsetzung folgt)

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Beton-Invasoren
– der netten Art

Hier geht’s zu Beton-Buddies – Teil 2

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Vor drei Jahren bevölkerten sie bereits schon einmal die Braunschweiger Innenstadt, machten nicht einmal vor dem Dom Halt, tanzten um Brunnen, nahmen auf dem altehrwürdigen Altstadtmarkt eine Dusche oder saßen einfach nur rum – Geschöpfe der Töpfermeisterin, Bildhauerin und Installationskünstlerin Christel Lechner aus Witten an der Ruhr. „Alltagsmenschen“ nennt die 69jährige  ihre Invasoren: Lebensgroße Skulpturen aus Beton und Polystyrol, einem Schaumstoff.

Jetzt sind sie Lechnerschen Kreaturen zurückgekehrt nach Braunschweig. Diesen Sommer über begegnen Passasnten ihnen (fast) überall in der Innenstadt. Hier erste Eindrücke:

Text & Bilder: Jos van Aken

Beton-Buddies – Teil 2

 

 

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Endlich wieder Outdoor – und gleich
mal kurz in Kirschblüten gesuhlt

Endlich wieder draußen: Sonne, Wolken, Wind, ein paar Regentropfen machen Kopf und Gemüt wieder frei. Geschafft hat es die Kirschblüte auf einem kleinen Spielplatz, die ich seit Tagen vom Fenster aus bewundere, mich aus meinem nicht gerade freiwilligen, aber eben doch selbstgewählten krankheitsbedingte „Wohnungsarrest“ befreite. Der kurze Ausflug hat sich gelohnt. Aber seht selbst:

Location: Kriemhildstraße, Braunschweig-Siegfriedviertel
Text & Fotos © 2017 jos van aken

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Kann ich nicht raus in den
Frühling, hol‘ ich den Lenz eben rein

Früher war mehr Frühling – gefühlt. Aber eigentlich passt es mir ganz gut in den Kram, dass sich in diesem unserem Jahr 2017 in unseren eher durchwachsenen Breiten das ohnehin hemmungslos überschätzte Osterfest nicht in das durchsonnte, blaubehimmelte Klischee von „schönem“ Wetter mitsamt Schäfchenwolken  pressen ließ, sondern eher dem guten alten Motto gerecht wurde: „April, April – der macht was er will“ (er, der April – und eben nicht, was sie,  die Tourismus- und sonstige Konsumindustrie umsatzfördernd verlangt).

Depressionen haben eben auch ihr Gutes

Und dem April war mal wieder seiner Natur gehorchend unübersehbar danach, sich nicht den Oster-Wunschvorstellungen von Lieschen Müller in Sachen Osterfest zu beugen, sondern mir einen nachvollziehbaren Grund zu liefern, die Feiertage auf meine Art zu feiern – als Couchpotatoe und um Himmels willen nicht als so eine Art Osterhase durch zeckenverseuchte Wiesen hoppeln.

Nein, mir war ehrlich gesagt einfach nicht danach, die schützende Hülle der Wohnung zu verlassen und mich in die mir manchmal (natürlich auch „nur“ gefühlt) fast bedrohlich begegnende  Welt „da draußen“ zu begeben. Prosaisch gesagt: Wenn ich mal wieder (wahrscheinlich nach einer Art Zufallsprinzip) zusätzlich zu den üblichen Parkinson-Zipperlein eine typische Begleiterscheinung dieser hochinteressanten Malaise erwischt, eine depressive Phase, dann bleib ich lieber, mehr oder weniger still vor mich hin leidend, in den sicheren vier Wänden meiner bescheidenen Behausung, die obendrein noch den unschätzbar hohen Vorteil einer Decke überm kahlen Kopf bietet. Depressionen haben eben auch ihr Gutes – oder so.

’n bisken Sakura im Siegfriedviertel

Aber gänzlich auf den Frühling, der gerade eine kleine Oster-Pause eingelegt hat, die mir die plausible Ausrede für das Mich-Verkriechen liefert, mag ich nun doch nicht verzichten. Und da habe ich entdeckt, dass auch ein nicht ganz freiwilliger elender Stubenhocker wie ich zu seinen Lenz-Freuden kommen kann: Schaffe ich es – warum auch immer – nicht raus in den Frühling, Spring oder Printemps, dann hol ich mir diese wohl meistbesungene Jahreszeit eben rein in die Bude. Zum Beispiel als kleines Narzissengesteck oder auch einfach beim Blick durchs Fenster auf den Hinterhof mitsamt seinem Kirschbaum in Vollblüte: Sakura im Siegfriedviertel in der Braunschweiger Nordstadt.

Text & Fotos: © 2017 jos van aken

Das bisschen Frühling festhalten: „Making of“ des obligatorischen Osterbildes mit Narzissen und Nippes.

 

Ein bisschen Frühling auf dem heimischen Esstisch
Jede Menge Frühling im Hinterhof: Ein Hauch von Sakura imSiegfriedviertel

 

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Weiter hoffen auf
fröhliche & friedliche Ostertage

Leider sieht es gar nicht so aus. Was um uns herum geschieht, macht vielen Angst – mir auch. Dennoch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass die Menschen doch noch wach werden – und wir dann noch viele fröhliche & friedliche Ostertage gemeinsam feiern dürfen. Die Osterglocken, die vor wenigen Tagen noch aussahen, als würden sie elendiglich eingehen, haben sich doch noch eines Besseren  besonnen und blühen pünktich zum Fest.

Das lässt hoffen, meine ich.

jos van aken

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Schloss-Wächter & Bus-Beauty

Begegnungen mit Menscheen in „meiner“ Stadt – das sind immer besondere Momente, natürlich auch für den Fotografen. In den vergangenen Tagen sind mir zwei junge Passanten besonders aufgefallen:

Die junge Frau, die neben mir im Bus zur Stadt saß, fiel mir nict nur wegen ihrer Schönheit auf: Fasziniert war ich von der Ruhe, der Gelassenheit und Würde, die sie ausstrahlte.

 

 

Und dann war da noch der junge Mann, der  mit vielen anderen an der Treppe zum Braunschweiger Schlossmuseum das frühe Fast-Sommerwetter und den Blick auf die alten und neuen Karossen beim Braunschweiger Autofrühling genoss. Fast machte er den Eindruck als sei er der gestrenge Wächter vor den Toren des Braunschweiger Shopping-Castles. Mein persönlicher Eindruck: Er wollte sehen – und unbedingt gesehen werden. Beides gelang ihm. Und Zeit für den obligatorischen Blick ins Smartphone blieb auch noch.

 

Text & Foto:© 2017 Jos van Aken

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Frühlings“blumen“ mit
PS, töff töff und brumm brumm

Einen bunten Blumenstrauß der etwas anderen Art präsentieren die Stadt Braunschweig und deren Autohändler traditionell Anfang April mit dem „Autofrühling“. Neben den neusten Blechkutschen-Modelle einiger Automarken (schließlich geht es ja letztlich doch um das Ankurbeln der automobilen Umsätze) präsentieren sich an diesem Wochenende vor allem auf dem Burgplatz in der Kulisse von Dom, Burg Dankwarderode und historischer Bürgerhäuser rund um den Burglöwen Blech- und Chrom-Design-Models auf vier Rädern, die ihren unverwechselbaren Charm in den vergangenen mehr als 100 Jahren nicht eingebüßt haben.

Ich bin zwar kein Auto-Fan, aber der nostalgisierte Blick zurück in meine Kindheit und Jugend, als Automobile noch geradezu erotisierte Kurven hatten, meist mehr Töff-Töff- und Brumm-Brumm-Assoziationen  weckten oder einfach mit technische Ästhetik und begreifbarer Technik zum Anfassen begeisterten, lässt mich zwar immer noch nicht begierig nach stinkenden und ungesunden Auspuffgasen schnuppern oder von Tempo-Vollrausch („mit 80 Sachen in die Kurve“) tagträumen; aber der historische Part des Braunschweiger Autofrühlings bietet mir immer wieder Motive meiner Fotografie. Hier zunächst einige Bilder, die mit meiner digitalen Mini-Kamera, der Sony DSC-QX 10 (und natürlich anschießend der Gestaltung am Computer entstanden:

Eine Rarität, die zeigt, dass von Elektromotoren angetriebene Autos, bekanntlich DAS angesagte Thema der Automobilindustrie des 21. Jahrhunderts, bereits vor knapp 100 Jahren und bis Anfang der 1960 Jahren aufg unseren Straßen unterwegs waren: BD Energy präsentierte den historischen Kleinlaster EM3, der 1924 in der Hannoverschen Waggon-Fabrik (HAWA) gebaut wurde.

 

Das Elektrofahrzeug HAWA EM3 war noch bis 1961 bei Wartungsarbeiten des Stromnetzes im Einsatz. Für seine rasante Höchstgeschwindigkeit von sagenhaften 25 km/h sorgte der 1 PS starke Gleichstrommotor, gespeist aus einer Bleibatterie mit 40 Volt und 120 Ah. Das reichte für eine Strecke von 70 km.

 

Eine automobile Schönheit mit roten Akzenten: Der DKW F7 aus dem Jahr 1938. Technisches Detail: Ein wassergekühlter 700 Kubikzentimeter-Zweizylinder-Motor mit respektablen 30 PS.

 

Zwar gab es im Original der Burg Dankwarode und zu Bauzeiten des Braunschweiger Doms noch keine Autos;, und der Burglöwe dürfte sich furchtbar erschreckt haben, als die ersten Blechkutschen um ihn herum kurvten aber irgendwie passen die „Schnauferl“ doch optisch wunderbar in diese Kulisse.

 

Sicherheit und Schönheit – das müssen keine Gegensätze sein: Ein Musterbeispiel parkte beim Braunschweiger Autofrühling glein neben der Burg Dankwarderode auf dem Burgplatz (im Hintergrund Dom und Rathaus) Der „<Buckelvolvo“ (Volvo 544) galt und gilt als robust und „unkaputtbar“, – mit „eingebauter Lebensversicherung“ (bereits 1958 mit Dreipunktgurt.. Die Schönheit aus Göteburg ist immer noch Musterbeispiel für zeitloses Design .

 

 

Der „Barockengel“ darf bei keiner istorischen Automobilschau fehlen – auch er ein klassisches Oberklassen-Produkt der 1950er Jahre. Der BMW 301 ist nac wie vor mehr als „nur“ ein Auto: Er repräsentiert ohne zu protzen Reichtum und Macht.

 

Namensgeber dieses Prototyps US-amerikanischer Lebensart war ein Franzose: Antoine Laumet de la Mothge, seines Zeichens „Sieur de Cadillac“, hatte im Jahr 1701 die Stadt Dteroit im StaateMichigan gegründet. Ein Mamager von Henry Ford, Henry Martyn Leland gründete gut 200 Jahre später, genauer im August 1902 in Detroit die Cadillac Motor Company.

 

 

US-Amerikaner schwärmen nicht selten für alles, was mit europäischem Adel zu tun hat. Was lag da näher, als dem Straßenkreuzer Cadillac als Emblem das Familienwappen des Namensgebers, eines Franzosen namens Antoine de la Mothe Cadillac,, der Anfang des 18. Jahrhunderts die spätere Automobilstadt Detroit gegründet hatte – übrigens ein Phantasiewappen.: Besagter „Sieur de Cadillac“ war keineswegs ein Adliger. Der Abenteurer wurde als Sohn französischer Bauern geboren. Über dem gefakten Adelswappen lugt die Kult-Kühlerfigur der Firma: Die „Flying Godness“, die fliegende Göttin. Angefangen mit den Verzierungen der -Karossen, die (gewollt) an die Galionsfiguren grooßer Segelschiffe erinnern sollten . Zum stolzen Windjammer gehörte die große Holzfigur am Bug des Schiffes. Als erste Automobilschmiede kam Rolls Royce auf die geniale Marketing-Idee, eine kleine Galionsfigur vorne auf den Kühlergrill zu montieren: Die „Spirit of Exstacy“ (Geist der Exstase)

Text und Fotos: ©  2017 Jos van Aken

 

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24,9° C – fast schon so was
ähnliches wie Sommer im Frühling

Einen Tag vor dem 1. April – und damit wahrscheinlich eher kein Aprilscherz – wurde in Braunschweig eine Temperatur von 24,9° Celsius gemessen. Das hat schon was von Sommer. Der Flora im Botanischen Garten an der Humboldtstraße war es offensichtlich egal, dass ein mickriges Zehntel Grad an einer „korrekten“Sommertemperatur fehlte: Es grünte und blüht, was die Frühlingsfühle hergeben. Ja, auch (und ganz besonders) Pflanzen sind zur Zeit auf das Motto „Wachset und mehret euch“ eingestellt. Hier der fotografische Beweis. Impressionen meiner heutigen Frühlingstesttour:

Die Kreuzmagnolie blüht schon seit einigen Tagen
Heute hatte dann auch die Tulpenmagnolie im Bauerngarten ihren großen Auftritt
Bei Magnolien (hier wieder die Kreuzmagnolie) lohnt sich immer ein Blick nach oben.
Einwenig versteckt neben dem Eingang Humboldtstraße und hinter einem der Torhäuser blüht eine der Kamelien des Botanischen Gartens.
Die Baumriesen

Halali – nach erfolgreicher Fotojagd ruht sich Autor und Fotograf Jos van Aken unter der Tulpenmagnolie im Bauerngarten aus – Immer dabei nach dem bewährten Motto „Nie ohne meine big fat japanese mami“: die old fashioned Mittelformatkamera Mamiya RB 67 – die Fotos hier entstanden allerdings nicht auf Filmmaterial (das muss erst noch entwickelt werden), sondern mit einer schnellen kleinen Digital-Knipse.

 

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Nobler Farbfilm-Schatz ein
Stündchen in ordinärem Rodinal

Ich bin alles andere als ein Held. Wenn überhaupt, dann könnte ich mich bestenfalls in der Rolle des Antihelden sehen – weniger schmeichelhaft gesagt: Ich bin zuweilen ein elender „Schisser“. Aber heute habe ich doch eine klitzekleine Stufe auf der Treppe zum „Helden“ erklommen. Kurz: Ich habe „es“ getan.

Was? Das Ergebnis – vorweg – seht ihr hier. Ich hatte seit Tagen gegrübelt, recherchiert, Pro und Contra erwogen (und beides immer wieder verworfen). Es ging um die nicht ganz unwesentliche Frage: Was fange ich mit den wunderbaren, seit Jahren abgelaufenen Farbdia-Rollfilmen (AGFA RSX-II ) an, die ich mit meiner Mamiya RB67 geschenkt bekommen hatte? Na klar: Fotografieren. Ich füttere seitdem immer wieder mal die 67er-Magazine meiner „biug fat Mami“ und auch meine „kleine“ Mamiya 645 1000 S mit dem edlem Zelluloid.

„Nobler Farbfilm-Schatz ein
Stündchen in ordinärem Rodinal“
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Ist das Kitsch – oder
muss das jetzt sein ???

Farben mal so richtig knallen lassen ist eigentlich nicht mein Ding. Aber manchmal muss es eben doch sein:Frühlingsimpressionen aus dem Bauerngarten des Botanischen Gartens in Braunschweig an der Humboldtstraße. Da beginnt gerade die Magnolienblüte, zunächst sind es wie in jedem Jahr die Sternmagnolien – und darunter der Teppich von Blaustern-Blüten.

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Frühling lässt sein blaues …
oder darf’s auch pink sein?

Er ist’s

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804 – 1875)

Das „blaue Band“ ist vielseitig nützlich. Einerseits ist es seit jeher so eine Art Orden und Ehrenzeichen für den schnellsten Gaul beim britischen Derby und später für besonders fixe Dampfer auf der Atlantikroute – eine geniale Marketingidee transatlantischer Reeder des 19. Jahrhunderts. Andererseits fällt unsereiner das blaue Dingsda reflexartig im März, spätestens im April ein – und dann hat es weder mit edlen Rösern noch mit dicken Pötten auf hoher See zu tun, sondern mit einem gewissen Mörike, Eduard Mörike. Der hatte nicht nur die Lizenz zum Dichten, sondern war auch Teil eines schwäbischen „Rat Packs“. Mörikes Freundschaft mit zwei anderen notarisch schwäbelnden Lyrikern, Friedrich Hölderin und Wilhelm Waiblinger, erinnert mich – warum auch immer – irgendwie an das Trio Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Dean Martin das alssingendes und tanzendes „Rattenpack“ („Rat Pack“) Triumphe auf den Bühnen feierte.

Mörike also und sein blaues Band, das er in seinem Blockbuster-Gedicht „Er ist’s“ alle Jahre „wieder flattern“ lässt durch die Lüfte – mitsamt wohlbekannter ahnungsvoller Düfte. Natürlich meinte der romantische Schwärmer das  träumende Veilchen (das zwar nichtflattertr, aber immerhin bevorzugt blau ist –  und mitnichten die strengen Gülleschwaden, für den – damals wie heute – die emsigen Bauersleut beim Nähren ihres Ackers sorgen, sondern die olefaktorischen Nasenschmeicheleien, mit denen vor allem Viola odorata (das Duftveilchen), Viola alpina (das Ostalpen-Stiefmütterchen und all die anderen fast immer ein echtes Mörike-Frühlings-Blau produzierenden Mitglieder der Familie der Violaceae, der Veilchengewächse.

Auf meiner Suche nach dem Frühling und seinem „Blauen Band“ habe ich allerlei Farbe gefunden, auch ein Blau, das den Verseschmied aus dem Schwäbischen zu literarischen Frühlingsgefülen inspiriert hätte. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Cilla-Teppich: Der Blaustern heißt nicht nur so, er ist es: Blau, bläuer geht’s kaum.

„Frühling lässt sein blaues …
oder darf’s auch pink sein?“
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Blühender Endspurt in den Lenz

In wenigen Tagen beginnt er wirklich: der Frühling aka Lenz (von wegen der Veronika). Zu beobachten und gebührend zu bewundern ist dieses alljährlich von fast allen – außer den Pollen-Allergikern wahrscheinlich – herbei gesehnte Spektakulum der Natur erfahrungsgemäß und in geballter Form in unseren Botanischen Gärten. Ich habe mich  heute mal wieder im Braunschweiger Botanischen Garten umgeschaut.

Während die Blausterne bereits unmissverständlich auf Frühlingsgefühle hinweisen, ziert sich die Magnolie eine Etage höher noch ein wenig; aber Knospen gibt es reichlich.
Zu den unübersehbaren Frühlingsboten gehört natürlich auch die Korkenzieherweise hoch über dem Okerufer – für den Fotografen grafisch schwarzweiß ebenso attraktiv wie im sattem Gelb der Kätzchen dieses Baums, der ursprünglich in China beheimatet war und übrigens ein naher Verwandter der bekannteren Trauerweide ist.

Mein absoluter Favorit unter den Bäumen, die riesige Blutbuche zeigt noch kein Grün – aber sie ist umgeben vonKrokussen, die ihre Blüten der Sonne entgegenstrecken.
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… wenn der Krokus(s) dem
Schneeglöckchen einen mit gibt

Verglichen mit der Vielfalt im Sommer ist das Blüten-Angebot in Botanischen Gärten ja noch überschaubar. Aber es geht wohl den meisten von uns so: Wir begrüßen und bejubeln jedes einzelne Blümchen, das uns das Ende der kalten Jahreszeit ankündigt.

Nach den Winterlingen und den Krokussen, die wie üblich die Frühlingsampel auf Grün schaltete (für Farbenbline: Eigentlich handelt es sich um leuchtendes Gelb und Blau bis Violett) sind jetzt Schneeglöckchen und Märzenbecher an der Reihe; auch immer wieder stimmungserhellend.

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Sonne tanken
für die Bienen und so

Irgendwann musste es ja passieren – und heute war es endlich so weit: Über Nacht hatten sich die ersten der (Vor-) Frühlingsblumen im Botanischen Garten Braunschweig herausgetraut. Und jetzt weisen sie alles andere als dezent darauf hin, dass es los gehen kann mit der Blüherei, den Bienen und so ..

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Rheinländer – und bekennender
Narr wider Willen im Ruhestand

Manches hängt uns fast ein Leben land an wie Pattex: Mir zum Beispiuel unter anderem meine Herkunft. Ja, es stimmt:Ich bin am Niederrhein geboren und habe dort – da, wo der Niederrhein nicht niederer sein kann – meine Kindheit und Jugend verbracht. Macht ja nix  – es kann einem schlimmeres widerfahren. Nur habe ich, Jahrzehnte später, erfahren, dass der Zufall des Geburtsorts auch zum Fluch werden kann. Mein Arbeitgeber seit Ende der 1980er Jahre, der Norddeutsche Rundfunk (NDR), kam nämlich auf die glorreiche Idee, dass diese als solche nicht sonderlich karnevalistisch behaftete öffentlich-rechtliche Anstalt den seit 1985 stattfindenden Karnevalsumzug (mittlerweile Schoduvel genannt) mit einem eigenen Festwagen eigenwerbend nutzen könnte.

Es lässt sich trefflich darüber streiten, ob Braunschweig wirklich eine authentische „Karnevalshochburg“ ist. Ich persönlich neige zu der Ansicht: Nein. Natürlich gab es – wie fast überall im heutigen Deutschland – auch im mittelalterlichen Braunschweig ein munteres, ausschweifendes Narrentreiben – unter anderem mit den Figuren des Erbsbären und dem Schoduvel (auf hochdeutsch etwa „Scheuchteufel“), die in einem Umzug durch die Stadt symbolisch und stellvertretende für den Winter vertrieben wurden.

„Rheinländer – und bekennender
Narr wider Willen im Ruhestand“
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Ein Film-Star kommt
„in die Jahre“ – na und ???

Fotografie-Foren im Internet sind nützlich – aber manchmal verunsichern sie (ungewollt) auch. Ein typisches Beispiel dafür sind die endlosen Diskussionen mitsamt „Patentrezepten“ zum schier unerschöpflichen Thema „Filmmaterial in der analogen Fotografie, vor allem Gedanken und Tipps zu Filmen, die seit Jahren das Verfalldatum hinter sich gelassen haben. Manche schwärmen von „künstlerischen“ Fehlfarben, die sich da mittlerweile (wegen unsachgemäßer Lagerung ) in die Emulsion geschlichen haben, andere meinen genau zu wissen, mit wie vielen mehr  Blendenstufen die Oldies mehr Licht auf den Film im biblischen Alter fordern, und dann gibt es endlose Diskussionen darüber, wie der Laborpanscher von (Bild)Welt per Selbstentwicklung mit den unterschiedlichsten Ingredienzien und Verlängerung des Chemiebades dem schon totgesagten Uralt-Film noch brauchbare Fotos entlocken könnte.

Das Braunschweiger „Shopping-Schloss“. Da ich „hybrid“ arbeite, also auf Film fotografiere , den Film herkömmlich entwickeln, dann aber dieiI Negative (in diesem Fall ein Umkehr-Positiv) einscanne (mit einem mittelprächtigen Canon 9000F Mark II) und abschließend mehr oder weniger am Rechner bearbeite, entsprechen die Bilder nicht der „reinen analogen Lehre“; aber ich nun mal kein Fundamentalist und glaube auch nicht mehr an Klapperstorch und Cristkind (oder heißt das „Klapperkind und Christstorch?) Das „Schloss“ habe ich mit der Mamiya RB67 und der Normalbrennweite 90 mm, Blende 22, Belichtung 1 sec. fotografiert

Wer da richtig liegt? Keine Ahnung. Aber ich war schon gespannt, als mir mit einer wunderbaren analogen Mittelformat-Ausrüstung (Mamiya RB67) eine ganze Tüte eines schon lange nicht mehr produzierten, bis Anfang unseres Jahrtausends bei Profifotografen bevorzugten Umkehrfarbfilms (AGFA RSXII 100) als Rollfilmfutter für die Magazine der guten alten „dicken Mami“ geschenkt wurde. Laut Aufdruck sollten diese Dia-Filme soätestens bis Mai 2006 belichtet und entwickelt worden sein.

„Ein Film-Star kommt
„in die Jahre“ – na und ???“
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Kann das weg –
oder ist das ’ne Fee?

Thema dieses Artikels ist eine vor allem bei Garten- und Pflanzenfreunden beliebte Dekoration: Die Flower Fairies (Blumen-Feen) nach Zeichnungen der englischen Kinderbuch-Autorin Cicely Mary Barker. Während der Recherchen und beim Schreiben fiel mir jedoch auf, dass diese ja absolut harmlosen Figuren durchaus das Potential von häuslichem Sprengstoff haben …
Jos van Aken

Ist das Kitsch? Oder kann das weg? Muss das möglicherweise sogar weg? Oder ist das vielleicht gar Kunst? Fragen über Fragen, die sich spätestens immer dann stellen, wenn wir unsere Wohnhöhle oder überhaupt unsere direkte Umgebung stimmungserhaltend, besser stimmungsaufhellend gestalten wollen. Vorab: Eindeutige Antworten auf diese Fragen gibt es viele – aber diese smarten Antworten gelten nicht immer, nicht für jeden, nicht für alles, was wir mit so einer schnellen Antwort bewertend – möglicherweise ein für allemal – in Schubladen verschwinden lassen.

Hier geht es konkret nicht um hochgestochene akademische (meist eher sinnlosen) Diskussionen mit gedankenschwer aufgestützem Kinn und Quer- oder Längs-Runzeln in der hochgezogenen Stirn über „große Kunst“, sondern um etwas ganz Alltägliches, an dem sich aber immer wieder die Geister scheiden – vornehmlich zwischen weiblichen und männlichen Geschlechts und Geschmacks – bis hin zu ernsthaften Beziehungskrisen (sprich: dem sprichwörtlichen schief hängenden Haussegen – aber wer hat heutzutage schon noch einen Haussegen? – außer eher fundamentalistischen Christen oder Familien jüdischen Glaubens. Bei letzteren muss der Haussegen übrigens sogar schief hängen, damit nicht irgendwann der Haussehenschief hängt (der sprichwörtliche): Die mosaische Mesusa, eine rituelle Schriftkapsel wird in orthodoxen jüdischen Haushalten auch heute noch an Türpfosten gehängt – und zwar schief. Das muss sein  – sonst …

„Kann das weg –
oder ist das ’ne Fee?“
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Blutrote Blüten nicht nur für
Kurtisanen mit Final-Husten

Alle Jahre wieder wird es im Botanischen Garten Braunschweig – nein, nicht schon wieder besinnlich-weihnachtlich mit Oooo Tannenbaum und mehr oder weniger Lametta, sondern:  ein wenig erotisch-schwülstig. Und das auch noch in einem TREIBhaus, genauer, in dem baufälligen Seerosen-Haus (dessen Neubau und damit die Rückkehr der gigantischen Victoria cruciana seit 2 Jahren angekündigt wird.) Aber jetzt blüht dort unübersehbar, hinter Glas die Winter-Attraktion des Botanischen Gartens schlechthin: Die Kamelie. Sie  leuchtet (gefühlt) flammendrot die Minustemperaturen weg.

 

„Blutrote Blüten nicht nur für
Kurtisanen mit Final-Husten

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selfie – neuzeitlicher kinky-hype?
von wegen!

Das Selfie an sich gilt ja als eine segensreiche (oder auch verfluchte Erfindung (man kann ja auch Nebenwirkung oder Risiko sagen) am Rande des Smartphones. Natürlich ist das eines der berühmten „modernen Mythen“ oder auch Großstadtlegenden oder „urban tales“. Die Wahrheit ist: Selfies gab es immer schon; nur hießen sie früher mal „Selbstportraits“.

Typisch 80er – hier bei der Arbeit für den NDR

Das klingt nicht ganz so angesagt, posh und kinky wie „selfie“ – aber immerhin waren es früher nicht Lieschen Müller, Lady Gaga oder Otto Maier (mit ai bitte), die sich selbst bildlich unters Volk brachten, sondern die großen Meister der Malerei und des Zeichenstifts, die sich selbst beobachteten, in sich gingen sozusagen und sich dann – wenn sie schon mal so kontemplativ waren – zu (Bütten)Papier oder Leinwand brachten.

„selfie – neuzeitlicher kinky-hype?
von wegen!“
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schwarz/weiss und auf film
statt chip: nostalgie oder besinnung?

professionelle fotografen und ambitionierte foto-amateure entdecken zunehmend die besonderen  kreativen möglichkeiten der bildgestaltung mit techniken des 19. und 20. jahrhunderts. statt turbomäßig mehr oder weniger ernst zu nehmende megapixel in wachsender zahl auf digitale speichermedien zu bannen, greifen sie, wohlüberlegt, zu historisch anmutenden analogen, auch gern zu rein mechanischen foto-apparaten (ja, so nannte man im 20. jahrhundert immer noch die kameras). „schwarz/weiss und auf film
statt chip: nostalgie oder besinnung?“
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zum kotzen – aber wunderschön

wer den winter zum sprichwörtlichen kotzen leid ist, hegt und pflegt sie jetzt auf der fensterbank. dass das gelbe blütenwunder seit dem 16. jahrhundert in der volksmedizin als bewährtes brechmittel galt, wissen die meisten liebhaber floraler dekoration in haus und garten wahrscheinlich nicht – oder allenfalls, wenn sie eine ihrer zwiebeln mit der gewöhnlichen küchenzwiebel verwechseln. „zum kotzen – aber wunderschön“ weiterlesen

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edvard m. lässt grüßen

try and error – nicht unbedingt die schlechteste methode der kreativität. zumindest kann ein wenig erfolgreicher versuch im weiten feld gestalterischen schaffens auch schon mal weiter helfen. das bild oben ist natürlich keineswegs der lächerliche versuch, den große edvard munch und seinen „schrei“ nachahmen zu wollen. aber letztlich hat der norweger künstler mit seinem bekanntesten expressionoistischen gemälde, das in gestalt einer unzahl von kopien zu einer art evergreen der bildenden kunst wurde, mich doch zumindest in meiner phantasie angestupst. eigentlich sah das bild so aus: „edvard m. lässt grüßen“ weiterlesen

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von wanne-eickel über die
bourbon street nach bad zwesten

ich bin ja ein wanderer zwischen den welten.als vor ein paar tagen mit wieder einmal der dicke fette vollmond den schlaf raubte, musste ich an zwei protagonisten denken, die diese meine welten – die wohl nie eins werden – nicht unwesentlich prägten: friedel und gordon. und beide wurden berühmt durch den mond – nicht nur, aber immerhin. „von wanne-eickel über die
bourbon street nach bad zwesten“
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nun ruhen alle wälder…
… und ’n schönen gruß vom paule gerhardt

… und nicht nur die.

der alte pastor und verseschmied paul gerhardt ließ in der zweiten zeile seines wohl bekanntesten kirchenliedes, das sich seit rund 250 jahren in den klerikalen hitparaden hartnäckig-frömmelnd-besinnlich in den top-ten hält, mit den winterschlafenden nach- und hochwachsenden ressourchen gleich alles „Vieh, Menschen, Städt und Felder“ in tiefen schlaf fallen, war ja sozusagen „ein aufwasch“. in zeile 3 der nr. 477 des evangelischen gesangsbuches stellt er denn nicht ganz unlogisch fest: „es schläft die ganze Welt“ „nun ruhen alle wälder…
… und ’n schönen gruß vom paule gerhardt“
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mein lieber schwan – oder: warum ich
wohl doch nicht zum lohengrin tauge

Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!
Zieh durch die weite Flut zurück,
dahin, woher mich trug dein Kahn,
kehr wieder nur zu unsrem Glück!
Drum sei getreu dein Dienst getan!
Leb wohl, leb wohl, mein lieber Schwan!
Richard Wagner, Lohengrin

Zugegeben, keiner der Schwäne in meinem vor sieben Jahren selbst gewählten Reha-Asyl im Nordhessischen ließ sich dazu bewegen, mich in einem Kahn wenigstens über den mickrigen Kurteich von Bad Zwesten zu ziehen. Macht aber nix: Den Lohengrin hätte mir eh niemand abgenommen.

Abgesehen mal davon, dass ich mit meinem Brummbass nie als edel knödelnder lyrischer Tenor durchginge: Entscheidender für mein klägliches Versagen als Opernstar ist die Tatsache , dass ich neben anderen Schwächen niemals die Neigung zeigte, mich als bekennender ehemals Leptosome, der mittlerweile doch eher zum Pykniker ausufert, auch nur ansatzweise zum Konstitutionstyp eines Athletikers vom Typus Barbies Ken zu entwickeln.

Vielleicht war ich den die Lohengrin-Nummer stur verweigernden Giganten unter den Entenvögeln aber auch ganz profan und wenig spektakulär einfach zu schwer. Wie gesagt: Ich bin auf dem tragischen Weg zum Pykniker, der meist wenig schmeichelhaft als „mittelgroß mit eher gedrungenen Körperbau ja sogar mit einer Neigung zu Fettansatz“ typisiert wird. Mich auch nur in einem (natürlich knallroten) Gummiboot (statt des schweren Wagner-Kahns) zu irgendeiner neugierigen Elsa zu schleppen, würde den Gänsevögeln nicht nur  schwer fallen – es wäre Tierquälerei.

Also blieb es bei der meinerseits höflichen, auf der Seite der Schwäne eher aufdringlich verfressenen Begegnung. Und wie das so ist – ich hatte nicht einmal einen Krümel Brotrest vom üppigen Frühstücksbüffet der mich beherbergenden Kurklinik in den Taschen. Aber das verriet ich den eifrig heranwatschelnden Schwänen erst mal nicht.

Ich war ja schließlich auf der Jagd – Mini-Fotosafari: Wer bei drei nicht im Gebüsch verschwunden ist, wird gnadenlos mit der langen Brennweite optisch erlegt und auf Sensor oder Negativ festgehalten. Hier die Ergebnisse:

 

 

 

 

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die dicke mami 67
kennenlernen – bild für bild

seit einigen wochen lerne ich eine 40 Jahre alte kamera kennen – und lieben: eine Mamiya67 Professional S. mit den hightech-geräten unserer tage hat dieses gute alte stück so gut wie nicht gemein. und mal eben so 50 aufnahmen „auf verdacht“ machen in der hoffnung: „irgendwas brauchbares wird schon dabei sein“ ist nicht drin. dafür taugt diese profikamera, die früher in kaum einem fotostudio fehlte, mit gut 3 kilo gewicht, die mit rollfilmen für das negativ-mittelformat 6×7 gefüttert wird eher weniger.

nix für die schnelle (knips-)Nummer

aber gerade weil ich für die arbeit mit der großen mamiya 67, die einen festen platz neben ihrer „kleinen“ schwester im meiner ausrüstung gefunden har, der ebenfalls eiuänugigen spiegelreflexkamera mamiya645, die aber auch noch hefige 2 kilo auf die waage bringt, – gerade weil ich gern schon mal eine halbe stunde (oder länger) brauche, um nur ein bild auf das alte rollfilmmaterial zu bringen, werden diese beiden sogenannten „analogen“ historischen geräte mit ihren wunderbar zeichnenden optiken immer wichtiger für mich und das, was ich mit dem mittel der fotografie versuche zu gestalten.

noch einmal der gute alte schwibbogen (der mittlerweile – bis zum nächsten advent übersommert – eine lanbelichtung vom stativ mit zweischenring

es ist übrigens „kein leichter weg“, diese ganz andere und ursprüngliche art des „malens mit licht“ wieder zu erlernen – ich bin seit gut 60 jahren mit kameras unterwegs ö und die meiste zeit davon mit heute historischen, zunächst sogar rein mechanischen apparaten (auch meine „neue alte“, die ganz dicke mamiya funktioniert ganz und gar mit grundsolider feinmechanik.

zwei von zehn

ich habe vorhin den ersten schwarzweißfilm, auf dem ich mich mit der Mami67 beschäftigt hatte, als negativ von meinem fotoladen im magniviertel, dem „spürsinn“ zurück bekommen. das ergebnis war wie erwartet: von den zehn negativen (mehr gibt der rollfilm 120 im format 6×7 cm nicht her, sind gerade mal zwei halbwegs gelungen. ich muss noch viel lernen. darauf freue ich mich.

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minus 10 ° celsius – na und?

minus 10° celsius sind nicht meine welt – und mit umgerechneten 14° f wie fahrenheit (weil sich das gleich kuscheliger anhört) ist mir auch nicht wirklich geholfen. aber eins hilft jetzt – das braunschweiger heizkraftwerk mitte am ufer der oker: das dampft aus allen rohren (oder schornsteinen). temperaturen, bei denen sich wahrscheinlich nur pinguine und eisbären wirklich wohlfühlen, lassen mich deshalb zwar immer noch ziemlich kalt, aber nur noch, wenn ich mich todesmutig nach draußen traue.

in den eigenen vier wänden gibt es ja die fernwärme aus dem heizkraftwerk und verschafft mir wohlfühltemperaturen von 22° celsius (das sind fast 72° fahrenheit) ach ja – das dampfende heizkraftwerk beschert mir auch noch ein reizvolles fotomotiv – nur um das einzufangen, musste ich doch wieder nach draußen – bei minus 10° celsius.



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eine seefahrt – die ist lustig
mein seegang war eher kalt

das unvermeidliche alter und die fast ebenso obligatorische tattrigkeit hätte ich ja längst für eine dieser beliebten see- besser noch kreuzfahrten. das bildungsfernsehen mit seinen unendlichen geschichten vom alptraumhaften traumschiff – sei es die gute alte „astor“ oder die „deutschland“ nicht zu vergessen die „berlin“ mittlerweile zwei weitere dicke – und natürlich persilweiß gepinselte pötte) verdarb mir schon in jungen, absolut kreuzschiff-unverdächtigen tagen ein für alle mal die lust  an chefstewardessen, geschniegelten kapitänen in ausgehuniform, vom captains dinner und der albernen eisbomben-parade mal ganz zu schweigen.

nein, meine wässrigen leidenschaftenbeschränken sich auf tret- und ruderboote, ruhige gewässer wie unser hausflküsschen, die oker, und die sichere aussicht auf ein baldiges erreichen des ufers und des bodens unter den füßen.

der mehr oder weniger christlichen seefahrt ziehe ich denn auch den seegang vor – auch und gerade, umein neues jahr zu begrüßen. die heimische see finde ich in nächster nähe – und zwar gleich mehrfach. in diesem jahr habe ich für meinen neujahrs-seegang nicht den südsee (nicht zu verwechseln mit der südsee) ausgewählt – da sind mir um feeiertage herum einfach zuvieleleute, sondern den kleinen, aber feinen dowesee mitten im schul- und bürgergarten in der braunschweiger nordstadt am rande des siegfriedviertels. hier einige impressionen vom sylvesternachmittag.

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Braunschweig übt
den guten Rutsch

Weil die einschlägigen Rutschbahnen auf heimischen Gewässern noch fließen, üben die kleinen und gtroßen Braunschweiger den „Guten Rutsch ins Neue Jahr“ schon mal mitten in der City, auf dem Kohlmarkt, beim „Eiszauber“.

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eiskalte motivjagd rund
um kloster und kreuzteich

Vor zwei Jahren – am 2. Weihnachtsfeiertag 2014 – machte ich den ersten großen Erkundungstrip mit meinem damals neuen Aktivrollstuhl mit Zusatzelektroantrieb. Damals war es zu den Feiertagen bitter kalt – so rund 10 Grad minus, meine ich. Ziel war das Braunschweiger Naherholungsgebiet Riddagshausen – dort hatten im Mittelalter die Mönche eines Zisterzienserklosters Fischteiche angelegt. Ich habe mir die Fotografien von damals noch einmal vorgenommen und habe sie neu bearbeitet.

Kurz vor Riddagshausen
Der größte der ehemals klösterlichen Teiche, der Kreuzteich.
Der Dachreiter der Klosterkirche
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das geheimnis des weihnachtssterns
the mystery of poinsettia

unter uns pastorentöchtern gesagt: wirklich viel geheimnisse gibt es eigentlich gar nicht wirklich um die poinsettie. ein bisschen gruselig ist es allerdings, dass geschäftstüchtige gärtner hierzulande die unschuldigen blümchen ab oktober mittels schwarzer folien zu mindestens 12 stunden dunkelhaft täglich verdammen. der grund: das wolfsmichgewächs setzt nur blüten an und wird damit zum umsatz- und gewinnträchtigen weihnachtsstern, wenn es nicht länger als 12 stunden hell ist.

von weihnachts- zum osterstern: keine zauberei

deshalb wäre es also zum beispiel auch überhaupt kein problem, aus dem weihnachtsstern einen osterstern zu zaubern: ganz einfach, indem die dunkelhaft auf drei monate vor das osterfest verlegt wird.

a propos blüte: es dürfte kein sonderlich gut gehütetes mysterium mehr sein, dass die blüten des weihnachtssterns gar keine blüten sind, sondern ein trick der pflanze, um insekten anzulocken: die begehrten und weihnachtsstylischen klassisch knallroten sternförmig angeordneten riesigen „blüten“ tun nämlich nur so, als seien sie eine  insekten-nahrungsquelle. tatsächlich sind es hochblätter, gärtner nennen sie fachchinesisch „brakteen“.

die eigentlichen blüten sind ausgesprochen mickrig; sie finden sich in der mitte der hochblätter – und würden – unscheinbar wie sie nun mal sind, mit sicherheit keinen dekorationswütigen menschen im weihnachtswahn zum kauf locken.

von montezuma geliebt

noch ein mysterium gilt es zu lösen: das klassische „weihnachtsrot“ des festlichen pflanzenstern entstand keineswegs, weil die cuetlaxochitl – so ihr ursprünglicher name in ihrer heimat mexico – mit dem blut von meschenopfern getränkt wurde, die der azteken-herrscher moctezuma II. (besser bekannt unter dem geläufigeren namen „montezuma“) völlig sinnlos im kampf gegen den spanischen besatzer hermán cortés massenhaft umbringen ließ. wahr soll allerdings sein, dass die weihnachtssterne, die damals ja noch keine weihnachtssterne waren, sondern die weiter oben erwähnten cuetlaxochitl, motezumas lieblingsblumen waren.

als der forscher alexander von humboldt die cuetlaxochitl 1804 von einer amerikareise nach europa brachte, blieb die „euphorbia pulcherrima“ (noch so ein name des „weihnachtssterns“) erstmal eine gaz nette, aber stinknormale pflanze.

wer hat’s erfunden? ein deutscher ami

erst anfang des 20 jahrhunderts kam ein deutscher einwanderer namens ecke auf die eigentlich doch naheliegende idee zu behaupten die unaussprechliche cuetlaxochitl sei ein „weihnachtsstern“. die „paul ecke ranch“ im südkalifornischen san diego county und produktionsstätten in guatemala gilt immer noch als der weltweit größte weihnachtsstern-produzent.

mittlerweile werden unter anderem auch lachsfarbene oder weiße weihnachtssterne gezüchtet. alle anderen farben – wie zum beispiel das viel angebotene blau sind künstlich und stammen aus der lacksprühdüse. wer jeglichen sinn für natürliche schönheit verloren hat, pflegt übrigens auch noch gltter auf den weihnachtsbaumlack zu streuen.

jos van aken

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gestern kam die weihnachtsfrau mit
alukoffer und ’ner fetten mami (ya rb 67 Pro S)

viele, viele jahre glaubte ich  fest und entschlossen nicht an ihn, und an sie erst recht nicht. ich meine natürlich den weihnachtsmann, das saisonale pendant zum klapperstorch: den gibt’s doch gar nicht. eine weihnachtsfrau erst recht nicht. überhaupt habe ich mit festivitäten, die sich um figuren aus der coke-werbung ranken und unweigerlich in absolutem konsumwahn und altehrwürdigen rituellen familienstreitereien enden – vom umtausch-horror mal ganz zu  schweigen, so meine probleme. ich ignoriere alles, was einen roten mantel und eine blöden-mütze trägt, weitestgehend.

ja, ich widerstehe sogar dem allejahrewiedereinmal-kirchenbesuch – trotz  (oder vielleicht doch eher wegen) römisch-katholischer sozialisation in prägenden kindheits- und jugendjahren. dass mir speiübel wird, wenn nrurtdings eine atemlose aber stimmgewaltige helene fischer saccharin-süßlich und fahrstuhl-geeignet vom  christkind trällert, ist da wohl selbstverständlich – wenn überhaupt, dann überlasse ich die besinnlichkeitsfördernde singerei allenfalls herman van veen. aber selbst den muss ich nicht im wohnzimmer haben (zumindest nicht „froh und munter“ mitsamt dem „jesulein zart“)

große (rb67) und „kleine“ (645) mamiya mit einigen objektiven und zwischenringen (für makro-aufnahmen)

seit einigen tagen gelte ich aber doch (fast) als so gut wie bekehrter weihnachts-gläubiger (heißt das wirklich „gläubiger“? weihnachten schuldet mir doch nix). nein, ich werde auf meine alten tage nicht plötzlich wieder lammfromm oder wasche meine hände in unschuld mit weihwasser. aber mein tapferes leugnen des weihnachtsmannes jeglichen geschlechts ist immerhin zumindest arg ins wanken geraten.

wie das?

süßes jesulein oder märklin-bahn?

wer unschuldigen kindern, die noch nicht das von erwachsener „reife“ zeugende heucheln und lügen erlernt haben, die – zugegeben bei religionsstiftern oder sonstigen gurus eher unerwünschte, weil geradezu gefährliche frage stellt, was für sie das weihnachtsfest (für unsere muslimischen nachbarn das zuckerfest) bedeutet und von herzen freut, bekommt als antworten garantiert nicht das süße jesulein geliefert (allenfalls vielleicht ochs und esel), sondern die märklich-eisenbahn (heute eher die drohne) oder die pinkprotzende knuddel-puppe.

eines meiner bis heute mental präsenten kindheitserlebnisse ist das gleisoval mit diagonal querender abkürzung mitsamt lok, waggons, weichen und transformator der Gebrüder Märklin aus dem schwäbischen städle göppingen. Ich bin den Gebrüpdern bis heute zutiefst dankbar , dass sie sich vom anfänglichen fummeligen basteln von puppenküchen ihrer gründerjahre dann doch auf die technische errungenschaft der damals noch dampfenden feuerrösser und deren miniaturisierung spezialisierten – offenbar übrigens eine kluge entscheidung: trotz kleiner und großer krisen ist die gebr. märklin & cie. gmbh immer noch marktführer in der kleinen, aber feinen modelleisenbahnbranche, wenn auch unter wechselnden eigentümern.

„meine märklin“ gehörte wie auch das knallrote erste „richtige“ Fahrrad, das einige jahre später unter der nadelnden fichte stand (natürlich mit viel lametta – am baum, nicht am zweirad) zu den absoluten highlights meiner kindheit – allenfalls getoppt durch eine einsetzende pubertät.

kürzlich wurde ich an die wundersame spielzeugeisenbahn der spurweite „h 0“ erinnert, die sich (meist) brav in bewegung setzte (vorwärts und sogar rückwärts), wenn ich am hebel des transformators drehte – und mir wohliges gruseln verschaffte, wenn ich kleine und große entgleisungen oder andere katastrophen inszenierte (letzteres zum thema „pubertät“).

erste test mit der mamiya rb67 Pro S, dem makroobjektib 140 und zwischenringen

meine lieblingsschwester, die ich lange, lange jahre nicht gesehen hatte, kam mir vor einigen tagen mit einem – bei uns beiden längst überfälligen anruf zuvor (die dem anlass gebührende antwort am telefonhörer lautet wenig glaubhaft: „na so was gerade wollte ich dich auch endlich mal wieder anrufen“). als ich erwähnte, dass ich mich seit einiger zeit trotz beeinträchtigung durch parkinson und perspektivwechsel (tiefergelegt im rollstuhl) wieder intensiv mit fotografie und bildgestaltung beschäftige, fiel dieser wunderbaren frau spontan etwas ein, das mir  dann doch die sprache für einen moment verschlug. wer mich ein wenig kennt, weiß, was diese meine reaktion bedeutet: ich war, wie man so schön und trefflich sagt, „von den socken“.

ein verlockendes angebot

um es kurz zu machen – oder zum mindesten ein wenig kürzer (ich fürchte, mit den jahren entwickle ich ein gewisses talent in der rolle des geschwätzigen greises): als würde sie mir eine tasse tee anbieten, fragte diese beste aller nur erdenklichen schwestern, ob ich vielleicht interesse an dem alten fotografischen equipment hätte, mit dem sie selbst, ihr leider viel zu früh verstorbener mann, den ich nicht nur als hochprofessionellen fotografen schätze, und meine nichte, ab den 70er jahren erfolgreich eine bundesweite foto-agentur für zeitungen und zeitschriften gestaltete.

diese blüte in nahaufnahme wurde noch nicht mit den mamiyas fotografiert, sondern mit einer vergleichsweise winzigen sony dsc qx 10

was dieses großherzige angebot für mich bedeutet, kann ganz und gar nur nachempfinden, wer sich selbst professionell oder als engagierter amateur  ernsthaft mit fotografie beschäftigt, die über das knipsen von  familienbildchen mit dem handy oder der billig digitalkamera geht.

zur wahren und auch ohne knallroten mantel oder rauschebart unverwechselbaren weihnachtsfrau wurden meine schwester mit meiner nichte dann, als sie sich vor einigen tagen ohne rücksicht auf ihre schmerzlich angeschlagene  gesundheit auf den doch ziemlich weiten und stressigen weg zu mir und meiner frau machten. das wichtigste geschenk waren natürlich die beiden selbst. wir hatten alle viel zu erzählen und fanden uns wieder in  höhen und tiefen unserer kindheit.

ein geniales monster

und da war noch ein großer gut gepolsterter alukoffer – und in ihm: eine alte riesige „analoge“, also nicht digital speichernde,  sondern mit herkömmlichem filmmaterial arbeitende mittelformat-kamera (negativ- und diaformat 6×7 cm) in bestform, nicht zuletzt wenn man ihr relativ hohes alter berücksichtigt: gebaut wurde diese je nach ausstattung bis zu vier kg schwere einäugige spiegelreflexkamera von der japanischen firma mamiya: die unter kennern seit mehr als vier jahrzehnten  als urbild herkömmlichen fotografischen apparatebaus berühmte „mamiya rb67 pro s“. dieses monstrum fand sich bis ende des jahrtausend in fast jedem fotostudio, das wert auf professionelles arbeiten legte.

die vor einigen jahren durchaus noch berechtigte frage, ob solch ein „museumsschätzchen“ angesichts der ständigen neuerungen der digitalen welt der fotografie denn überhaupt noch einen praktische nutzen habe,  darf mittlerweile uneingeschränkt mit einem begeisterten „ja“ beantwortet werden. die fotografie auf film erlebt seit einigen jahren eine  – mich wenig überraschende  -renaissance.

und es ist keineswegs nostalgie von rückwärts gewandten schwärmern für old school techniques. auch die jetzt aufkeimenden ebenso end-  wie meist sinnlosen diskussionen über diese und jene vorzüge oder nachteile dieser oder jener art und weise, aus licht und schatten, farben oder grautönen und anderen gestaltungselementen bilder zu schaffen, die seit mitte des vorvorigen jahrhunderts als „lichtmalerei“, sprich fotografie, einzug in die Welt der Kunst ebenso gefunden haben wie in die der Massenmedien, hat allenfalls am rande mit meinem interesse an den ursprüngen der Fotografie zu tun.

nostalgie – und viel mehr

es geht mir und vielen anderen vielmehr um die herangehensweise an die schaffung von bewusst gestalteten fotografien. die praktische knipserei mit digitalen apparaten von der mittlerweile hochauflösenden handy-kamera bis zur perfekten profi-digitalkamera mit ihren gewiss reizvollen schier unendlichen möglichkeiten der leider nicht selten ohne sinn eingesetzten effekthascherei auf die schnelle ist eine faszinierende bildwelt, der ich mich keineswegs entziehe.

aufgenommen mit der mamiya 645 – langzeitaufnahme 8 sec / f=16

die herkömmliche analog fotografie mit alten, einst sündhaft teuren kameras, aufwändig berechneten linsen (objektiven) und anderem hilfreichen, aber umständlich zu handhabenden zubehör – die ich als jugendlicher und später professionell in meinen ersten berufsjahren vor mehr als 40 Jahren kennen und anwenden lernte, ist etwas ganz anderes als das flotte digitalbilder knipsen. analoge Fotografie zwingt mich zur entschleunigung – und „passt“  im übrigen deshalb auch ganz gut zu meiner durch fortschreitende parkinson-erkrankung bedingte ohnehin zunehmende langsamkeit.

zur echten herausforderung, die mich an die grenzen meiner körperlichen möglichkeiten bringt, die ich aber gerne annehme, wird allerdings die unhandliche größe und das enorme gewicht der mittlerweile historischen kameras, das umständliche hantieren mit unterschiedlichen wechselobjektiven – so genannte festbrennweiten vom weitwinkel bis hin zum telefonieren oder Makro (statt der heute allgegenwärtigen bequemen zoomobjektive – und vor allem die wesentliche unterscheidung,  die alte apparate-technik von heutigen „digis“ abhebt:

entschleunigt und bewusst

ich fotografiere nicht einfach „auf deinem komm‘ raus“ drauflos und sortiere, wähle aus und bearbeite später die bilder meiner wahl am computer. die „alte“ fotografie fordert mich zu einem bewussten gestaltungsprozess vor und während des eigentlichen vorgangs der aufnahme jedes einzelnen bildes.

ich hatte mir aus diesen Überlegungen heraus vor gut einem jahr bereits eine erste „kleine“ klassische kamera der marke mamiya zugelegt: meine mamiya 645 für das „kleine“ mittelformat (negativformat 6×4,5 cm). ich habe in diesem Jahr eine menge meiner halb vergessenen kenntnisse und fertigkeiten der fotografie mit und auf film wieder entdeckt – und einiges dazu gelernt.

das ebenso großartige wie großzügige geschenk meiner schwester eröffnet wieder ganz neue möglichkeiten der Gestaltung (großformstiger) bilder in professioneller qualität. das es außerdem ein herrliches spielzeug ist, brauche ich wohl nicht erwähnen.

ich sag es ja: meine Schwester ist DIE WEIHNACHTSFRAU.

jos van aken

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pünktlich eine woche vor dem
fest: die christrose gibt auf

wer meine seiten hin und wieder besucht, erinnert sich vielleicht daran, dass ich mit geradezu wissenschaftlichem interesse (andere nennen es neugierde oder senile schnüffelei – aber nicht mit dem dafür vorgesehenen schnüffelorgan, also der nase, sondern mit den augen) die geschichte der des schwarzen nieswurzes  (helleborus niger) erforschte.

dieses blümelein, das zu der allseits beliebten familie der ranunkeln (ranunculaceae) gehört, auch bekannt als hahnenfußgewächse, hat wie alle anständigen Pflanzen eine heimat: bayern. die meisten freilebenden nieswurze sind allerdings – und das nicht erst seit herrn seehofer – nach österreich geflüchtet. polisch korrekten könnte ich auch sagen: der helleborus niger ist eine typische alpenpflnze, wurde in freier wildbahn aber auch in den italienischen appeninen und im nördlichen balkan gesichtet.

irgendwie multikulti, wenn sie mich fragen – aber verraten sie das bloß nicht strammen afd-lern: die sind instande und werfen das gar nicht so richtig treudeutsche gewächs in hohem bogen aus den fenstern ihrer festlich geschmückten stuben. und damit komme ich auch schon zur sache – ziemlich flink für einen entschleunigten parkinson-patienten, finde ich.

geschäftstüchtige floristen, die es leid waren, immer nur an den muttertagen die mit üblem gewissen behaftete kundschaft zur kasse zu bitten (oder zu treiben) und blumenfreunde im winter mit den ewig gleichen weihnachtssternen zu langweilen – auch wenn es die mittlerweile in allen möglichen farben gibt, stoperten au ihrer suche nach neuen geschäftsfeldern – möglicherweise bei einem betriebsausflug nach bayern oder in den apennin – über den nieswurz, und sie erkannten sofort die chance der umsatz- und gewinnfördfernden nische .

dass die (oder der?) schwarze nieswurz sich in der natur wie die meisten anderen pflanzen zeit lässt mit den kundenbetörenden blüten und an sich erst zwischen februar und mai beginnt, bienen und andere insekten mit besagten blüten, leckerem nektar und eiweißspendendem pollen anlockt, störte die botanisch gebildeten blumenverkäufer nicht die bohne: die schwarze nieswurz wurde auf winterblüte umprogrammiert und – voilá: die christrose war erfunden und wurde flugs in töpfe gezwängt.

soweit die geschichte der christ- oder weihnachtsrose. wir haben die mit hochblättern als knallrote blüten getarnten weihnachssterne, auf die wir  – im gegensatz zu den bienen – schon lange nicht mehr herein fallen und die uns nur noch nerven, seit es modern wurde, das mexikanische wolfsmilchgewächs mit lacken in allen farben des regenbogens zu verschlimmbessern, längst gegen die weihnachtliche Nieswurz eingetauscht.

aber diese festblumen rächen sich offensichtlich für die ihnen aufgezwungene blütenzeit: sie halten nicht lange durch. auch in diesem jahr haben wir wieder erlebt, dass unsere christrose im mollig erwärmten wohnzimmer pünktlich eine woche vor dem weihnachtsfest  welkte, die blüten hängen ließ und entsorgt werden wollte.

ich fürchte, wir müssen doch noch zu den weihnachtssternen greifen, wenn wir auch zu heiligabend und an den beiden weihnachtstagen auf den festüblichen floralen schmuck nicht verzichten wollen.

Jos van Aken

 

Siehe auch teil 1

„nicht nur zur weihnachtszeit
heinrich böll läßt grüßen“

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nicht nur zur weihnachtszeit
heinrich böll läßt grüßen

christrosen

heinrich böll läßt grüßen: der schwarze nieswurz blüht bekanntlich eigentlich erst von februar bis april und wäre damit das geeigneteflorale inventar f+r die wohl bekannteste kurzgeschichte des Literaturnobelpreisträgers. böll ließ anfang der 50er jahre in der erzählung „nicht nur zur weihnachtszeit“ eine „tante milla“ tagtäglich weihnacht feiern.

der hier präsentierte schwarze nieswurz kam zwar niucht in bölls bzw. tante millas weihnachtsstube.aber die zeiten haben sich geändert seit 1952 – als ein gewisser Pfarrer Hans-Werner von Meyenn die satire als solche erkannte und dem katholischen autor heinrich böll eine schändliche „verunglimpfung deutschen gemüts“ vorwarf. heute bäuchte tante milla keinen sperrigen und nadelnden weihnachtsbaum mehr an frühlingsabenden, um in die von ihr begehrte weihnachtsstimmung zu kommen.

unser schwarzer nieswurz würde heutzutage den gleichen zweck erfüllen. der istnämlicht seit jeher nicht nurals christ- oder weinachtsrose bekannt; smarte floristen nutzen die möglichkeit einer vorgezogenen Blüte des ursprünglichen immergrünen alpengewächses aus der familie der hahnenfußgewächse um die advents- und weihnachtszeit längst umsatz- undgewinnträchtig.christrosen gehören mittlerweile in jede weihnachtsstube, die etwas hermachen will.

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siehe auch Teil 2
pünktlich eine woche vor dem
fest: die christrose gibt auf

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ende für die edle
kunst des löwen-trunks

das war’s mal wieder. ein weiteres stückchen prosaischer alltatagskultur verschwindet: der kiosk „zu den zwei löwen“ am rande des erfurt-platzes im braunschweigerviertel heidberg. diese zufluchtsstätte für trinkfreudige menschen wird zurzeit abgerissen.

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