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Buskers – Braunschweigs Straßenmusik-Fest

Sie gehören in jeder Stadt zum Straßenleben: Musiker in den Fußgängerzonen und auf den Plätzen der Innenstädte. Eine geballte Ladung Straßenmusik bietet Braunschweig an diesem Wohenende: Das Straßenmusik-Festival „Buskers“ (das englische Wort für Straßenmusiker). Auf allen Plätzen und Straßen der Innenstadt machten Braunschweiger und ihre Gäste aus der Region Bekanntschaft mit bekannten und (noch) weniger bekannten Straßenmusiker aus (fast) aller Welt.

Ich bin am ersten Tag des Busker-Festivals mal durch die Stadt gerollt und habe einige fotografische Impressionen gesammelt (Zum Vergrößern die Bilder der Galerie anklicken)

Text und Fotos © 2018 Jos van Aken

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Ein Nachmittag in Annemaries Garten

Was tun, wenn das Thermometer seit Tagen locker die 30-Grad-Grenze knackt und erfrischende Kühle weiterhin nicht wirklich in Sicht ist? Das tröstliche Bewusstsein, in einer gesegneten Region zu leben, die erfahrungsgemäß eher selten von zwar kühlenden, aber auch verheerenden Unwettern verschont bleibt (hoffentlich weiterhin), verschafft keine Abkühlung, und irgendwann hilft auch nicht mehr der Rückzug in die schattigen eigenen vier Wände – weil deren Gemäuer sich unter der Sonnenglut längst in eine Speicherheizung verwandelt haben.

Aber es gibt Auswege: Wir treiben uns bei den derzeitigen hochsommerlichen Temperatur-Kapriolen mit Vorliebe im Garten herum. Mangels einer eigenen Scholle nehmen wir immer wieder gern und dankbar die Einladung unserer lieben Freundin Annemarie an. Bei der gibt es nicht nur eine schattige Terrasse,auf der sich bei Kaffee und Kuchen herrlich faulenzen lässt, sonder vor allem einen der der schönsten Gärten, die wir kennen. Hier einige Impressionen aus dem kleinen grünenden und blühenden Zauberreich:
(Bilder in der Galerie zum Vergrößern anklicken)

 

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Ein paar Blümchen und
die Sommersonnenzeit

Was haben wir ihn doch erfleht, beschworen und – falls gläubig – auch schon mal mit inbrünstigem Gebet , ähnlich wie die Indianer und anderen Naturvölker, versucht herbei zu zaubern: Den Sommer.

Jetzt haben wir ihn seit Wochen – und schon mag diese oder jener die jahreszeitüblichen Wetterphänomene gar nicht mehr leiden. Zum Beispiel, wenn Gewitter und andere Unwetter die Sommerfreuden verderben (kann man ja nachvollziehen – wenn das idyllisch und poetisch plätschernde Bächlein zum alles mitreissenden Strom anschwillt).Viele, die über Schmuddelwinterwetter geschimpft hatten, lamentieren jetzt aber ganz einfach auch über viel zu viel Schönwetter. Na ja, ich kann Temperaturen um 30 Grad Celsius auch nicht sonderlich gut ab. Ist aber kein Grund für schlechte Laune  – gibt es doch Schatten, Mineralwässerchen und vornehme Zurückhaltung in Sachen Bewegung.

Hier einige blumige Impressionen, die ich heute im Botanischen Garten Braunschweig – und am Braunschweiger Dom mit der Kamera gesammelt habe Bilder zum Vergrößern anklicken):

Bilder und Text © 2018 Jos van Aken

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Lesen verboten
… noch nicht wieder

Vor 85 Jahren, am 10. Mai 1933 brannte vor dem Braunschweiger Residenzschloss ein Scheiterhaufen. Studenten der Technischen Universität Braunschweig zündeten gemeinsam mit ihrem Rektor und zahlreichen anderen Braunschweiger Bürgern hunderte von Büchern. Die Braunschweiger Zeitungen hatten zuvor zur Teilnahme an der Bücherverbrennung aufgerufen und eine „Schwarze Liste“ mit der Literatur veröffentlicht, die angeblich auf den Scheiterhaufen gehörte.

Mit dem Projekt „Lesen verboten!“ erinnert das Dezernent für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig noch bis zum 14. Mai 2018 auf den 85. Gedenktag der Bücherverbrennung aufmerksam machen. Auf einer kreuzförmigen Folienklebung, die die Gedenkplatte umschließen und dadurch den Ort der Bücherverbrennung von 1933 deutlich markieren wird, sind die Namen der „verbrannten Dichter“ aufgeführt, deren Bücher in Braunschweig in Flammen aufgingen.

Außerdem wurde auf dem Schlossplatz ein transparenter Lese-Pavillon aufgebaut. Im Innern des Pavillons Kisten mit Büchern, die 1933 verboten wurden. Tagsüber fordert der Pavillon zum Lesen der verbotenen Bücher auf, nachts erinnert er, von innen beleuchtet, symbolisch an den  Ort der Bücherverbrennung

Die Aktion vor 85 Jahren, nur wenige Monate nach der Wahl des Massenmörders Adolf Hitler zum Reichskanzler, unter dem Motto „wider den undeutschen Geist“ war deutschlandweit vom Deutschen Studentenbund organisiert worden. Verbrannt wurden Bücher von 131 vor allem jüdischen,  sozialdemokratischen, marxistischen und pazifistischen Autoren, unter anderem die Werke von unter anderem die Werke von Karl Marx, Franz Kafka, Heinrich Mann, Erich Kästner, Sigmund Freud, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky.

Mit dem Projekt „Lesen verboten!“ machtdas Dezernent für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig noch bis zum 14. Mai 2018 auf den 85. Gedenktag der Bücherverbrennung aufmerksam machen. Auf einer kreuzförmigen Folie, die die Gedenkplatte umschließt und dadurch den Ort der Bücherverbrennung von 1933 markiert, sind die Namen der „verbrannten Dichter“ aufgeführt, deren Bücher in Braunschweig in Flammen aufgingen.

Zur Erinnerung und Mahnung an die Bücherverbrennung hatte der Braunschweiger  Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann im  Juni 2010 auf dem Braunschweiger Schlossplatz eine Gedenkplatte enthüllt. Zu lesen ist auf der Tafel ein Zitat des Dichters Heinrich Heine aus dem Jahr 1821:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“

Der im Nachhinein prophetisch klingende Text Heines bezog sic übrigens historisch auf eine Verbrennung des Korans nach der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter unter dem inquisitorischen Kardinal Gonzalo Jiménez de Cisneros.

Oberbürgermeister Dr. Hoffmann (CDU), der die Braunschweiger Gedenkplatte 2010 enthüllte, war übrigens in jungen Jahren Funktionär der Studentenorganisation der neonazistischen NPD.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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Automobil-Ikonen –
mal wuchtig, mal rasant

Reichlich Pferdestärken und entsprechende Kraft haben beide Attraktionen, die in diesem Jahr Besucher zum „Autofrühling“ nach Braunschweig lockten. Neben Präsentationen der neusten Blechkutschen, mit denen die Autohändler der Region an ihren Ständen in der Innenstadt um Kunden warben hab es wieder zwei historische Schwerpunkte: In diesem Jahr gab es historische Lastwagen der Braunschweiger Firma Büssing auf dem Platz vor dem Braunschweiger Shopping-Schloss und eine gute Handvoll geballte PS-Potenz aus Zuffenhausen in unverwechselbarer Blechschönheit auf dem Burgplatz unter dem Braunschweiger Löwen: Porsche-Freunde zeigten einige ihrer rasanten Statussymbole – auch für eher weniger dem Geschwindigkeitsrausch verfallene Menschen wie mich jedenfalls ein Augenschmaus.

Hier erst einmal einige Impressionen auf Schwarzweiß-Film, eingefangen  mit einer ebenfalls historischen Kamera, der Rolleiflex 3003: 

Die für die Schwarz-Weiß-Aufnahmen eingesetzte Rolleiflex 3003, eine „einäugige“ Kleinbild-Spiegelreflex-Kamera aus den frühen 1980 Jahren, war den letzte, leider erfolglose Versuch der Braunschweiger Traditionsfirma Rollei, doch noch wieder Fuß zu fassen auf dem längst von japanischen Firmen eroberten Kamera-Weltmarkt. Die Rolleiflex 3003 war das Nachfolgemodell der technisch noch nicht ausgereiften Rolleiflex SL 2000 F.

Der bekannte Rollei-Ingenieur Heinz Waaske hatte das innovative Kameramodell, das mit Wechsel-Filmmagazinen, integrierten Lichtschacht und „Fernrohr“-Suchern und schnellem (3 Bilder/Sekunde) eingebauten motorischen Filmtransport seinerzeit als geradezu revolutionär auf der „photokina“-Ausstellung in Köln von der Fachwelt gefeiert wurde, entwickelt. Der kommerzielle Erfolg blieb letztlich aus: Lediglich 4.800 Exemplare der „SL 2000 F“ wurden produziert; das hier von mir eingesetzte technisch ausgereifte Nachfolgemodell Rolleiflex 3003 brachte es bis 1994 nur noch auf knapp 2.800 Exemplare.

Und hier noch einige Fotos auf Farbfilm vom diesjährigen Autofrühling: Die habe ich mit dem bekannteren Braunschweiger Kamera-Klassiker aus dem Hause Franke und Heidecke, der zweiäugigen Spiegelreflex-Kamera Rolleiflex 2,8 F, einer Kamera für die klassische Fotografie auf Mittelformat-Rollfilme (6×6 cm) aufgenommen. Wenn ich mit dieser Kamera aus den 1960er Jahren unterwegs bin, muss ich zumindest in Braunschweig grundsätzlich einige Zeit mehr einplanen:

Vor allem bei den Aufnahmen der Braunschweiger Brummi-Legenden von Büssing freuten sich viele bekennende Lokal-Patrioten darüber, dass diese alten „rollenden Braunschweiger“  mit einer alten Kamera, die  der Braunschweiger „Kamera-Schmiede“ Franke & Heidecke einst Weltruhm einbrachte, auf Film festgehalten wurde – eben der Rolleiflex mit den unverwechselbaren zwei Objektiv-Augen.



Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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Tap Dance, Drehleier
und Röhrenspieß-Laute

Seit jeher müssen wir nicht unbedingt gleich in hochsubventionierte, aber alles andere als billige Weihestätten der Hochkultur pilgern, um musischen Genüssen zu frönen. Oft reicht auch der Einkaufs- oder sonstige Bummel durch die Fußgängerzonen und über die Marktplätze der Städte, um von einem Mini-Openair-Konzert zum nächsten zuschlendern, bei Gefallen zu verweilen – und hoffentlich einige Münzen als Honorar im Schüsselchen der Interpreten klimpern zu lassen. Straßenmusik war bekanntlich nicht selten die erste Sprosse auf der Erfolgsleiter zur ganz großen Karriere von Stars wie den Kellys, Rod Stewart oder Paul Simon.

Tapdance zu Evergreens auf zwei
mobilen Etagen

Vergleichen wir übrigens mal frevelhaft die unbestreitbaren Vorzüge der Live-Auftritte auf dem Asphalt und den Pflastersteinen der Kommerz-Malls einerseits und die der immerhin meist wetterfesteren Treffen zum kollektiven Kultur-Konsum in Theatern, besser bekannt als Husten-Häuser, oder Stadt- und sonstigen Hallen:

Die Genuss-Garantie bieten die mehr oder weniger sündhaft teuer erkauften geschlossenen Veranstaltungen ebenso wenig wie das den Straßenmusikern mehr oder weniger geneigte Ohr des Passanten – aber der Passant heißt nicht nur so: Er kann bei Misstönen genau das tun, was ihn als solchen ausmacht – er passiert den Ort des akustischen Geschehens, und das zum Nulltarif.

Nostalgie vor dem Kohlmarkt-Brunnen

Der (zumindest Halb-)Bildungsbürger wird sich mit einiger Wahrscheinlichkeit selbst bei einer von ihm so empfundenen Kakophonie gründlichst überlegen, ob er den Ort der Sinnes-Folter vorzeitig fluchtartig verlässt; hatte er doch sein sauer verdientes Geld an der Konzertkasse hingeben müssen – in der seligen Illusion und Hoffnung auf einen Sinnenrausch.

Wie auch immer: Straßenmusiker locken mich samt Equipment fast immer an wie die Motten das Licht – nicht etwa, weil ich wie einst Marlene Dietrich von Kopf bis Fuß auf (Musik-)Liebe eingestellt wäre. Mich reizt meist mehr die optische Darbietung der Straßen-Virtuosen.

Immer wieder zu erleben in der Braunschweiger Fußgängerzone: Ein chinesischer Erhu-Virtuose; dieses Streichinstrument gehört zu der Familie der Röhrenspieß-Lauten.

Text & Bilder:© 2018 Jos van Aaken-Maas

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Masch – meine „favorites“

Das Thema „Kirmes | Masch“ habe ich jetzt um zwei Farb-Variationen erweitert. Dafür boten sich mir thematisch zwei Motive an: Der längst zum „Rummel-Klassiker“ gewordene „Break-Dancer“ – und natürlich das Remake des Dampf-Riesenrads. Letzteres hatte in der von mir persönlich bevorzugten Schwarz-Weiss-Gestaltung das Missfallen eines Facebook-Nutzers provoziert (er blieb einsam und allein auf weiter Community-Flur. Die jetzthier und auf Facebook gezeigte Farbaufnahme entstand übrigens zeitgleich mit dem Bild in Graustufen (dank Wechselmagazinen an der klassischen Mittelformat-Kamera „Mamiya rb67“); der Film wurde aber erst jetzt entwickelt.

Die auf Farbnegativ-Film fotografierte Aufnahme des „Breal Dancer“-Motivs schrie geradezu nach einer Weiterverarbeitung in einem Farb-Stil, das an die frühen 1960er Jahre oder  auch Bilder aus Las Vegas erinnert. Ergänzt habe ich die Serie mit Schwarz-Weiss-Motiven von Fahrgeschäft-Begeisterten im Break Dancer und dem nach wie vor beliebten Auto-Scooter; außerdem noch einmal einige Bilder aus der Serie „Propeller“.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aaken-Maas

Für den Breakdancer bin ich definitiv zu alt – für das Dampfriesenrad wohl leider auch
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Propeller, Breakdancer – oder doch
in den guten alten Scooter ?

Ganz ehrlich? Ich bin schon seit Jahrzehnten nicht (mehr) der schmerz- und schwindelfreie Rummel-Fan. Und selbst die traditionelle Frühjahrs-„Masch“, die Frühjahrsmesse auf dem Braunschweiger Schützenplatz an der Hamburger Straße, kann mich eher weniger reizen – anders als die „Kirmes“ meiner Kindertage am unteren Niederrhein, die für mich ein absolutes „Muss“ war. Aber am Sonntag galt es wieder einmal, eine klassische Kamera, die Rollei-Kleinbild-kamera Rolleiflex 3003, zu testen. Bis zur Masch ist es nicht weit, und das Wetter war mit strahlendem Sonnenschein plus Schönwetter-Gewölk optimal.

Nach meiner Rückkehr hatte sich meine seit langem abgeflaute Rummel-Lust nicht wiederbelebt; aber für einige reizvolle Fotomotive hatten die Schausteller dann doch gesorgt. Schauen Sie selbst. Hier zunächst Impressionen vom „Propeller“, einem rund 40 Meter hohen modernen Foltergerät, das aber (oder vielleicht deswegen) bei der Jugend offensichtlich der absolute „Burner“ ist:

Und hier noch einmal zwei Kirmes-Dauerbrenner: Der Breakdancer – und natürlich der gute alte Scooter:

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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Na endlich – Der Frühling nimmt Fahrt auf

Auch wenn gerade zwischendurch gefühlt mal wieder das April-Klischee über den Bilderbuch-Lenz siegte: Der Frühling kommt endlich in Fahrt. Die Folge sind nicht nur bei uns Menschen die einschlägigen zu dieser beliebten Jahreszeit gehörigen Gefühle – wer mag, darf auch von Wallungen schwärmen (oder solche genießen): Auch der vielfältige Rest der Natur zeigt dem Winter, was ’ne Blüte ist.

Hier eine kleine Auswahl meiner Frühlingsfotos: Sie entstanden im Braunschweiger Botanischen Garten und im Garten unserer guten Freundin Annemarie in Melverode (Zur Ansicht der größeren Bilder einfach anklicken).

Text & Bilder ©  Jos van Aken

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Haus-Portraits –
Gesichter meiner Stadt

Der sprichwörtliche Stadtbummel ist für mich immer wieder auch Futter für Augen und Seele . sei es durch die Begegnung mit vielerlei Menschen, sei es die Konfrontation mit dem „Gesicht“ der Stadt; das ist geprägt vor allem durch die Häuser, die Akzente setzen – von der echten oder mal mehr mal weniger gekonnt imitierten Idylle bis hin zu steinernen Zeugen dieser oder jener Zeit. Einige, für mich bemerkenswerte Häuser in Braunschweig werde ich in einer kleinen Serie portraitieren – so, wie ich sie sehe, getreu dem Thema meines Blogs „in meinen augen | in my eyes“. Hier erste Beispiele:

Ganz besondere städtebauliche Akzente setzen Eckhäuser. Einer dieser „eyecatcher“ ist dieses Haus an der Ecke Mühlenpfordtstraße/Straße Am Wendenwehr im Universitätsviertel. Im Erdgeschoß der Dönerladen „türkis“
Das ehemalige Porzellanhaus „Reinicke+Richau“ am Bohlweg schloss vorzehn Jahren. Seine eigenwillige Fassade erinnert heute noch an 99 Jahre Einzelhandel für zerbrechliche Schönheit. 20.000 Eheleute sollen in diesen Jahren Tische im Traditionsladen aufgestell haben, auf denen sie das präsentieren konnten, was sie sich so zur Hochzeit wünschten.
Meinungsvielfalt )und auch starre Geschmacksfronten) provoziert diese mutige Kombination aus mittelalterlichem Stein-Zeugnis und moderner Architektur: Die mittelalterliche Kemenate an der Hagenbrücke wurde für manche Braunschweiger zum „Stein des Anstoßes“, nachdem der Eigentümer einen kühnen Anbau wagte, um dort eine Kunstgalerie einzurichten. Wer mich fragt: Ich mag das Gebilde. Es täuscht nichts „altes“ vor, sondern verbindet Elemente des Mittelalters und der Gegenwart.

Die mittelalterliche Kirche St. Magni )im Hintergrund) und das von dem amerikanischen Künstler James Rizzi entworfene „Happy House“ im Vordergrund ist ein weiteres Beispiel für den lebendigen städtebaulichen Dialog,über die Jahrhunderte hinweg.

Text&Bilder © 2018 Jos van Aken

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Mein Osterspaziergang
– ohne Johann Wolfgang

Beim Osterspaziergang, einer für Köper und Geist gesunden Angewohnheit – vorausgesetzt natürlich erträgliches und möglichst trockenes Frühlingswetter mit Temperaturen deutlich über dem Nullpunkt der Skala des alten Schweden Anders Celsius – kann der gute deutsche Bildungsbürger,  der auf sich hält, neben einem ausgeglichenen, dem Schönen und Guten sich öffnenden Geist auf eine Zutat an sich nicht verzichten: Eine Portion Goethe mitsamt dem einschlägigen Gedicht des Dichterfürsten aus „Faust I“. Der „Osterspaziergang des Dr. Faust mit seinem Begleiter Wagner  gehört  als poetischen Begleiter ins Gepäck des feiertäglichen Wandlers (oder in seinen Kopf – wenn er diese Perle der Dichtkunst in der Schule, den Notendurchschnitt hebend, Wort für Wort und Reim für Reim in- und auswendig gelernt hat.

Nun, als „Bildungsbürger“ mache ich mich nicht wirklich gut, Mephisto kann mich mal, oder vielmehr: kann mich nicht mal … eben verderben oder verführen, genauso wenig wie irgendwelche Gretchen; und auf die Begleitung eines Herrn namens „Wagner“ verzichte ich auch gern: Wagner  ist für mich in erster Linie eine äußerst mittelmäßige, meinen hoffentlich erträglichen guten Geschmack beleidigende Pizza aus dem Gefrierfach.

 

Und so ließ ich auch in diesem Jahr leichten Herzens den Johann Wolfgang im Bücherregal und machte mich, von keinerlei hehren Versen des Mannes aus Frankfurt/Main  belastet, auf meinen ganz persönlichen Osterspaziergang. Weil ich gerade physisch nicht unbedingt in Spitzenform bin, entschied ich mich für den kurzen Weg – ein Stündchen im benachbarten Schulgarten am kleinen Dowesee im Norden Braunschweigs musste (mal wieder) reichen – Gesundheit schert sich den Mephisto, pardon: Teufel um Feiertage.

Anders als der Schiller-Konkurrent bin ich nicht nur hier Mensch – ich darf es auch anderswo. Das Selfie mit Putte zeigt wohl meinen skeptischen zutiefst menschlichen auf das, was nach Ostern auf mich, auf uns zu kommt.

Da ich dazu neige, (nicht nur) besondere Momente nicht in Reimen à la Goethe oder nach Art des von mir geschätzteren Tucholsky alias Theobald Tiger – sondern eher in photographischen Bildern festzuhalten (dann erinnere ich mich ja vielleicht auch bei fortschreitender Altersdemenz daran), habe ich versucht, meinen kleinen Osterspaziergang mittels meiner Fotoausrüstung zu dokumentieren.

Hier sind erst einmal einige digitale Bildchen zu sehen; die mit einer knapp 50Jahre alten Kamera auf Filmmaterial entstandenen Fotos reiche ich nach – die müssen erst  mal ganz altmodisch entwickelt werden.

Text & Bilder © 2018 Jos van Aken

 

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

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Nicht vergessen: Die toten Kinder am Giersberg und ihre Mütter

Gläubige Christen feierten an diesem Wochenende die wundersame „Wiederaufstehung“ ihres Religionsgründers Jesus Christus, drei Tage nach seiner grausamen Hinrichtung, einer grausamen Kreuzigung. Konkret geht es dabei um die Entdeckung des leeren Grabes Christi in Jerusalem.  Irgendwie  also eine Art „Happy end“ des dramatischen Geschehens rund um das Leben und Sterben des – wie die Christen glauben – „Sohnes Gottes“. Wenn, wie gerade jetzt zu Ostern, wieder mal die Rede vom Grab Christi ist, habe ich eigentlich aber andere, weniger bekannte Gräber vor Augen. Vor einigen Tagen war ich wieder einmal dort:

Zu finden sind sie nicht auf einem der bekannten Friedhöfe der Stadt Braunschweig, wo die sterblichen Überreste der Bürger gern und oft von trauernden – und geschichtsbewussten -Menschen besucht werden, die ihrer verstorbenen Angehörigen gedenken oder die oft kunstvoll gestalteten Gräber berühmter Braunschweiger vom Dramatiker Gotthold Ephraim Lessing  über den Automobil-Pionier Heinrich  Büssing bis hin zum Schriftsteller Wilhelm Raabe zu bewundern.

Der Friedhof, an den ich gerade wieder einmal während der Osterfeiertage denken musste, liegt an der Hochstraße auf dem Giersberg im Schatten des 1901 gebauten Wasserturms. Bis zum Bau des Wasserturms wurde der Platz als Friedhof der katholischen Nicolai-Gemeinde genutzt (Die Nicolaikirche wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört).

Heute dokumentiert dieser wenig bekannte  Friedhof das wohl dunkelste Kapitel der jüngeren Braunschweiger Geschichte und die Verstrickung Braunschweiger Firmen in die Verbrechen der Nationalsozialisten. Während des Zweiten Weltkriegs  wurden in den Jahren von 1942 bis 1944 mehr als 380 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf dem ehemaligen Nicolai-Friedhof neben dem Giersberg-Wasserturm begraben.

Die versklavten Frauen und Männer starben an den Folgen menschenunwürdiger Lebens- und Arbeitsbedingungen oder kamen  bei Luftangriffen auf Braunschweig um, denen sie schutzlos ausgeliefert waren.

Sie waren aus Polen, Italien, Belgien, den Niederlanden, Frankreich, Österreich, Ungarn, Bulgarien,  der Sowjetunion und der Tschechoslowakei nach Deutschland verschleppt worden, und mussten auch in Braunschweiger Traditionsunternehmen, vor allem in der Rüstungsindustrie,  unter menschenunwürdigen Umständen arbeiten.

Begraben, gleichgültig verscharrt wurden auf dem Friedhof am Wasserturm auch mehr 150 polnische Kinder. Ihre Mütter mussten sie  in einem im Mai 1943 an der ehemaligen Broitzemer Straße 200 (heute Münchenstraße) von den Nazis errichteten sogenannten „Entbindungsheim“ zur Welt bringen.

Wenige Tage nach der Geburt wurden die Mütter wieder zur Zwangsarbeit geschickt, die Säuglinge blieben unter unvorstellbaren hygienischen Umständen und  ohne wirkliche medizinische Versorgung, von einer gesunden Ernährung ganz zu schweigen in dem „Entbindungsheim“ allein zurück. 

Bis April 1945 starben mindestens 365 Säuglinge und Kleinkinder in den drei Baracken des Heims, hilflos dem Hunger und der Vernachlässigung ausgesetzt. Grausam auch der Umgang mit den kleinen Leichnamen: Sie wurden in  10  kg-Margarine-Kartons verwahrt, im Waschraum gestapelt und gelagert, bis sie nach einigen Tagen fortgebracht wurden berichteten später Zeitzeugen.  Die polnischen Kinder wurden auf den Friedhof an der Hochstraße gebracht und dort achtlos begraben, die sowjetischen Säuglinge im Krematorium verbrannt.

Am Eingang wurde eine Informationstafel aufgestellt. Auf dem Gräberfeld der Zwangsarbeiter wurden Steinplatten mit Namen und Herkunft angebracht und einzelne Steinkreuze aufgestellt. Im hinteren Teil, in dem die Säuglinge und Kinder begraben wurden, wurden weiße Steinkreuze und eine große Steintafel mit allen bekannten Namen aufgestellt.

 

 

 

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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„Osterwetter“ – immer wieder überschätzt

Ostern – dazu gehört doch „Schön“Wetter wie es im Buche steht (in welchem auch immer). Ich meine ja, dass das Phänomen „Wetter“ immer wieder gnadenlos überschätzt wird – zumindest, wenn es um die Erwartungshaltung eines ganz bestimmten Wettertyps zu ganz bestimmten Anlässen geht:

Weiss, grün, indian

Beispiele? Gerne Weihnachten hat gefälligst so weiß zu sein, dass es nur so stöbert – schneegestöbert, um es auf den Punkt oder die Flocke zu bringen. Und der Herbst, zumindest der im Monat Oktober, ist selbstverständlich goldig oder wenigstens „indian“.

Und weil das so ist – oder so zu sein hat, da wundert es dann kaum, dass im Urlaub – je nach Vorlieben oder wann und wo gebucht – entweder Tiefschnee auf der Piste und in der Loipe  oder karibisch durchsonnte Strände uns fürs Bravsein  (und weil wir immer unsere Teller leer gelöffelt haben) uns zu belohnen hat..

Ja, aber was ist mit Ostern? Diesem aktuell angedrohten Event mitsamt den sowohl glöckchenbehangenen als auch umsatzsteigernden  Hasen und Eierschlacht-Orgien werden wir ja wohl kaum entgehen. Wettermäßig ist das  ja wohl zweifelsfrei der klare Fall für frühlinghafte schäfchenbewölkte frühe Sonnen-Badereien samt der dazu gehörigen gefühlten Gefühle – aber bitte nicht unter gefühlten 19 Grad Celsius oded 66 ° Fahrenheit oder 292° Kelvin. Wo kämen wir denn dahin, wenn ein widerborstiger Petrus uns mit von ihm eigenhändig geklöppelten Wetterkapriolen den an langen dunklen schweinekalten Wintertagen herbei gesehnten obligatorischen Osterspaziergang versauen würde.

Mein Tipp für unverbesserliche Bilderbuchwetter-Gläubige: Bringt den unvermeidlichen Osterspaziergang möglichst bereits am Samstag (für Nordlichter: Sonnabend) vor Ostern hinter euch. Wie ich nämlich aus zuverlässiger Quelle erfuhr, werden sich an den echten Ostertagen (die nennen sich kalendarisch deshalb auch Ostersonntag und Ostermontag) der wahrscheinlich mittlerweile ein nisschen demente Petrus zusammen mit seiner Gespielin aus jungen Jahren, einer gewissen Frau Holle, einen ihrer depperten Späßchen machen:

Wenn die Holle mit dem Petrus …

Das ebenso himmlische wie märchenhafte  Duo pfeift auf  das blaue Band, das der hoffnungslose Romantiker Eduard Mörike seit nun auch schon wieder 190 Jahren um der Poesie willen in seinem einschlägigen Gedicht durch die Lüfte flattern lässt, und beschert uns ohne jede Rücksicht auf mögliche österliche open air-Gelüste regenschauerliche Festtage – nicht auszuschließen, dass die übermütige Dame Holle sogar einige Schneeflöckchen dazu mischt.

Pfui, kann ich da nur sagen, Pfui.

Aber was soll’s. Als unverbesserlicher Optimist warte ich mitsamt fotografischer Ausrüstung auf diese oder jene nicht auszuschließende Aufheiterung (die Wolkenlücke respektive die Hoffnung darauf, stirbt bekanntlich zuletzt) und tröste mich ansonsten mit einem sehnsüchtigen Blick auf unsere mittlerweile auch wieder verblühende Osterdeko auf der Fensterbank.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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Spinosaurus – ein neuer
Burg(h)er(r) lädt ein in den Rittersaal

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Neues vom Spino . Nicht wirklich – die Ausstellung über den „rätselhaften Riesen“ wird ja erst am 14. April im Rittersaal der Burg Dankwarderode  eröffnet. Aber ich habe doch einige neue Bilder von dem nicht zu übersehenden Urviech im von Ludwig Winter nachempfundenen Burggraben; der wird übrigens ansonsten für ein „Glühwein-Floss“ beim Weihnachtsmarkt genutzt. Hier aber erst mal meine neusten Spino-Impressionen: Sie entstanden, als ich die Funktionalität einer mittlerweile auch schon „klassischen“ Kamera aus der legendären Braunschweiger Kamera-Schmiede Rollei testete: Ich war unterwegs mit einer Rolleiflex 3003. Von dieser damals geradezu revolutionären einäugigen Spigelreflex-Kamera im Kleinbildformat. Rollei baute zwischen 1984 – 1994 lediglich 2.800 Exemplare.  Hier eine kleine Bildergalerie  – zum Vergrößern Bilder anklicken. Und hier geht es zum ursprünlichen Artikel mit erhellenden Informationen über den Burggraben-Dino

Nein, nein. Das, was sich da seit einigen Tagen im Pseudo-Burggraben der vom Hans Dampf der neueren Braunschweiger Baumeister-Geschichte, dem Braunschweiger (Geheimen) Baurat Ludwig Winter nachempfundenen alten Burg Dankwarderode breit macht,  ist nicht etwa Werbung für eine neue „Fein“schmeckerei US-amerikanischer Fastfood-Ketten; es gibt aber schon erste Spötter, die staunend vor dem  Riesenviech zwischen Ruhfäutchenplatz und Burg Dankwarderode stehen und rätseln, ob in dem historistischen Burgtraum Ludwig Winters seligen Gedenkens demnächst noch ’ne Filiale einer Fastfood-Kette einziehen werde.

Appetit machen könnte so eine Riesenechse schon. Der Spinosaurus machte vor geschätzt 100 Millionen Jahren nicht etwa Braunschweig unsicher, sondern eher die Flüsse Afrikas unsicher: Mit stattlichen rund 18 Metern Länge und schätzungsweise bis zu 20 Tonnen Lebendgewicht. Damit stellte er – rein größenmäßig – seinen kleinen Vetter,  den zweifingrigen Tyrannosaurus Rex, auch T.Rex genannt, locker in den Schatten.

Also einen „MacDino“  in der Burg Dankwarderode muss kein Braunschweiger fürchten – und es soll wohl auch keinen Mini-Jurrasic Park auf dem Burgplatz geben – da seien Heinrich und sein Löwe vor.

Das Maxi-Modell eines Spinosauriers, das seit einigen Tagen anderen alten, und hübschen Kram wie  den Burglöwen, den Dom oder das Horneborstelsche Haus als Selfie-Kulisse um Längen schlägt, soll nicht etwa Appetit auf Spino-Burger machen, sondern auf eine neue Ausstellung:

Am 14. April eröffnet im Rittersaal der Burg Dankwarderode die Ausstellung „Spinosaurus – Der rätselhafte Riese“. Bis zum 15. Juli 2018 erwartet die Besucher ein ausgesprochener Leckerbissen (also doch!) für kleine und große Dino-Fans. Dass die Dino-Mania, die  spätestens seit dem cineastischen Blockbuster „Jurrasic  Park“ des Regisseurs Steven Spielberg aus dem Jahr 1993 in der Stadt Heinrichs des Löwen eigentlich nie nachließ, dürfte durchaus auch in der Person und dem Wirken des Veranstalters der Ausstellung begründet sein.

Der Direktor des Staatlichen Naturhistorischen Museums Braunschweig, Prof. Dr. Ulrich Joger,  ist als Biologe und Paläontologe  eine weit über Deutschland bekannte Kapazität , was die Riesenechsen angeht. Unter anderem  beteiligte Joger sich an einer Expedition in die Republik Niger, wo er eine neue Dinosaurierart entdeckte.

Seitdem gibt es im Naturhistorischen Museum im alten Braunschweiger Universitätsviertel an der Pockelsstraße nicht nur pünktlich zum Osterfest lebende Osterküken zu bewundern, sondern immer öfter die urzeitlichen Riesenechsen: Die sind zwar nicht so lebendig – und volr allem nicht so flauschig  wie die Huhnbabies zur Osterzeit, dafür aber zumindest etwas größer. Schwerpunkt des Treffunkts der der BraunschweigerDinofreunde an der Pockelsstraße ist der Dino-Saal. Seit 2010 werden  in einem ehemaligen Hörsaal  dauerhaft die Ergebnisse der Dinosauriergrabungen des Joger-Teams in der Republik Niger präsentiert.

Der „Braunschweiger“ Dino Spinophorosaurus nigerensis steht im Mittelpunkt dieses Ausstellungsraumes. Der Langhals-Saurier wurde von Wissenschaftlern des Naturhistorischen Museums auf abenteuerlichen Expeditionen in der Republik Niger zwischen 2004 – 2008 entdeckt. Er war seit mehr als 100 Jahren die erste neue Saurier-Art, die von deutschen Wissenschaftlern im Ausland entdeckt wurde.

 

Kernstück der Dauerausstellung im Naturhistorischen Museum ist das weltweit erste rekonstruierte Skelett von Spinophorosaurus nigerensis, eines im Jahr 2009 neu beschriebenen Sauropoden – übrigens mit etwa 13 Metern Länge auch nicht gerade zu kurz geraten.

Alles rund um den „rätselhaften Riesen Spino“ erfahren ab dem 14. April dann die Braunschweiger im Rittersaal der Burg Dankwarderode.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

Hier noch einmal alle bisherigen Bilder, zu denen mich der erste, einzigen und möglicherweise letzte Dinosaurier mitten in Braunschweig machte:

 

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Ich hab‘ den Frühling gesehn

Noch hat der Frühling nicht wirklich begonnen: Der astronomische Frühling startet ja erst mit der Tag- und Nachtgleiche, das Aquinoktium, – und das ist in diesem Jahr der 20. März. Aber alle Jahre wieder, das ist eben nicht nur die Vorfreude auf Weihnachten, sondern auch das ungeduldige Warten auf die Zeit der Knospen, der ersten Blüten und der Sonne.

Der Frühling bricht aber nicht etwa wie eine wunderschöne Positiv-Katastrophe über uns herein; er kündigt sich verlässlich an – bereits Wochen bevor Tag und Nacht gleich lang sind. Ich persönlich habe einen Lieblingsplatz, wo mich die ersten Vorboten des Frühling schon von weitem begrüßen: Im Braunschweiger Botanischen Garten, unterhalb des Gartenhäuschen und gegenüber von der riesigen Tulpen-Magnolie (die auch bald blühen wird – wenn wir Glück haben zeitgleich über einem „Teppich“ von betörend blauen Scilla) haben die Gärtner einem sich frei ausbreitenden Beet  einen Stammplatz gegeben, wo die Winterlinge kurz vor dem Frühlingsbeginn zeigen dürfen, was sie können: Uns mit ihren leuchtenden knallgelben Blüten daran erinnern, dass der Winter endlich, endlich zu Ende geht.

Text & Fotos © 2018 Jos van Aken

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War’s das? (Ich hab‘ den) Winter satt

Das war’s wohl. Hoffentlich. Der Winter ist – ich gebe es zähneknischend zu – in unseren Breiten ebenso wichtig für Flora wie Fauna – und zu der gehören nun mal auch wir Menschlein. Und da trifft es uns mehr oder weniger alle: die  nun erbärmlich frierenden Warmduscher wie mich, die, hustend, prustend und die der nur Dreifach-Grippeimpfung entkommenen Viren großzügig an unsere Nächsten verteilend ebenso wie  sportlich gekonnt schlitternde Möchtegern-Hochalpinisten, ewige Jugend in stylische Klamotten verpackt vortäuschend –  und den unvermeidlichen Gips an dieser oder jener Extremität stolz als eine Art Winterorden präsentierend.

Wenn der Kreisler mit dem Fendrich …

Ja, ja: Sport ist gesund – vor allem im Winter, habe ich gelernt. Das wusste schon der alte Schorse Kreisler. Der reimte in seinem gleichnamigen Liedl: „Ich selber habe auf mein Wort / im Skifahren einen Weltrekord / Im Zeitraum von zwei Wochen / brach ich mir achtzehn Knochen“.

Auch sein Co-Wiener Rainhard Fendrich wusste die nicht nur in der Alpenrepublik obligatorischen Winterfreuden zu  schätzen. „Es lebe der Sport“  jubelte  er und:

„Ein Sturz bei 120 kaem-ha / entlockt ihm ein erfreutes: Hoppala! / Und liegt ein Körper regungslos im Schnee / schmeckt erst so richtig der Kaffee“

Der eiskalten Ästhetik auf der Spur

Ich als gemäßigtes Nordlicht genieße den Winter eher bei sommerlichen Zimmertemperaturen von 22 Grad Celsius das Schneetreiben und die fortschreitende Vereisung mit wohligem Schaudern durch Thermopane-Scheiben  begutachtend  und vor allem unverbrüchlich optimistisch: Das hört irgendwann auch wieder auf, so mein Winter-Mantra.

Als homo fotographicus, der auf sich hält, hilft bei aller Kälte-Phobie und Sturz-Angst aber letztlich nix. Irgendwann muss ich doch mal ein paar Stunden raus – der Ästhetik von Eis und Schnee auf der Lichtspur.

Die Überwindung des eigenen, wohlige Wärme liebenden Schweinehundes lohnt sich dann meist sogar. Warum, das zeige ich hier mit einigen winterlichen Impressionen, die mich in den (hoffentlich) letzten Tagen der gefühlt sibirischen Minusgrade ein wenig mit der ungeliebten Jahreszeit versöhnten:

(Zum Vergrößern die Bilder der Galerie anklicken)

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Lichtmalerei mit der Blechkultbüchse

Wäre sie ein bundesdeutscher Arbeitnehmer unserer Tage, dann dürfte sie mittlerweile sogar in Rente gehen – sie wird nämlich 67 Jahre alt. Tatsächlich wurde sie aber schon vor 60 Jahren von ihren Eltern verstoßen – und das im zarten Alter von sieben Jahren. Ich rede von einer Blechbüchse, die in den Jahren zwischen Nachkriegselend und Wirtschaftswunder in gefühlt fast jedem bundesdeutschen Haushalt zu finden war – und zwar nicht etwa in der Küche zwecks Konservierung knackiger Kekse, sondern in der „guten Stube“, wahrscheinlich im Buffet.

Unverwechselbar in Design und Funktion: Die fotografische Blechbüchse der Nachkriegszeit: Agfa 600, besser ekannt als Agfa Synchro Box , die hier frech aus ihrem typischen Ledertäschchen herauslugt. Hier stimmt in allem das Designer-Gebot Nummer eins: Form follows function.

Ich rede und schreibe hier von der legendären „Box 600“, der letzten „echten“ Box-Kamera, die von der Firma AGFA  produziert wurde. Die 1874 gegründete „Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrication“, später kurz AGFA genannt, gehörte bis Anfang der 1980er Jahre zu den ganz Großen der deutschen Kameraindustrie.

Mit der „Box 600“, die besser unter dem Namen „AGFA Synchro Box“ bekannt wurde, knüpften die Münchener Kamera-Schmieden  nach dem Zweiten Weltkrieg nahtlos an die „Blockbuster“-Erfolgsgeschichte mit simplen Box-Kameras der untersten Preiskategorie an, die das Unternehmen seit Erscheinen der ersten, 1930 als „Kleinkamera im Kastenformat für das Format 6 × 9  zum niedrigen Preise von 13 RM“  beworbenen Box begonnen hatte.

Widerstandsfähig und „lichtstark“

Als weitere Vorzüge dieser AGFA-„Urbox“ nannten die Kamera-Pioniere aus München vor 88 Jahren „ein widerstandsfähiges Aluminium-Gehäuse“  und „lichtstarke“ Objektive  – aus heutiger Sicht bei der (einzigen) Blendenöffnung von 1:11 nicht wirklich überzeugend. Aber diese Mini-Öffnung passte wunderbar zur 110 mm Brennweite des Objektivs – und reichte vollkommen zumindest für „Schönwetter“-Bildchen.

Übrigens war die billige Box schon in den 1930er Jahren längst nichts wirklich Neues mehr. Die AGFA-Strategen kopierten damals nämlich eine smarte Idee der Eastman Kodak Company of New York, kurz Kodak. Die US-Amerikaner verkauften seit 1900 ihre unter dem Namen „Brownie“ ihre zur Legende gewordenen „Box Nr. 2“.

Die war zwar nicht aus solidem Aluminium-Blech wie die ersten AGFA-Boxen, sondern aus schlichter Pappe und hatte – wie 30 Jahre später auch die AGFA-Boxen eigentlich nur einen Zweck: Den Verkauf von damals revolutionären Rollfilmen (mit Negativen im 6×9 cm-Format; revolutionär deshalb, weil sie das bis dahin umständliche Gefummel Großformat-Kameras und ihren Glasplatten oder den ebenso unhandlichen Planfilmen in einen  fixen Knips-Spaß verwandelten. Der wurde  von Kodak mit einem verführerischen – und wie ich meine genialen – Slogan beworben : “You press the button, we do the rest!” („Sie drücken auf den Knopf,  wir erledigen den Rest“).

Die AGFA Synchro liebt – wie alle Simple Knips-Büchsen – das „Große Ganze“. Hier dieklassische Totale vom Dowesee.

Aber zurück zu unserer AGFA Synchro Box: Die kostete 1951 19,50 DM (also etwa 10 €) und passte damit perfekt in fast jedes, damals noch karge Familien-Budget.

Wie viele Fotografen, die sich heute wieder intensiv mit der sogenannten „Analog“-Fotografie auf Filmmaterial beschäftigen, fragte auch ich mich, ob man mit diesen durchlöcherten Keksbüchsen (eine Öffnung  fürs Objektiv, zwei für die „Brillant“-Spiegel-Minisucher) jemals mittels ausreichendem Licht Bilder „malen“ konnte, die mehr als den Erinnerungswert hatten. Mit behaglichem Grausen erinnerte ich mich an die Foto-„Abzüge“ meiner Kindertage (leider verschollen), die mittels Kontakt-Kopie im 6×9 cm-Format von den Negativen der Box gezogen wurden. Vergrößern ging zwar, war aber natürlich teurer.  Ich war als vierjähriger Knirps übrigens auch auf unscharfen (weil verwackelten) Box-Bildern leicht zu erkennen: An einem unübersehbaren weißen Verband, der meist eines meiner sturzgeschundenen Knie zierte.

AGFA-Box-Kameras gibt es heute auf realen und virtuellen Flohmärkten zuhauf –  meist sogar zum gleichen Preis wie in der Nachkriegszeit.

I „pressed the button“

Den technischen Spaß mit fotohistorischem Hintergrund konnte ich mir natürlich nicht verkneifen. Also einen Rollfilm ins Blechgehäuse gefummelt, am Spulknopf gedreht, bis im roten Fenster auf der Rückseite des Gehäuses eine 1 erscheint (also das erste Bild von insgesamt acht, die auf den 120er Rollfilm passen) – und nach möglichen Motiven Ausschau halten. Einstellen muss man bei so einer Box nicht viel:

Wer sich ein wenig um bewussten Bildaufbau bemüht – und dann auch noch was riskiert, zum Beispiel auch mal krsassesGegenlicht, hat Chancen, auch mit der einfachen Box bewusst gestaltete Bilder einzufangen

Es gibt – besser als nix -die Wahl zwischen einer „Kurzzeit-Belichtung“ von ca . 1/30 Sekunden Länge und dem obligatorischen „B“ für Langzeitbelichtung (solange der Auslöser-Hebel oder besser ein eingeschraubter Drahtauslöser  gedrückt gehalten wird).  Als Blendenöffnung steht die Blende 11 zur Verfügung. Eine alte Fotografen-Regel behauptet zwar „Wenn die Sonne lacht, nimm Blende acht“; aber das ist Spökenkiekerei, Blende 11 geht schon klar bei Sonnenschein. Außerdem kann ich ja immer noch meinen Box-Joker in Form eines Gelbfilter-Hebels ziehen, wenn’s mir (oder vielmehr dem Film) zu hell wird – das macht zudem noch zwar nicht die Haare, aber doch die Schäfchen-Wolken schön.

Boxen macht Spaß

Entfernung einstellen? Welche Entfernung? Das ging und geht bei so einer Box ganz fix. Die hat nämlich eine einzige Linse als Objektiv – ein sogenannter ein Meniskus, auch Monokel genannt; und das ist ein „Fixfocus-Objektiv“ Dank der ziemlich kleinen Blendenöffnung von 1:11 wird dabei nämlich alles zwischen drei Metern bis „unendlich“ scharf abgebildet – mehr oder weniger.

Fazit: Die „Boxerei“ macht auch heute noch Spaß – und schon beim ersten Versuch am vergangenen Wochenende waren drei von den acht Bildern auf dem Film meiner Meinung nach brauchbar: Natürlich nach Einscannen der Negative und ein wenig digitaler Bearbeitung der analog entstandenen Bilder.


Der Vollständigkeit halber:
Meiner Meinung nach werden zwei weitere AGFA-Nachkriegsmodelle nicht ganz zu Recht meist auch als „Box-Kameras“ bezeichnet: Die Clack und die Click. Ich liebe auch diese verknuddelten Bakelit-Kästchen (mit ein bisschen Blech-Beschlag und ihre unnachahmlichen Auslösegeräusche – eben das satte „Klack“ der Clack und das zarte „Klick“ der Click. Aber ihnen fehlt eben doch das entscheidende Alleinstellungsmerkmal aus der Ära der Boxen: Das minimalistische Büchsen-Design; das gab es zwischendurch übrigens auch mal sogar mit Anklängen an Art Deco.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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Nach Protest: Schulgarten-Zugang endlich wieder barrierefrei

Die gute Nachricht für viele Braunschweiger: Der Schul- und Bürgergarten im Nordviertel der Stadt ist endlich auch wieder für Fußgänger und Menschen mit Behinderung (MmB) ohne unzumutbare Umwege frei zugänglich. Nach Bürger-Protesten reagierte die Braunschweiger Stadtverwaltung prompt und ließ eine Baustelle barrierefrei gestalten, die zweieinhalb Monate lang den Zugang zu dem Naherholungsgebiet versperrte und zu unmutbaren langen Umwegen zwang. Betroffen davon waren vor allem Menschen aus dem benachbarten Siegfriedviertel.

Ausgesperrt fühlten sich viele potentielle Besucher , die kurz vor ihrem Ziel, dem Schulgarten-Eingang, am Baustellen-Sperrzaun, wieder umkehren mussten. Ich wollte es nicht dabei belassen, und ein Beitrag,  den ich in einigen Facebook-Gruppen veröffentlichte, brachte tatsächlich den Stein des Anstosses „ins Barriere befreiende Rollen“. Hier der Facebook-Link zum Nachlesen:

Facebook-Beitrag von Jos van Aken: Till lässt grüssen – alles andere als barrierefrei

Aufgeschreckte Bürokraten

Verglichen mit „sensationellen“ Facebook oder YouTube-Hits, die (warum auch immer) ein noch „sensationelleres“ Echo finden, war die Reaktion auf meinen Hinweis zwar eher bescheiden  - zeigte aber Wirkung. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung meldete sich bei mir und versprach Abhilfe.

Er hielt Wort.

Hier der Link zum Facebook-Beitrag, in dem ich von der Rückkehr zur städtischen Vernunft berichtet habe

Damit wir uns nicht missverstehen: Die sachlich unbegründete und unnötige Aussperrung aus einer wichtigen Naherholungs-Oase war kein „die Grundfesten der Teilhabe-Grundsätze erschütternder Skandal“;  mir und vielen Anderen zeigte das Verhalten der Verantwortlichen unseres Gemeinwesens namens Stadt Braunschweig aber, was zum Beispiel verantwortliche Politiker u nd Bürokraten jenseits von Wahl- und Sonntags redenwirklich halten von so wichtigen Maximen wie Recht auf Teilhabe, auf Barrierefreiheit .

Kritik lohnt sich – manchmal

Warum es sich lohnt, auch bei scheinbaren Kleinigkeiten mal nicht immer die sprichwörtlichen „Fünfe grade sein“ zulassen, zeigen vielleicht einige Impressionen, die ich am vorigen Wochenende auch als Rollstuhlfahrer wieder in der kleinen grünen Naherholungs-Oase fast vor meiner Haustür in der Braunschweiger Nordstadt mit der Kamera festhalten konnte (Bilder zum Vergrößern anklicken):</p> <p>

Text &amp; Fotos: © 2018 Jos van Aken

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Es geht auch ohne Eis & Schnee:
Eine kleine Winteridylle am Ölper See

Winter – das ist für viele Naturfreunde und/oder Sportler gleichbedeutend mit einem Besuch in ein Mittelgebirge – oder gleich in die faszinierende Welt des Hochgebirges. Nur da, so scheint es, findet sich die – zugegeben unschlagbare -Postkarten-Winteridylle. Und die kennt bekanntlich vor allem zwei unverzichtbare Zutaten: Eis und Schnee. 

Aber Winter-Schönheit – das ist viel mehr als eiskalte Glitzer-Welt mit spigelndem Eis und überzuckerten Schneetannen. Mein Tipp: Einfach mal runter von der – auch von mir (wenn auch nicht immer freiwillig) geliebten – Couch und die Naturschönheiten mit allen Sinnen genießen, die es fast überall sozusagen „vor der Haustür“, jedenfalls gut erreichbar sind – übrigens auch für Menschen wie mich, die nicht mehr so mobil sind wie sie mal waren.

Die Bilder entstanden Mitte Februar 2018 bei einer kleinen Runde zum Ölper See im Norden von Braunschweig

Text und Bilder © 2018 Jos van Aken
(Bilder der Galerie zum Vergrößern anklicken):

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Abschied vom Weihnachts-„Schloss“

Man kann ja vom sogenannten Braunschweiger „Residenzschloss“, das nach dem Bau einer Kopie eine merkwürdige Mischung aus Verwaltungsdependence der Stadt und Einkaufszentrum ist, ja halten, was man auch immer darin sehen mag – in der Weihnachtszeit streiten sich die Braunschweiger allenfalls darüber, ob der Weihnachtsbaum auf dem Platz vor dem ECE nun im vorigen Jahr, größer oder grüner war – oder ab überhaupt früher mehr Lametta war (Loriot läßt grüßen).

Bevor traditionell nach dem Dreikönigstag endgültig das Festgemüse  verschwindet, habe ich die Chance genutzt, den festlich und umsatzfördernde herausgeputzten Platz in seiner Postkarten-Pracht festzuhalten – und weils nachts bekanntlich nicht nur kälter ist als draußen, sondern auch ein echter Katalysator in Sachen Sentimentalität, habe ich mich für meine Schlussbilder der Saison in dunkler Nacht mit meiner Kamera auf den Schlossplatz gestellt. Hier die ersten Bilder meiner  kleinen Serie: Braunschweiger stilles leuchtendes Nachtleben.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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4 Wochen Weihnachtsmarkt:
Eine kleine Bilanz in Bildern

Es war ja abzusehen – und wie üblich angekündigt: Alles Schöne hat mal ein Ende – auch der Weihnachtsmarkt. Nach einem ganzen Monat (vom 29. November bis zum 29. Dezember 2017 bei nur zwei Ruhetagen) haben die Kunsthandwerker und Händler ihre Sachen gepackt und mehr oder weniger geduldig auf den nächsten Weihnachtsmarkt rund um den Dom St. Blasii und auf dem Rathausvorplatz. Zeit für mich, noch einmal eine bildliche Bilanz meiner (nicht mehr ganz so häufigen, verglichen mit früheren Jahren) Besuchen des Trubels: Einige wenige neue Bilder sind noch hinzu gekommen – ansonsten hier Momentaufnahmen im Überblick als Galerie. (zum Anklicken auf die Bilder klicken).

Text & Bilder © 2017 Jos van Aken

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Der alte Mann mit Hut wagt
den ersten bangen Blick auf 2018

Es ist eine gute alte und bewährte Sitte aus der „guten“ alten Zeit, zum Beginn eines neuen Jahres die gerade vergangenen zwölf Monate im Geiste passieren zu lassen – und dann auch mal einen Blick auf das funkelnagelneue Jahr zu wagen. Was wird es uns, mir und meinen Lieben bringen?

Ich habe mal versucht, diese wertvollen Augenblicke bei meiner Sicht auf Chancen und Risiken des Jahres 2018 im Bild festzuhalten. Warum mein Blick in dieses neue Jahr – neben der Freude auf hoffentlich viele glückliche Momente – doch eher bange ausfällt? Zur Antwort auf diese Frage reicht ein Blick in die Nachrichten.

 

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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Und täglich grüßt(e) …
… der Weihnachtsmarkt

Irgendwann reicht es ja eigentlich jedem Rentier mit rotem Schnüffel, von Weihnachtsmännern und -frauen mit überstrapazierten Krummrücken und Plattfüßen nach zahllosen. endlosen  Gaben-Gängen treppauf, treppab mal ganz zu schweigen. Aber für die wenigen, die einfach den weihnachtsseligen Hals immer noch nicht voll bekommen mit Glühwein & Co gibt es heute (und nächste Tage) doch noch einige Impressionen vom Braunschweiger Weihnachtsmarkt, der gestern erst mal wieder dicht machte.

Der Grund für die späten Fotos: Mittlerweile fotografiere ich fast nur noch (wieder) mit meinen „analogen“ alten mit Film bestückten Kameras. Und die Roll- und Kleinbildfilme aus den historischen, gut 40 Jahre alten Kameras müssen ja – anders als die heutigen digitalen Speichermedien – erst mal entwickelt werden, um die gelungenen Bilder dann weiter verarbeiten zu können.

Zwei Filme warten noch geduldig darauf, sich in wohltemperierte Entwickler- und Fixierpampe stürzen zu dürfen. Spätestens nächste Woche gibt es also dann die vorerst letzten Bilder vom Weihnachtsmarkt.

Text & Bilder: © 2017 Jos van Aken

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Das war’s erstmal – Pause
für den Weihnachtsmarkt

So, jetzt ist erst mal Schluss mit lustig, mit Gedränge und mehr oder weniger passenden Klängen, mit wabernden Feuerzangen-, Glühwein- und meisterlich gebrannten Mandel-Düften. Die Taschendiebe haben ein paar Tage wohlverdienten Urlaub, und wer am morgigen Heiligabend  noch schnell das schon wieder mal verpeilte Geschenk bei der Kunstgewerbe-Bude seines Vertrauens für die Herzallerliebste raffen will, um den gern beschworenen Weihnachtsfrieden eventuell doch noch zu retten, (angeblich eine Spezialität der Spezies „Mann“ – nicht der Weihnachtsfrieden, sondern die Geschenke-Prokrastination), dem ist eines sicher: Ein schief hängender Haussegen: Wer morgen, kurz vor der traditionellen Bescherung,  mit freudiger Erwartung auf den Braunschweiger Weihnachtsmarkt rund um den Braunschweiger Dom strömt, muss mit leeren Händen wieder von dannen ziehen.

Den Braunschweiger Weihnachtsmarkt darf man seit jeher nämlich nicht wortwörtlich nehmen; hier gibt es seit Jahren ist nämlich ein Vor- und Nachweihnachtsmarkt. AlAm morgigen Heiligabend und am ersten Weihnachtstag ist hier Weihnachtsruhe.

Mehr oder weniger bekennende Jingle-Bell- und Last Christmas-Süchtige haben dann aber am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag noch einmal Gelegenheit, sich ganz besondere Atmosphäre des Braunschweiger Weihnachtsmarkts rund um den Dom und auf dem Rathausvorplatz zu gönnen.

Text und Fotos: © 2017 Jos van Aken

 

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Vorweihnachtszauber, mit den
zwei Augen der Rolleiflex gesehen

Am Wochenende mache ich – auch bei erträglichem Wetter wie heute – einen großen Bogen um den Weihnachtsmarkt: Das Gedränge ist mir nun doch zu bedrohlich (außerdem habe ich aus meiner Rollstuhl-Perspektive kaum eine Chance, auch nur einen Blick auf das Gebotene zu erhaschen). Aber gestern war ich doch mal wieder da – diesmal mit einer längst historischen Kamera: der legendären „Zweiäugigen“ Mittelformat-Kamera Rolleiflex 2.8F aus den 1970er Jahren.

Die dürfte eines der bekanntesten Produkte aus dem Hause Franke & Heidecke an der Salzdahlumer Straße in Braunschweig sein. Viele Braunschweiger sind nach wie absolute Fans dieser leider letzten „Kameraschmiede“. Die Kamera hat auch nach fast einem halben Jahrhundert ihren ganz besonderen Reiz.

Kommunikative „Nebenwirkungen“ alter Technik

Sie hat nur einen „Nachteil“ (der natürlich keiner ist). Wenn ich mit der unübersehbaren Rollei unterwegs bin, komme ich meist kaum zum fotografieren – weil ich immer wieder von Menschen angesprochen werde, die mit leuchtenden Augen (wie ich selbst  einst als junger Bengel als ich in meiner Hemat, dem unteren Niederrhein, meine erste Rollei, eine Rolleicord Va auf dem weihnachtlichen Gabentisch fand) diese klassische Mittelformat-Kamera, mit der auf 120er Rollfilm im Negativformat 6×6 fotografiert wird, sorgfältig „komponiert“ mit Hilfe des großen Lichtschachtsuchers (waist level finder), der unter anderem den Vorzug einer eher ungewohnten Sichtweise mit sich bringt.

Sagen wir so: Wer in nder Heimatstadt dieser weltberühmten Kameras unterwegs ist mit solch einem Prachtstück, der  wird nicht nur mit den ganz typischen Bildern im quadratischen Rolleiformat belohnt, man lernt (nicht nur in Braunschweig) garantiert viele begeisterte Foto-Enthusiasten kennen, die sich freuen, in unserer sonst eher digitalisierten Welt wieder einmal einem Meisterwerk unserer fotomechanischen Welt zu begegnen.

© 2017 Jos van Aken

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Lust -Phantasien und Träume vom
tief verschneiten Weihnachtsmarkt

Was haben weihnachtliche Schnee-Idyllen in Norddeutschland und Lust fördernde Leibesübungen gemein? Wenn sie denn geschehen, ist es ja schön  – klar. Aber diese an sich her nicht nur von den Temperaturen her unterschiedlichen Ereignisse im menschlichen Leben haben – zumindest an Orten unterhalb von ca. 400 Höhenmetern noch eine signifikante Übereinstimmung zu bieten: Wunsch und Wirklichkeit sind – je nach den jeweiligen  Umständen – sind in beiden Fällen eher selten in Einklang zu bringen.

Aber bleiben wir beim Bilderbuch-Winter: Der sieht ja, was die Wünsche vieler Menschen angeht,  nicht nur  und nicht erst seit Frank Sinatra die obligatorische  „White Christmas“ vor; ganz tief in uns drinnen haben wir  doch auch den Kindheitstraum von tief verschneiten, sanft von Kerzen erhellten und Duftwolken von Zimt und Bratapfel verströmenden  Ständen auf dem Weihnachtsmarkt bewahrt.

Ja, wo rieselt er denn? Wo rieselt er denn?

Und ja, es gibt solche „typischen“ Winterwetterphänomene wie klirrende Kälte und romantisch verhüllende Schneedecke trotz (oder wegen?) globaler Erderwärmung und Klimawandel durchaus auch in unseren eher gemäßigten Breiten zwischen Lüneburger Heide und Nordseewellen -gilt natürlich auch für Kieler Förde und Greifswalder Bodden. Aber der Schnee-Zauber bleibt meist die Ausnahme. Hier gilt, frei nach Loriot, die neugierige Frage, Ja, wo rieselt er denn? Wo rieselt er denn?

Aber bleiben wir nun doch noch eine Weile bei dem  – zugegeben auf den ersten Blick total blödsinnigen Vergleich weiter oben: Nach bisher unveröffentlichten – statistisch allerdings bislang nicht bis ins Einzelne belegten Studien Göttinger Professoren (die können so was) könnten sich die  Zahlen der Vorkommnisse der immer wieder von der Fachliteratur fast gebetsmühlenartig beschworenen sagenumwobenen Nächte, in denen Männlein und Weiblein in jeglicher Konstellation beglückend nach Luft jschnappend auf Lust Gipfel kraxeln in etwa die Waage halten mit den von Pulver-Neuschnee bepuderten Weihnachtsmarkt Tagen und Abende zwischen Braunschweig und Flensburg.

Mit einem gerüttelt Maß an angeschmuddelter Phantasie, die man mir gern andichtet, könnte ich in diesem Zusammenhang gar den nicht ganz unlogischen Schluss ziehen, dass hin und wieder auftauchende Bilder von tief verschneiten norddeutschen Weihnachtsmärkten fast so etwas sind wie der schamlose Blick durchs Schlüsselloch auf sich mehr oder weniger erfolgreich vereinende Paare – oder so.

Realistischer Blick im Regen
auf den Braunschweiger Weihnachtsmarkt

Diesem Vorwurf will ich mich natürlich nicht leichtfertig aussetzen. Ich habe deshalb in diesem Jahr den zu Recht gepriesenen Braunschweiger Weihnachtsmarkt rund um den Dom und auf dem Rathausvorplatz bewusst nicht an dem einzigen Schneetag (am 1. Adventssonntag) besucht, sondern an einem ganz und gar typischen trüben und verregneten Weihnachtsmarkt-Nachmittag.

Und wenn Frau Holle doch wieder ihre Bettwäsche (!) auch über der norddeutschen Tiefebene lüftet und schüttelt (vielleicht nach einer heißen Liebesnacht mit dem Mann im Mond) – und dabei auch das nicht sinnliche, aber besinnliche und Umsätze fördernde Treiben rund um die Grabstätte des ollen Heinrich und seiner Mathilde trifft – dann kann ich meinen Prinzipien ja vielleicht doch untreu werden. Es lebe der Widerspruch

Text und Bilder © 2017 Jos van Aken

 

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Schneezauber? Alles Fake?

Juchheee, Juchheee: Der erste Schnee …. Die winterliche Euphorie ob der aus dem wolkenverhngenen Himmel rieselnden Tröpfchen unterkühlten Wassers, die sich an Kristallisationskeime angelagert hatten und dort zu sogenannten Schneekristallen gefroren – und das auch noch – let it snow, let it snow, let it snow – pünktlich in der Nacht zum ersten Adventssonntag war ja berechtigt.

Besonders anfällig für solche Gefühlsausbrüche, die jedes mögliche Ungemach ob der weißen Massen fröhlich ignorieren – man denke nur an  heftig aufeinander krachendes, weil nicht mehr lenkbares, weil schlitterndes  Autoblech oder auch unerbittliche Unterbrechungen beim mollig warmen Couch-Surfing durch Schneeschieberei vor der Haustür – sind bekanntlich Kinder.

Aber – man verachte mir den weisen Gelbschopf Donald nicht: Das sind ja alles nur Fake-News.

Wer heute morgen in Norddeutschland aus dem Fenster schaute, rieb sich schon wieder verwundert die verträumten Äuglein. Keine Spur mehr von der weißen Pracht – war wohl doch nur ein (Tag-)Traum. Hier und da blitzte dann aber doch noch ein traurig vor sich hin schmelzender Schneemann und bewies uns: Es gab ihn doch: Das geliebte (oder verhasste) Schneechaos im Advent.

Text und Bilder © 2017 Jos van Aken

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1. Advent – wie aus dem Bilderbuch

Schnee und Winter und Kälte – das ist alles nicht wirklich so meins. Aber so von drinnen betrachtet, aus dem gut geheizten Timmer durch die Thermopanescheibe, sieht es doch ganz nett aus – und passt zu unserer traditionellen Kitsch-Deko.

© 2017 Jos van Aken

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noch ’n herbst – gar nicht kunterbunt

Ja, ich mag ihn auch: den viel besungenen Herbst mit seiner Farben-Schönheit der verwesenden Blätter der Bäume und ihrem unverwechselbaren Duft. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass ich und meine Kameras es nicht kunterbunt treiben müssen.

Ich habe deshalb ganz bewusst einige meiner liebsten Bäume – von der Süntelbuche im Botanischen Garten über die knorrige krumme Buche im Theaterpark bis hin zu dem mit ihrem leuchtenden Gelb protzenden Ginkgo-Bäumen am Ruhfäutchenplatz und ein paar Schritte weiter im Innenhof des Veltheimschen und Hornebostelschen Haus am Burgplatz – in all ihren Grautönen auf Schwarzweißfilm zu bannen – ach ja: Der Ahorn vor unserem Fenster durfte auch mitmachen.

(Zum Vergrößern in die Bilder klicken)

Text & Fotos: Jos van Aken

Ziemlich passend dazu eines meiner liebsten Herbstgedichte: von Rainer Maria Rilke

Herbststimmung

Die Luft ist lau, wie in dem Sterbezimmer,
an dessen Türe schon der Tod steht still;
auf nassen Dächern liegt ein blasser Schimmer,
wie der der Kerze, die verlöschen will.

Das Regenwasser röchelt in den Rinnen,
der matte Wind hält Blätterleichenschau; –
und wie ein Schwarm gescheuchter Bekassinen
ziehn bang die kleinen Wolken durch das Grau.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

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Ein bisschen Herbst
– gab es dann doch noch

Mit den Jahreszeiten und ihren obligatorischen Erscheinungsformen war es ja 2017 so ’ne Sache für sich; warten wir ab, ob und was der Winter uns noch so bringt. Aber vorher habe ich noch rasch versucht, den Herbst in einigen Bildern festzuhalten. Alle Bilder mit der Mamiya rb67. Zum Vergrößern die Bilder in der Galerie anklicken

Text & Bilder ©  2017 Jos van Aken

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Blicke zurück in die (Tetzel-)Kiste
und 95 wirbelnde Luther

Zu den Höhepunkten im Reformationsjahr. mit dem überall in Deutschland an die 95 Thesen erinnert  wurde, die Martin Luther vor 500 Jahren in Wittenberg veröffentlichte und damit die Trennung von katholischen und evangelischen Christen auslöste, gehörten in Braunschweig unter anderem zwei künstlerische Installationen: Da waren zum einen die sturmumwehten 95 Stelen des Bildermachers Wolf Menzel, die einen sich munter im Wind rotierenden Martin Luther im Pop-Art-Stil zeigten (plus eine Stele mit dem Portrait von Johannes Bugenhagen, eines Weggefährten Luthers, der auch in Braunschweig wirkte). Hier einige der Fotos, die ich von der Aktion  Menzels auf dem Platz vor den Schloss-Arkaden gemacht hatte. (Zum Vergößern der Bilder aus dieser kleinen Galerie einfach in das jeweilige Bild klicken)

Und dann war da noch der wandernde Übersee-Container, den der Graffiti-Künstler Olf Lupin in einen symbolischen übergroßen begehbaren  „Tetzlaff-Kasten“ verwandelt hatte. Der Tetzelkasten war zu Luthers Zeiten der Kasten zum Sammeln der Erlöse aus dem Ablassverkauf durch den Dominikanermönch Johann Tetzlaff; das war eine einer florierende Geschäftsidee der römisch-katholischen Kirche, die unter anderem Luther zu seinen berühmten 95 Thesen und der Abkehr von Rom bewegt hatte. Um die Menschen zum Kauf seiner Ablassbriefe zu bewegen, die von Sünden „befreien“ sollten,  ließ Tetzel einen Teufel auf den Kasten malen, der die armen Seelen im Fegefeuer quält. Darüber stand geschrieben: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt.“

Die „Tetzlaff-Kiste“ war von Ende August bis Oktober in Braunschweig „unterwegs“. An Standorten vor mehreren markanten Kirchen wie der Magni-Kirche, der Brüdern-Kirche und dem Dom wurde der mit Graffiti bemalte Überseecontainer zur Spielstätte für musikalische und literarische Aktionen des Kulturnetzwerks „Die Stadtfinder“.

Auch dieser Höhepunkt der Feiern zum Luther-Jahr in Braunschweig war Motiv für einige Fotos, die ich an den Standorten der  „Tetzlaff-Kiste“ neben der Magni-Kirche und vor dem Braunschweiger Dom machte.(Zum Vergößern der Bilder aus dieser kleinen Galerie einfach in das jeweilige Bild klicken)

Text und Fotos © 2017 Jos van Aken

 

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Grau am Dowesee – passt

Endlich mal „stimmt“ das Wetter. Anfang November hat das jahreszeitliche Herbst-Grau  sich pünktlich an seine Pflicht erinnert und vertreibt die letzten spärlichen Reste des angeblich „Goldenen“ Oktobers; der hatte sich ja eher spärlich gezeigt.

Wie auch immer: Der Volksmünder behaupten ja, jede Jahreszeit hätte ihre schönen Seiten. Als notorisch skeptischer Mensch schau ich da doch mal lieber persönlich nach  – und tatsächlich: Der November graut so vor sich her, dass es eine wahre Pracht ist – eine ziemlich graue, aber Pracht bleibt Pracht.

Die Beweisfotos habe ich übrigens im Schul- und Bürgergarten am Dowesee mit einer klassischen Kamera gemacht: Der rund 50 Jahre alten, rein mechanisch und auf Film speichernden Rolleiflex 2.8. Für Freunde der sogenannten analogen Fotografie: Zum Einsatz kam ein Rollfilm der Firma Ilford, der FP4 plus. (Bilder größer anschauen? Einfach anklicken)

Text & Fotos:© 2017 Jos van Aken

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Danz op de Brunswiek-„Schloss“-Deel

AKTUALISIERTER INHALT

Für meine Fotografien bei den Auftritten der Trachtentänzerinnen und -tänzer in Braunschweig habe ich mehrere Kameras eingesetzt. Neben der Mamiya 645 1000 S ("kleines" Mittelformat 6×4,5 cm Format) habe ich u.a. die Gelegenheit genutzt, eine weitere "analoge", auf Film belichtende Kamera zu testen: Die Rolleiflex SL 35, eine Kleinbildspeigelreflex. Diese Bilder auf Farbnegativfilm konnte ich erst jetzt scannen und bearbeiten. Zun Einsatz kamen ein leichtes Portrait-Teleobjektiv (Rollei Sonnar 2,8/85) sowie das (Zeiss-)Oberkochen Opton-Fisheye 2,8/16). Die Bilder wurden aus gestalterischen Gründen teilweise stark bearbeitet:  

Tanzen ist nicht so mein Ding – und das war immer schon so, nicht erst seit ich im Rollstuhl unterwegs bin. Und auch Trachten finde ich allenfalls mäßig interessant (unter geschichtlichen und sozialen Aspekten) – ich selbst hülle mich aber eher in Jeans und Pullis. Als der Landestrachtenverband Niedersachsen am vergangenen Sonntag allerdings zum „Tag der Tracht“ nach Braunschweig einlud, warfich alle Voreingenomenheiten bezüglich rhythmischer Bewegtheit und rückwärtsgewandter Kleiderordnungen kurzentschlossen über Bord – und nutzte die Gelegenheit zu Versuchen mit vor sich allem schnell bewegenden Objekten. Ich habe dazu überwiegend eine „analoge“ Kamera, die Mamiya 645 1000 S mit manueller Fokussierung eingesetzt.

(Bilder für größere Ansicht anklicken)

Die im auf Schwarzweiß-Negativfilm (Ilford FP4 Plus) aufgenommenen Bilder wurde gescannt (Canon 9000 Mark II – Auflösung 2400) und in Photoshop mit Filtern der Nik Collection bearbeitet.

Zusätzlich habe ich noch einige Bilder rein digital mit der Sony DSC QX 10 gemacht:

Text & Fotos: © 2017 Jos van Aken

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Ziemlich cool unterm Wasserfall

Manchmal setze ich mich einfach an meinen Wasserfall und markiere den coolen Typ oder so.

Das Original plätschert seit 1989 im Botanischen Garten Braunschweig  im schattigen Rhododendron- und Farntal – mit der Bronze-Skulptur "Judith" der Braunschweiger Künstlerin Sabine Hoppe. Seit einiger Zeit spendet der Wasserfall auch in unserer Wohnung schattige Kühle (zumindest bildlich)

Es ist ein 1,20 Meter breiter Textildruck einer meiner zahlreichen Fotos, die ich immer wieder von diesem Motiv mache (Kamera: Mamiya rb67 aus den 1970er Jahren)

Text und Fotos ©  2017 Jos van Aken

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Alte Braunschweiger Dame auf Dauerbesuch

Wer mich ein wenig kennt, müsste eigentlich wissen, dass ich zu Orten, in denen ich lebe, mit der Zeit eine Zuneigung entwickle – ohne deshalb gleich zum (Lokal)Patrioten zu verkommen. Ähnlich geht es mir mit meinem Verhältnis  zur Fotografie und allem, was damit zu tun hat: Ich meine damit vor allem Technik und Apparaturen, die wir benutzen, um Bilder zu gestalten, die unseren Vorstellungen weitestgehend entsprechen. Kurz gesagt: Werkzeuge , die die bildnerische Gestaltung unseren Ideen ermöglichen.  Dass beim Stöbern und Finden von Technik eine mehr oder weniger intensive, auch emotionale Nähe zu Technik in ihren vielfältigen Erscheinungsformen entstehen kann, ist fast unvermeidbar.

Das gilt auch für eine Kamera, die mir vor einigen Tagen eine liebe Freundin, deren Mann leider in diesem Jahr verstorben war, als Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Er hatte als Ingenieur lange Jahre bei Rollei in Braunschweig gearbeitet und war an der Entwicklung einzelner Komponenten der legendären Kameras beteiligt.

Ich bin nun nicht gerade ein Rollei-Experte; kennen und schätzen gelernt habe ich die Kameras aus der Salzdahlumer Straße in Braunschweig aber bereits als 15- oder 16jähriger Bengel: Nach einer “Werra“ und einer “Edixa Reflex“ bekam ich endlich eine Mittelformatkamera: Die Rolleicord Vb. 

Jetzt, rund 55 Jahre später, steht nun also wieder eine Rollei vor mir: Diesmal ist es ein Rolleiflex-Modell, in Braunschweig Ende der 1930er Jahre gebaut und – soweit ich das vor den ersten Bildern mit dieser historischen Kamera beurteilen kann – in einem recht guten Zustand. Das Glas der Objektive (Sucher: Heidoscop Anastigmat 2,8/75, Aufnahme;Tessar 3,5/75) war nur äußerlich verschmutzt und leicht zu reinigen, und der Compur Rapid Verschluss scheint (allerdings nicht gemessen, sondern lediglich gesehen und gehört) auch noch zu funktionieren. Alles in allem scheint es sich um eine „Rolleiflex Automat“ Modell RF 111A zu handeln; sie wurde bis 1939 gebaut.

„Automat“ dank Kurbel

Der verkaufsfördernde Zusatz „Automat“ bezog sich übrigens natürlich nicht auf eine (heute selbstverständliche) Automatisiereung der Belichtung, sondern darauf, dass – anders als damals noch üblich, Filmtransport und Spannen des Objektiv-Verschlusses mit einem einzigen Vor- und Rückschwung an einer seitlich montierten Kurbel erledigt wurden.

Damals mussten Filmtransport zur nächsten Aufnahme und Spannen des Verschlusses meist in zwei „Arbeitsgängen“ erledigt werden (bei hochwertigen Mittelformat-Kameras der 1970er Jahre wie meiner Mamiya rb67 ist das auch heute noch so – alles eine Frage der Gewöhnung)

 So ganz glücklich bin ich mit dem Original Braunschweiger Zuwachs im Kameraschrank aber doch (noch) nicht. Das liegt daran, dass ich eben kein Sammler bin, sondern einer, der die unterschiedlichen Kameras vor allem dazu benutzt, wozu sie gedacht sind: Zum Fotografieren. 

Und da stört es mich doch arg, dass diese gute alte Rollei – von wem auch immer – „verschlimmbessert“ wurde: Ihr (aufklappbares und abnehmbares) Rückteil wurde für das Fotografieren auf 24×36 mm Kleinbildfilm statt der Belichtung auf Rollfilm mit dem Negativformat von 6×6 cm.

Möglich machte Rollei das mit einem technisch durchdachten Konstrukt, der „Rolleikin“-Rückwand zur Rolleiflex und Rolleicord. Sie besteht aus einem für Kleinbildfilme tauglichen Zählwerk, umgebauten Spezialrollen für Kleinbild-Patronen sowie einer modifizierten Filmandruckplatte und Masken für Filmbühne und Suchermattscheibe.

Auf der Suche nach Original-Rollei-Rücken

Diese Veränderung war in den späten 1930er und auch in den 1950er Jahren ziemlich beliebt bei Fotografen, die damals versuchten, die optischen und mechanischen Vorzüge der Mittelformat-Rollei (12 Bilder auf 120er Rollfilm) mit denen des Kleinbildfilms zu kombinieren: auf den passen dreimal soviel Bilder, nämlich 36. Für mich macht das keinen Sinn:

Ich fotografiere mittlerweile am liebsten mit Kameras, die auf Mittelformat-Rollfim 120 fotografieren – mit den Negativ-Formaten vom 6×4,5 (meine Mamiya 645), 6×7 (die Mamiya rb67) und 6×9 (Agfa Billy Record und Pinhole-Umbau Agfa Clack).

Jetzt bin ich auf der Suche nach einem passenden „normalen“ Mittelformat-Rückteil. 

Text & Fotos © 2017 Jos van Aken

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Herbst entschädigt für „Fake-Sommer“

Der sich nun wohl endgültig verabschiedende Sommer wurde dem Idealbild, was wir sorgsam in uns hegen und pflegen, ja nun wirklich nicht gerecht. Und ob wir in diesem Jahr und in unseren Breiten den berühmten "indian summer" genießen werden, der ja eigentlich im Norden der USA und in Kanada zu Hause ist – wer weiß   — Ich würde mich ja schon mit der mitteleuropäischen Variante dieses werebewirksamen Wetterphänomens, dem Altweibersommer,  zufrieden geben. Aber den heutigen Tag – den kann uns kein Miesepeter und kein Wetter-Grantler mehr nehmen: Herbst in seiner seiner schönsten Form.

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Luther, Tetzel und eine Wolke

"Immer" ist ja nicht unbedingt "was los" in Niedersachsens zweitgrößter Stadt, Braunschweig. Aber in diesem weitgehend ausgefallenen Sommer konnten sich Guck-, Kunst- und Eventbeflissene Braunschweiger nicht beklagen. Irgendwas war (gefühlt) immer. Typisches Beispiel: Luther war gerade da, sein liebster Feind Tetzel immer wieder auch mal – und auf dem Burgplatz setzt eine hochwissenschaftliche Wolke einen weiteren Akzent neben Veltheimschem Huneborstelschem und Vieweg Haus – vom Löwen dem Dom und der Fake-Burg Dankwarderode mal ganz zu schweigen

Ich habe  noch einmal in meinen Bildsammlungen geblättert und eine Sammlung von Fotos der jüngsten Braunschweiger "Hingucker"-Events und -Aktionen zusammen gestellt, die ich mit der gut 40 Jahre alten Mittelformat-Kamera Mamiya rb67.

© 2017 Jos van Aken

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Hier steht er wirklich (nicht mehr)
und der mit dem Kasten ist nicht weit

Mal standen sie da wie einst der Reformator höchstpersönlich vor dem Reichstag zu Worms, dann verschwanden sie wieder für kurze Zeit (der Sturmgewalt weichend): Die 95 pop-artigen Stelen frei nach einem von vielen Martin Luther-Portraits, die der Renaissance-Maler Lucas Cranach der Ältere der Kunstwelt hinterließ. In Braunschweig erinnern gleich 95 Luher-Stelen des Künstlers Wolf Menzel an die 95 Thesen, mit denen Luther vor 500 Jahren die Reformation initiierte.Hier einige der Fotos, die ich bei Besuchen der Luther-Stelen machen konnte (noch fehlen die jüngsten Bilder, die ich „analog“, also herkömmlich auf Film machte und die noch in Bearbeitung sind).

 

Zum Vergrößern bitte die einzelnen Bilder anklicken

„Hier steht er wirklich (nicht mehr)
und der mit dem Kasten ist nicht weit“
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Information? Nein, danke!
Lieber wieder Grinserüben-Plakate

Jahrzehntelang war ich – nicht nur „berufsbedingt“ als Journalist für Tageszeitungen, Hörfunk und Fernsehen – eher als kommunikationsfreudiger Mensch unterwegs. Das hat sich gelegt. Der Grund für mehr Zurückhaltung und spürbar abnehmende niederrheinische Fröhlichkeit (die ja auch eine  – nicht sichtbare – Mauer sein kann) ist nicht nur in meinem Alter und seinen unvermeidlichen Zipperlein mitsamt einem mittelprächtigen „Parkinson“ zu suchen: Alle paar Jahre werde ich unweigerlich für etliche Wochen ausgesprochen unleidlich und grantig – zumindest, wenn ich unterwegs bin. Warum? Ist es das Wetter? Oder die Jahreszeit? Oder eine der periodisch auftretenden Übersprunghandlungen dieser oder jener Behörde? Was macht mich gerade wieder so unansprechbar, abweisend und überwiegend übel gelaunt? Die Antwort auf dieses Phänomen ist ebenso einfach wie unübersehbar: Es darf (soll, muss) mal wieder gewählt werden, diesmal hier in Niedersachsen gleich im Doppelpack. An die Wahl zum Bundestag schließt sich fast ohne Atempause drei Wochen später eine zweite Möglichkeit an, eines der wichtigen demokratischen Rechte wahrzunehmen: In diesem Fall die vorzeitige Wahl zum neuen niedersächsischen Landtag – provoziert von einer Politikerin, die ihre weitere Karriere bei den Grünen nicht mehr garantiert sah und kurzerhand jetzt bei den Christdemokraten ihr Glück versucht. Das kostete die niedersächsischen Sozialdemokraten und Grünen die karge Einstimmenmehrheit.

Klappern und Amnesie-Hoffnung

Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Das ist wohl so, seit die ollen Griechen die Demokratie erfanden. Es wäre ja nun vielleicht sogar ganz lustig, wenn Die Damen und Herren, die sich zur Volksvertretung berufen fühlen – sich dann mit unschöner Regelmäßigkeit fast ausschließlich als Vertreter dieser oder jener Lobby erweisen und leider nicht ganz grundlos auf eine allumfassende Amnesie von Wählerinnen und Wählern hoffen, die sie zuvor enttäuscht (oder schlichtweg belogen und betrogen) hatten. Dennoch könnte es gewisse Risiken mit sich bringen, wenn vor einer begehrenswerte Pfründe und Prominenz bringenden Wahl, im so genannten Wahlkampf, allzu deutlich oder gar eindeutig versprochen würde, was man als so ein Volks- und Lobbyistenvertreter so alles anstellen wolle, falls man gewählt würde. Da geht eine Bundeskanzlerin schon lieber auf „Nummer sicher“, wenn sie – photoshop-geglättet, mit sonst kaum zu bewundernden gehobenen Mundwinkeln und mit edlem Schmuck behängt – die vieldeutige Aussage „Erfolgreich für Deutschland“ von riesigen Plakatwänden herab verkündet. Für dieses typische Produkt einer modernen aalglatten Werbeindustrie gilt ebenso wie für fast alle anderen Portrait-Plakate: So sehen diese Typen nicht wirklich aus – und vor allem: Die „Botschaft“ der meisten Wahlwerbeplakate ist alles- und vor allem nichtssagend. Bleiben wir bei dem Beispiel der derzeitigen Kanzlerin, der wir bis auf weiteres auf keinem unserer Wege entgehen können: Wen oder was meint die Politikerin um des Wahlsiegs willen mit „Deutschland“, für das sie Erfolg verspricht?

Kaum zum Verwechseln ähnlich

Meint sie die Hartz 4-Menschen? Meint sie Menschen, die ihr Menschen- und Grundrecht auf politisches Asyl in Anspruch nehmen und deren durch das Genfer Flüchtlingsabkommen garantierte Rechte längst von Politikern aller derzeit regierenden Parteien mit Füßen getreten werden? Oder meint sie doch die Lobbyisten der Industrie und anderer mächtiger Interessenverbände und -vereine, die sich in Parlament und Kanzleramt die Klinke in die Hand geben. Andere um die Gunst der Wählerinnen und Wähler buhlende Parteien machen es nicht besser: Die Sozialdemokraten zum Beispiel haben anlässlich der anstehenden Bundestagswahlkampf die ehrenwerte Urtugend ihrer Partei aus grauer Vorzeit wiederentdeckt: „Soziale Gerechtigkeit“ verkündet mit blauen Strahleaugen (Kontaktlinsen? Photoshop?) vom Großplakat herab der immer mehr zur tragischen Figur mutierende Spitzenkandidat Martin Schulz. Zitat Schulz, das ich, als Mensch mit Behinderung, tagtäglich zu ertragen habe: „Eine Gesellschaft ist nur dann gerecht, wenn alle Menschen die gleichen Chancen haben“. Recht hat er, der Mann und Kandidat. Aber auch er vergisst oder verdrängt offensichtlich völlig schmerz- und schambefreit, wie die politische Wirklichkeit gerade der vergangenen, die auch und federführend Sozialdemokraten zu verantworten haben. Ich nenne hier nur mal als Beispiel den skandalösen Umgang der unheiligen Allianz von Christ- und Sozialdemokraten – vorneweg die längst nicht mehr erträgliche Andrea Nehles mit den unter anderem in der UN-Behindertenrechtkonvention festgeschriebenen unmissverständlichen Rechten von Menschen mit Behinderungen: Die versprochene Beseitigung von Barrieren wurde mit der Unterschrift der sozialdemokratischen Ministerin ebenso zur kläglichen Alibi-Scheinlösung wie die weiteren Gesetze, die angeblich Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen herstellen sollten.

Verrat an Behinderten – schon vergessen

All das wird – übrigens auch in den öffentlich-rechtlichen Diskussionen rund um die Wahl – vorsichtshalber gar nicht statt. Im plakativen Wahlkampf der „großen“ Parteien erst recht nicht. Da glauben die Werbeagenturen und die immer gleichen Grinse-Rüben doch tatsächlich, es reiche, die sympathie-gepimpten Portraits der Kandidaten würden unsereiner in die Wahlkabinen treiben und dazu verführen, Kreuze an der jeweils möglicherweise Mehrheiten bringenden Stelle auf dem Wahlzettel zu machen.
Schau’n wir mal: So ein nettes, etwas bemüht lächelndes Moppelchen soll ich wählen? Warum nicht? Was will uns das Plakat des Herrn Müller sonst noch sagen? Er wirbt – wohl nicht ohne Gedanken – vor der Braunschweiger Filiale des ECE-Einkaufszentrums, äußerlich dem im Krieg zerstörten Rresidenzschloss der Braunschweiger Herzöge zum Verwechseln ähnlich. Und da ist, gleich hinter dem christdemokratischen Spitzenkandidaten in der Stadt Heinrichs des Löwen, ja auch eine Figur, mit der sich der Kandidat offensichtlich identifiziert: Das Denkmal des „Schwarzen Herzogs“ – ein Braunschweiger  Rambo und Haudegen, der im Krieg gegen Napoleon getötet wurde.

Schlossherr und Oldie-Rambo-Fan

Was sagt uns also das Großplakat mit dem Braunschweiger Spitzenkandidaten der Christdemokraten: Der Kandidat, den es wieder mal über einen Landeslistenplatz seiner Partei in den Bundestag drängt (also nicht etwa von den Bürgern wirklich gewählt),  sieht sich offensichtlich als so eine Art Schlossherr und hat neben seiner Vorliebe für Oldtimer auf vier Rädern eine Vorliebe für fragwürdige Volkshelden. Seine Gegenkandidatin, die Spitzenfrau der Sozialdemokraten in Braunschweig Dr. Carola Reimann, verzichtet auf ihrem Großplakat ebenfalls auf jegliche Sachaussage. Mit strahlendem Lächeln verkündet sie immerhin, sie sei und bleibe „Stark für Braunschweig“ – was auch immer das bedeuten soll. Wer sich immer noch wundert, dass ich auf meinen Wegen durch Braunschweig bis auf weiteres möglicherweise unleidlich und irgendwie grantig erscheine, dem ist nicht zu helfen. Ich jedenfalls fühle mich bis auf weiteres belästigt und für dumm verkauft. Text & Bilder: © 2017 Jos van Aken
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Uralte neue Klänge in der City

Musik auf der Straße gehört zum Leben in den Städten. Einmal durch eine Fußgängerzone schlendern ersetzt eine ganze Reise durch die verschiedensten Genres der Welt der Töne, Melodien, Rhythmen und Harmonien. Grenzen gibt es da nicht. Und: Es gibt immer wieder Neues zu entdecken – wie vor einigen Tagen in Braunschweig. Ein Chinese saß auf seinem kleinen wackligern Klapphocker und hatte ein seltsames Instrument auf dem Schoß, dem er wundersame, sphärische, geradezu magische Töne entlockte.

Der Virtuose aus dem fernen Osten spielte ein Musikinstrument, das wahrscheinlich seit Jahrtausenden in der Mongolei und seit dem 10. Jhdt.n.Chr. in China populär wurde und seit jeher "die erste Geige" in der klassischen chinesischen Nationaloper spielt: Die èrhú, eine zweisaitige Geige.

Text & Bilder © 2017 Jos van Aken

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Message to Maddin L.

Da sitzt eine junge Frau auf einem Denkmalsockel vor dem sogenannten Schloss in Braunschweig. Sie schaut gespannt auf das Display ihres unvermeidlichen Smartphones; offensichtlich macht sie das, was (fast) alle seit einiger Zeit (fast) unentwegt tun: Sie chattet, ist in ein digitales Gespräch mit einem nicht ersichtlichen Gegenüber vertieft.

Vielleicht ist dieser rätselhafte Gesprächspartner aber gar kein "Gegenüber", sondern steht – gleichsam wundersam 95fach geklont durch Wolf Menzel, einen kreativ regen Braunschweiger – auch auf dem Platz des Einkausschlosses rum. Der Reformator hat nach 500 Jahren endlich gelernt, sich nicht nur der technischen Revolution des Buchdrucks zu bedienen (wie zu seinen Lebzeiten), sondern auch die nur durch Serverausfälle und sonstige Katastrophen eingeschränkte (fast) unendlichen Möglichkeiten von WhatsApp und Co.

Ob die junge Dame wirklich eine "Message to Maddin L." losschickt und auf erhellende Antworten des sich 85fach im Winde drehenden Reformators und seiner Thesen wartet – oder doch vielleicht mit dem "Schwarzen Herzog" gleich neben den 95 Luther-Stelen versucht in Verbindung zu treten – keine Ahnung

Text & Bild: © 2017 Jos van Aken

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Ein Loch ist genug –
und manchmal auch der Anfang …

„Alles schon mal da gewesen“ – die „Pinhole“-Fotografie, die bei gestaltungs- und experimentierfreudigen Bildermachern gerade (mal wieder) unter mannigfachen Aspekten eine sowohl farbige als auch mit Grautönen gestaltende Renaissance vor allem in der Fotografie mit und auf Film erfährt, ist an sich ein Uralt-Hut (einer mit Loch).

Typisches Pinhole-Bild: Eingang zum Inselwall in Braunschweig. Kamera: Umgebaute Box-Kameraera Agfa Clack (Anfang der 1950er Jahre) Die simple Meniskus-Linse des Objektivs mit der Brennweite mit etwa 100 mm Brennweite bei einem Film(Negativ)Formal von 6×9 cm habe ich ausgebaut und durch eine Lochblende von 0,3 mm ersetzt. Das ergibt rechnerisch eine Blendenöffnung von 240 – daher die weiträumige Tiefenschärfe.

Fast die gleiche Perspektive auf das Tor zum Inselwall – diesmal mit einer Profi-Mittelformatkamera Baujahr 1974, der einäugigen Spiegelreflex Mamiya rb67 mit einem hochwertigen Weitwinkel-Objektiv (Sekor 4,5/50), abgeblendet auf Blendenöffnung 11.

„Ein Loch ist genug –
und manchmal auch der Anfang …“
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Still(es)Leben

Der Begriff des „Stilllebens“ in der bildenden Kunst hat mit „Stille“ ursprünglich nur indirekt zu tun. Es hab diese Art der Darstellung zwar bereits in der Antike (wahrscheinlich aber schon viel früher) Der Begriff „Stillleben“ (für das Gemälde-Genre) tauchte aber erst Mitte des 17 Jahrhunderts auf – in der niederländischen Nomenklatur der Kunst. Damals hieß das „stil leven“ und hieß wörtlich ins Deutsche übersetzt „unbewegtes Dasein“.

Aber das Stillleben umfasst natürlich eine weitere Bandbreite – thematisch wie gestalterisch. Das Titelbild zum Beispiel war und ist keineswegs als „Stillleben“ gedacht gewesen – dazu wurde es erst durch das gestaltende Mittel der Fotografie:

Eines der zahlreichen Erinnerungsbilder an unseren unvergessenen Hund über dem Küchentisch mit einer „fading flower“, der welkenden Blüte, die im Vergehen die Blätter hängen läßt, gerät im fotografischen Zuschnitt und in der Fargestaltung zur klassischen „nature morte“, dem „still life“ oder eben (in alter deutscher Schreibweise zum (fast) klassischen „Stilleben“ – das heute korrekte dritte l irritiert mich nach wie vor).

Ganz und gar brav klassisch daher kommt dagegen eine kleine Stillleben-Komposition, die sich mir kürzlich aufdrängte: Eine gute Freundin hatt uns eine der schönsten Rosenblüten aus ihrem Garten geschenkt.Ein  bisschen herbstliches Obst dazu – und schon entstand daraus ein Stillleben, das eine Allegorie des Wechsels vom Sommer zum Herbst entstehen lässt.

Ganz und gar weg von der ursprünglichen Deutung und dem gestalterischen Gebrauch des Begriffs schließlich ist das dritte Beispiel. Es entstand als Teileiner kleinen experimentellen Reihe von Bildern, die das vielfältige bunte wie graue Leben einer Wäschespinnemit den Mitteln der Fotografie versucht darzustellen – auch das (behaupzte ch) ist ein Stillleben.

Text und Bilder: © 2017 Jos van Aken

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Alle (zwei) Jahre wieder:
Dorfmarkt rund um die Klosterkirche

Das letzte Wochenende im August haben Freunde des dörflichen (Er)lebens, des guten Essens und durststillenden Trunks sowie last, not least des (Kunst)handwerks seit Jahren fest in ihrem privaten Ereigniskalender für ein ganz besonderes Erlebnis im kleinen, 1934 zur Stadt Braunschweig eingemeindeten Dorf Riddagshausen.  Für so manchen ist das von der Bürgerschaft Riddagshausen organisierte Markttreiben rund um die alte Zisterzienser-Klosterkirche und den Klostergarten so etwas wie eine Art „Weihnachten im Braunschweiger Sommer“. Der Vergleich hinkt allerdings nicht nur bezüglich der gemessenen und gefühlten Temperaturen der Feste. Weihnachten findet mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nur sprichwörtlich und sangesselig „alle Jahre wieder“  statt – der Dorfmarkt in Riddagshausen geht es entschieden entspannter an: Das nostalgische Markttreiben gibt es nur in jedem zweiten Jahr.

Fahrendes Volk
(Zum Vergrößern: Bilder anklicken)

Was lockt mich und tausende andere Dorfmarkt-Begeisterte immer wieder auf das historisch einwandfreie Kopfsteinpflaster, das  nicht nur Rollstuhlfahrer wie mich an die Grenzen ihrer körperlichen und psychischen Möglichkeiten bringt? Natürlich in erster Linie das „Drumherum“:

Das ehemalige Zisterzienserkoster mit der 1275 geweihten Abteikirche. Neben dem Gewusel tausender Besucher auf dem Klostergang lädt mittlerweile der Klostergarten nördlich und östlich der Klosterkirche und einem zusätzlichen Informations- und Verkaufsangebot zu einem ruhigeren Markt-Erleben ein.

Klosterkirche und Siechenkapelle
Ein Kirchgang zum (Be)Staunen
Meditieren in der kargen Frauenkapelle
Weniger prunkvoll, aber ein idealer Raum der Ruhe und Mediation: Die Frauenkapelle vor dem Torhaus des Klosters: Text und Bilder © 2017 Jos van Aken    
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Sommer, Sommer, Sommer
Jetzt brummt’s und blüht es

Erst wollte der Somnmer ja nicht so recht. Aber jetzt kommt er (hoffentlich länger als wieder nur ein paar Tage) richtig in Fahrt – im Botanischen Garten Braunschweig  und im Theaterpark habe ich einige Impressionen gesammelt:
Die Bougainvillea -ein Traum in magenta

Grün-gelbe Strukturen aus dem Fernen Osten: Das Indische Blumemrohr
Die Mähnen-Gerste ist eigentlich in Kanada , Alaska und Sibirien zu Hause – aber im Botanischen Garten Braunschweig fühlt sie sich auch sichtlich wohl. Ein Motiv, an dem der Bildermacher nicht vorbei kommt. in Farbe …
… und Schwarzweiß
Was so eine Große Kolbenhirse werden will, krümmt sich beizeiten
Und das ist unverkennbar ein Hasenschwanz (oder ganz viele). Bekannt ist diese Süßgrasart auchals Samtgras.

Und hier zwei typische Vertreter der floren Vielfalt Neuseelands: Die neuseeländische Flachslilie …
und der Neuseeländer Flachs
Die bizarre Buche im Theaterpark gewährt wie alle Jahre wieder einem Besucher aus dem Reich der Pilze Gastrecht.
text und bilder: © 2017 jos van aken

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Klatschmohn & Heldenarsch

Ob die städtischen Gärtner sich etwas dabei dachten – und wenn ja was, ist nicht bekannt. Ins heitere Grübeln kann aber jedenfalls so mancher geraten, der zurzeit die Symbolfigur des sagenhaften Helden Siegfried am Braunschweiger Burgundenplatz en passant beachtet.

Wunderschönen Klatschmohn haben die Spezialisten für städtisches Blühen und Grünzeugs dem germanischen Recken verpasst, den der später wegen seiner unkritisch anbiedernden Nähe zu den Nazis bekannt gewordene völkisch gesinnte Bildhauer Jakob Hoffmann bereits 1928 als Sinnbild für die im Jahre 1919 gegründete Braunschweiger Siedlung Siegfriedviertel entworfen hatte.

Der Mohn klatscht aber nicht etwa rund um den Siegfried – sondern ausschließlich hinter dem nackten Helden mit seinem wohlgeformten Hinterteil. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.


Text und Bilder © 2017 Jos van Aken

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Weiße Pracht und Schlammliebe

Die Nymphaea alba hat nichts mit einem abfallsammelnden Betrieb zu tun, der auch in Braunschweig dafür sorgt, dass wir nicht in den von uns immer noch großzügig gesammeltem Müll ersticken. Die „Weiße Nymphe“ – so die wörtrliche Übersetzung des botanischen Namens) ist vielmehr eines der weitest verbreiteten Seerosengewächse.

Diese Prachtgexemplare fand ich heute im Schul- und Bürgergarten. Diese wohlbekannteste Seerosenart wird gern auch als „Wasserlilie“ bezeichnet. Weniger schmeichelhaft ist die Tatsache, dass diese Schwimmblattpflanze ein „Schlammwurzler“ ist.Ohne den „Modder“ auf dem Grund von Seen und Bächen könnte sie gar nicht leben – darüber freuen nicht nur wir uns, sondern vor allem auch die vielen Käfer, die sie in der Öffnungszeit von morgen 7 Uhr bis nachmittags 16 Uhr gern besuchen und den Pollen in ihren Blüten mampfen.
Text und Bilder © 2017 jos van aken
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Auch wenn der Sommer
mal streikt: Nass ist Trumpf

So richtig ins Schwitzen hat der Sommer 2017 uns bisher nichtr allzu oft gebracht. Was mich selbst betrifft: Geht klar. Hauptsache, Braunschweig dreht seine Wasserhähne auf und verschafft uns, weise vorausschauend auf den wahrscheinlich letztlich doch nicht aufzuhaltenden Hochsommer feuchtes Vergnügen. Titelbild: Springbrunnen vor dem ECE-Einkaufszentrum Hier einige weitere Beispiele:

Der Brunnen des in der Hedwigsburg lebenden Künstlers Emil Cimiotti (einer der Gründer der Braunschweiger Hochschule für Bildende Künste) lädt während der warmen Jahreszeit vor dem Großen Haus des Braunschweiger Staatstheaters zu Verweilen, Schauen – und natürlich zur Abkühlung ein. Mich verführte die (eher ungewöhnliche Perspektive mit Blick vom Theater auf den Steinweg zu einer weitwinkligen Gegenlicht-Studie ein.

 

 

Einer der zugleich „coolsten“ und irgendwie dabei magischen Orte im Spiel von Dämmer- und Sonnenlicht auf fließendem Wasser: Die Rhododendron-Schlucht des Braunschweiger Botanischhen Gartens mit der Judith-Skulpturder Bildhauerin Sabine Hoppe. IDieses Bild entstand übrigens als „Langzeit“-Belichtung (1/15 sec) mit einer digital speichernden Sony-Minikamera während der Aufnahmen auf Mittelformat-Filmmaterial mit der Mamiya RB 67 (noch nicht entwickelt und bearbeitet)

 

Wasserspielchen vor dem Braunschweiger Rathaus.

 

 

 

Seerosen-Träume im Schul- und Bürgergarten am Rande des Braunschweiger Siegfriedviertels.

 

 

Stillleben mit totem Baum am Rande des Dowe-Sees im Braunschweiger Schul- und Bürgergartens

 

 

Er lächelt der (Dowe)-See, er ladet zum Bade. Hier irrt Schiller, der sein Schauspiel „Wilhelm Tell“ mit diesem „Lied des Fischerknaben“ beginnen lässt. Zu seiner Entschuldigung sei angemerkt, dass der Dichterfürst den Dowesee im Braunschweiger Schul- und Bürgergarten samt Entenhaus und weiblichem Fischerknaben-Ersatz gar nicht kannte.

 

 

… und weils so beruhigend und erfrischend zugleich ist: Hier noch zwei Impressionen vom Dowesee.

 

 

Text und Bilder © 2017 jos van aken

 

 

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Warten auf Victoria und die
anderen Nymphen-Schönheiten

Eine der Attraktionen des Botanischen Gartens der Technischen Universität Braunschweig an Sommerabenden waren Jahr für Jahr die weiß und rosa blühende Riesenseerose Victoria cruciana und viele andere Seerosengewächse im großen Becken eines eigens dafür eingerichteten Gewächshaus – bis 2014. Die Kult-Nächte“ im Spätsommer, in denen der Botanische Garten an der Humboldtstraße lange geöffnet blieb, um den Besuchern die Huldigung der sich in der Dunkelheit öffnenden Riesenseerosenblüten ganz nah am Objekt ihrer Begeisterung zu ermöglichen, gab es erst mal nicht mehr.

Die Blüte der Victoria cruciana ist immer wieder eines meiner bevorzugten Objekte fotografischer Freuden.

 

Die Victoria in voller Blüte

 

Auf den Blättern der Riesenseerose Victoria cruciana kann ohne Kentergefahr ein Kind mit bis zu 30 kg Gewicht Platz nehmen.
Blaue Schönheit im alten Seerosenhaus (2007)

Nach rund 60 Jahren mussten die Freunde von Victoria und ihren Gefährtinnen von Nymphaea gigantea, der himmelblauen Großen Seerose, der auch als Lotos-Blume bekannten Nymphaea pubescens oder der Nymphea rubra (Rote Seerose) auf die Schönheiten verzichten: Das baufällige Gewächshaus musste erst einmal geschlossen und nach 2015 auch geräumt werden. Handfeste Gründe: Das Betonbecken in das die Victoria cruziana Jahr für Jahr gepflanzt wurde, hatte Risse bekommen und wurde nun an mehreren Stellen undicht, die Glaswände des Seerosen-Gewächshauses alt und brüchig, die marode Einfachverglasung ohne isolierende Wirkung. Es bestand akute Einsturzgefahr.

2018 geh