Buskers – Braunschweigs Straßenmusik-Fest

Sie gehören in jeder Stadt zum Straßenleben: Musiker in den Fußgängerzonen und auf den Plätzen der Innenstädte. Eine geballte Ladung Straßenmusik bietet Braunschweig an diesem Wohenende: Das Straßenmusik-Festival „Buskers“ (das englische Wort für Straßenmusiker). Auf allen Plätzen und Straßen der Innenstadt machten Braunschweiger und ihre Gäste aus der Region Bekanntschaft mit bekannten und (noch) weniger bekannten Straßenmusiker aus (fast) aller Welt.

Ich bin am ersten Tag des Busker-Festivals mal durch die Stadt gerollt und habe einige fotografische Impressionen gesammelt (Zum Vergrößern die Bilder der Galerie anklicken)

Text und Fotos © 2018 Jos van Aken

Ein paar Blümchen und
die Sommersonnenzeit

Was haben wir ihn doch erfleht, beschworen und – falls gläubig – auch schon mal mit inbrünstigem Gebet , ähnlich wie die Indianer und anderen Naturvölker, versucht herbei zu zaubern: Den Sommer.

Jetzt haben wir ihn seit Wochen – und schon mag diese oder jener die jahreszeitüblichen Wetterphänomene gar nicht mehr leiden. Zum Beispiel, wenn Gewitter und andere Unwetter die Sommerfreuden verderben (kann man ja nachvollziehen – wenn das idyllisch und poetisch plätschernde Bächlein zum alles mitreissenden Strom anschwillt).Viele, die über Schmuddelwinterwetter geschimpft hatten, lamentieren jetzt aber ganz einfach auch über viel zu viel Schönwetter. Na ja, ich kann Temperaturen um 30 Grad Celsius auch nicht sonderlich gut ab. Ist aber kein Grund für schlechte Laune  – gibt es doch Schatten, Mineralwässerchen und vornehme Zurückhaltung in Sachen Bewegung.

Hier einige blumige Impressionen, die ich heute im Botanischen Garten Braunschweig – und am Braunschweiger Dom mit der Kamera gesammelt habe Bilder zum Vergrößern anklicken):

Bilder und Text © 2018 Jos van Aken

Lesen verboten
… noch nicht wieder

Vor 85 Jahren, am 10. Mai 1933 brannte vor dem Braunschweiger Residenzschloss ein Scheiterhaufen. Studenten der Technischen Universität Braunschweig zündeten gemeinsam mit ihrem Rektor und zahlreichen anderen Braunschweiger Bürgern hunderte von Büchern. Die Braunschweiger Zeitungen hatten zuvor zur Teilnahme an der Bücherverbrennung aufgerufen und eine „Schwarze Liste“ mit der Literatur veröffentlicht, die angeblich auf den Scheiterhaufen gehörte.

Mit dem Projekt „Lesen verboten!“ erinnert das Dezernent für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig noch bis zum 14. Mai 2018 auf den 85. Gedenktag der Bücherverbrennung aufmerksam machen. Auf einer kreuzförmigen Folienklebung, die die Gedenkplatte umschließen und dadurch den Ort der Bücherverbrennung von 1933 deutlich markieren wird, sind die Namen der „verbrannten Dichter“ aufgeführt, deren Bücher in Braunschweig in Flammen aufgingen.

Außerdem wurde auf dem Schlossplatz ein transparenter Lese-Pavillon aufgebaut. Im Innern des Pavillons Kisten mit Büchern, die 1933 verboten wurden. Tagsüber fordert der Pavillon zum Lesen der verbotenen Bücher auf, nachts erinnert er, von innen beleuchtet, symbolisch an den  Ort der Bücherverbrennung

Die Aktion vor 85 Jahren, nur wenige Monate nach der Wahl des Massenmörders Adolf Hitler zum Reichskanzler, unter dem Motto „wider den undeutschen Geist“ war deutschlandweit vom Deutschen Studentenbund organisiert worden. Verbrannt wurden Bücher von 131 vor allem jüdischen,  sozialdemokratischen, marxistischen und pazifistischen Autoren, unter anderem die Werke von unter anderem die Werke von Karl Marx, Franz Kafka, Heinrich Mann, Erich Kästner, Sigmund Freud, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky.

Mit dem Projekt „Lesen verboten!“ machtdas Dezernent für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig noch bis zum 14. Mai 2018 auf den 85. Gedenktag der Bücherverbrennung aufmerksam machen. Auf einer kreuzförmigen Folie, die die Gedenkplatte umschließt und dadurch den Ort der Bücherverbrennung von 1933 markiert, sind die Namen der „verbrannten Dichter“ aufgeführt, deren Bücher in Braunschweig in Flammen aufgingen.

Zur Erinnerung und Mahnung an die Bücherverbrennung hatte der Braunschweiger  Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann im  Juni 2010 auf dem Braunschweiger Schlossplatz eine Gedenkplatte enthüllt. Zu lesen ist auf der Tafel ein Zitat des Dichters Heinrich Heine aus dem Jahr 1821:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“

Der im Nachhinein prophetisch klingende Text Heines bezog sic übrigens historisch auf eine Verbrennung des Korans nach der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter unter dem inquisitorischen Kardinal Gonzalo Jiménez de Cisneros.

Oberbürgermeister Dr. Hoffmann (CDU), der die Braunschweiger Gedenkplatte 2010 enthüllte, war übrigens in jungen Jahren Funktionär der Studentenorganisation der neonazistischen NPD.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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Automobil-Ikonen –
mal wuchtig, mal rasant

Reichlich Pferdestärken und entsprechende Kraft haben beide Attraktionen, die in diesem Jahr Besucher zum „Autofrühling“ nach Braunschweig lockten. Neben Präsentationen der neusten Blechkutschen, mit denen die Autohändler der Region an ihren Ständen in der Innenstadt um Kunden warben hab es wieder zwei historische Schwerpunkte: In diesem Jahr gab es historische Lastwagen der Braunschweiger Firma Büssing auf dem Platz vor dem Braunschweiger Shopping-Schloss und eine gute Handvoll geballte PS-Potenz aus Zuffenhausen in unverwechselbarer Blechschönheit auf dem Burgplatz unter dem Braunschweiger Löwen: Porsche-Freunde zeigten einige ihrer rasanten Statussymbole – auch für eher weniger dem Geschwindigkeitsrausch verfallene Menschen wie mich jedenfalls ein Augenschmaus.

Hier erst einmal einige Impressionen auf Schwarzweiß-Film, eingefangen  mit einer ebenfalls historischen Kamera, der Rolleiflex 3003: 

Die für die Schwarz-Weiß-Aufnahmen eingesetzte Rolleiflex 3003, eine „einäugige“ Kleinbild-Spiegelreflex-Kamera aus den frühen 1980 Jahren, war den letzte, leider erfolglose Versuch der Braunschweiger Traditionsfirma Rollei, doch noch wieder Fuß zu fassen auf dem längst von japanischen Firmen eroberten Kamera-Weltmarkt. Die Rolleiflex 3003 war das Nachfolgemodell der technisch noch nicht ausgereiften Rolleiflex SL 2000 F.

Der bekannte Rollei-Ingenieur Heinz Waaske hatte das innovative Kameramodell, das mit Wechsel-Filmmagazinen, integrierten Lichtschacht und „Fernrohr“-Suchern und schnellem (3 Bilder/Sekunde) eingebauten motorischen Filmtransport seinerzeit als geradezu revolutionär auf der „photokina“-Ausstellung in Köln von der Fachwelt gefeiert wurde, entwickelt. Der kommerzielle Erfolg blieb letztlich aus: Lediglich 4.800 Exemplare der „SL 2000 F“ wurden produziert; das hier von mir eingesetzte technisch ausgereifte Nachfolgemodell Rolleiflex 3003 brachte es bis 1994 nur noch auf knapp 2.800 Exemplare.

Und hier noch einige Fotos auf Farbfilm vom diesjährigen Autofrühling: Die habe ich mit dem bekannteren Braunschweiger Kamera-Klassiker aus dem Hause Franke und Heidecke, der zweiäugigen Spiegelreflex-Kamera Rolleiflex 2,8 F, einer Kamera für die klassische Fotografie auf Mittelformat-Rollfilme (6×6 cm) aufgenommen. Wenn ich mit dieser Kamera aus den 1960er Jahren unterwegs bin, muss ich zumindest in Braunschweig grundsätzlich einige Zeit mehr einplanen:

Vor allem bei den Aufnahmen der Braunschweiger Brummi-Legenden von Büssing freuten sich viele bekennende Lokal-Patrioten darüber, dass diese alten „rollenden Braunschweiger“  mit einer alten Kamera, die  der Braunschweiger „Kamera-Schmiede“ Franke & Heidecke einst Weltruhm einbrachte, auf Film festgehalten wurde – eben der Rolleiflex mit den unverwechselbaren zwei Objektiv-Augen.



Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

Tap Dance, Drehleier
und Röhrenspieß-Laute

Seit jeher müssen wir nicht unbedingt gleich in hochsubventionierte, aber alles andere als billige Weihestätten der Hochkultur pilgern, um musischen Genüssen zu frönen. Oft reicht auch der Einkaufs- oder sonstige Bummel durch die Fußgängerzonen und über die Marktplätze der Städte, um von einem Mini-Openair-Konzert zum nächsten zuschlendern, bei Gefallen zu verweilen – und hoffentlich einige Münzen als Honorar im Schüsselchen der Interpreten klimpern zu lassen. Straßenmusik war bekanntlich nicht selten die erste Sprosse auf der Erfolgsleiter zur ganz großen Karriere von Stars wie den Kellys, Rod Stewart oder Paul Simon.

Tapdance zu Evergreens auf zwei
mobilen Etagen

Vergleichen wir übrigens mal frevelhaft die unbestreitbaren Vorzüge der Live-Auftritte auf dem Asphalt und den Pflastersteinen der Kommerz-Malls einerseits und die der immerhin meist wetterfesteren Treffen zum kollektiven Kultur-Konsum in Theatern, besser bekannt als Husten-Häuser, oder Stadt- und sonstigen Hallen:

Die Genuss-Garantie bieten die mehr oder weniger sündhaft teuer erkauften geschlossenen Veranstaltungen ebenso wenig wie das den Straßenmusikern mehr oder weniger geneigte Ohr des Passanten – aber der Passant heißt nicht nur so: Er kann bei Misstönen genau das tun, was ihn als solchen ausmacht – er passiert den Ort des akustischen Geschehens, und das zum Nulltarif.

Nostalgie vor dem Kohlmarkt-Brunnen

Der (zumindest Halb-)Bildungsbürger wird sich mit einiger Wahrscheinlichkeit selbst bei einer von ihm so empfundenen Kakophonie gründlichst überlegen, ob er den Ort der Sinnes-Folter vorzeitig fluchtartig verlässt; hatte er doch sein sauer verdientes Geld an der Konzertkasse hingeben müssen – in der seligen Illusion und Hoffnung auf einen Sinnenrausch.

Wie auch immer: Straßenmusiker locken mich samt Equipment fast immer an wie die Motten das Licht – nicht etwa, weil ich wie einst Marlene Dietrich von Kopf bis Fuß auf (Musik-)Liebe eingestellt wäre. Mich reizt meist mehr die optische Darbietung der Straßen-Virtuosen.

Immer wieder zu erleben in der Braunschweiger Fußgängerzone: Ein chinesischer Erhu-Virtuose; dieses Streichinstrument gehört zu der Familie der Röhrenspieß-Lauten.

Text & Bilder:© 2018 Jos van Aaken-Maas