Ein Nachmittag in Annemaries Garten

Was tun, wenn das Thermometer seit Tagen locker die 30-Grad-Grenze knackt und erfrischende Kühle weiterhin nicht wirklich in Sicht ist? Das tröstliche Bewusstsein, in einer gesegneten Region zu leben, die erfahrungsgemäß eher selten von zwar kühlenden, aber auch verheerenden Unwettern verschont bleibt (hoffentlich weiterhin), verschafft keine Abkühlung, und irgendwann hilft auch nicht mehr der Rückzug in die schattigen eigenen vier Wände – weil deren Gemäuer sich unter der Sonnenglut längst in eine Speicherheizung verwandelt haben.

Aber es gibt Auswege: Wir treiben uns bei den derzeitigen hochsommerlichen Temperatur-Kapriolen mit Vorliebe im Garten herum. Mangels einer eigenen Scholle nehmen wir immer wieder gern und dankbar die Einladung unserer lieben Freundin Annemarie an. Bei der gibt es nicht nur eine schattige Terrasse,auf der sich bei Kaffee und Kuchen herrlich faulenzen lässt, sonder vor allem einen der der schönsten Gärten, die wir kennen. Hier einige Impressionen aus dem kleinen grünenden und blühenden Zauberreich:
(Bilder in der Galerie zum Vergrößern anklicken)

 

Na endlich – Der Frühling nimmt Fahrt auf

Auch wenn gerade zwischendurch gefühlt mal wieder das April-Klischee über den Bilderbuch-Lenz siegte: Der Frühling kommt endlich in Fahrt. Die Folge sind nicht nur bei uns Menschen die einschlägigen zu dieser beliebten Jahreszeit gehörigen Gefühle – wer mag, darf auch von Wallungen schwärmen (oder solche genießen): Auch der vielfältige Rest der Natur zeigt dem Winter, was ’ne Blüte ist.

Hier eine kleine Auswahl meiner Frühlingsfotos: Sie entstanden im Braunschweiger Botanischen Garten und im Garten unserer guten Freundin Annemarie in Melverode (Zur Ansicht der größeren Bilder einfach anklicken).

Text & Bilder ©  Jos van Aken

Mein Osterspaziergang
– ohne Johann Wolfgang

Beim Osterspaziergang, einer für Köper und Geist gesunden Angewohnheit – vorausgesetzt natürlich erträgliches und möglichst trockenes Frühlingswetter mit Temperaturen deutlich über dem Nullpunkt der Skala des alten Schweden Anders Celsius – kann der gute deutsche Bildungsbürger,  der auf sich hält, neben einem ausgeglichenen, dem Schönen und Guten sich öffnenden Geist auf eine Zutat an sich nicht verzichten: Eine Portion Goethe mitsamt dem einschlägigen Gedicht des Dichterfürsten aus „Faust I“. Der „Osterspaziergang des Dr. Faust mit seinem Begleiter Wagner  gehört  als poetischen Begleiter ins Gepäck des feiertäglichen Wandlers (oder in seinen Kopf – wenn er diese Perle der Dichtkunst in der Schule, den Notendurchschnitt hebend, Wort für Wort und Reim für Reim in- und auswendig gelernt hat.

Nun, als „Bildungsbürger“ mache ich mich nicht wirklich gut, Mephisto kann mich mal, oder vielmehr: kann mich nicht mal … eben verderben oder verführen, genauso wenig wie irgendwelche Gretchen; und auf die Begleitung eines Herrn namens „Wagner“ verzichte ich auch gern: Wagner  ist für mich in erster Linie eine äußerst mittelmäßige, meinen hoffentlich erträglichen guten Geschmack beleidigende Pizza aus dem Gefrierfach.

 

Und so ließ ich auch in diesem Jahr leichten Herzens den Johann Wolfgang im Bücherregal und machte mich, von keinerlei hehren Versen des Mannes aus Frankfurt/Main  belastet, auf meinen ganz persönlichen Osterspaziergang. Weil ich gerade physisch nicht unbedingt in Spitzenform bin, entschied ich mich für den kurzen Weg – ein Stündchen im benachbarten Schulgarten am kleinen Dowesee im Norden Braunschweigs musste (mal wieder) reichen – Gesundheit schert sich den Mephisto, pardon: Teufel um Feiertage.

Anders als der Schiller-Konkurrent bin ich nicht nur hier Mensch – ich darf es auch anderswo. Das Selfie mit Putte zeigt wohl meinen skeptischen zutiefst menschlichen auf das, was nach Ostern auf mich, auf uns zu kommt.

Da ich dazu neige, (nicht nur) besondere Momente nicht in Reimen à la Goethe oder nach Art des von mir geschätzteren Tucholsky alias Theobald Tiger – sondern eher in photographischen Bildern festzuhalten (dann erinnere ich mich ja vielleicht auch bei fortschreitender Altersdemenz daran), habe ich versucht, meinen kleinen Osterspaziergang mittels meiner Fotoausrüstung zu dokumentieren.

Hier sind erst einmal einige digitale Bildchen zu sehen; die mit einer knapp 50Jahre alten Kamera auf Filmmaterial entstandenen Fotos reiche ich nach – die müssen erst  mal ganz altmodisch entwickelt werden.

Text & Bilder © 2018 Jos van Aken

 

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

„Osterwetter“ – immer wieder überschätzt

Ostern – dazu gehört doch „Schön“Wetter wie es im Buche steht (in welchem auch immer). Ich meine ja, dass das Phänomen „Wetter“ immer wieder gnadenlos überschätzt wird – zumindest, wenn es um die Erwartungshaltung eines ganz bestimmten Wettertyps zu ganz bestimmten Anlässen geht:

Weiss, grün, indian

Beispiele? Gerne Weihnachten hat gefälligst so weiß zu sein, dass es nur so stöbert – schneegestöbert, um es auf den Punkt oder die Flocke zu bringen. Und der Herbst, zumindest der im Monat Oktober, ist selbstverständlich goldig oder wenigstens „indian“.

Und weil das so ist – oder so zu sein hat, da wundert es dann kaum, dass im Urlaub – je nach Vorlieben oder wann und wo gebucht – entweder Tiefschnee auf der Piste und in der Loipe  oder karibisch durchsonnte Strände uns fürs Bravsein  (und weil wir immer unsere Teller leer gelöffelt haben) uns zu belohnen hat..

Ja, aber was ist mit Ostern? Diesem aktuell angedrohten Event mitsamt den sowohl glöckchenbehangenen als auch umsatzsteigernden  Hasen und Eierschlacht-Orgien werden wir ja wohl kaum entgehen. Wettermäßig ist das  ja wohl zweifelsfrei der klare Fall für frühlinghafte schäfchenbewölkte frühe Sonnen-Badereien samt der dazu gehörigen gefühlten Gefühle – aber bitte nicht unter gefühlten 19 Grad Celsius oded 66 ° Fahrenheit oder 292° Kelvin. Wo kämen wir denn dahin, wenn ein widerborstiger Petrus uns mit von ihm eigenhändig geklöppelten Wetterkapriolen den an langen dunklen schweinekalten Wintertagen herbei gesehnten obligatorischen Osterspaziergang versauen würde.

Mein Tipp für unverbesserliche Bilderbuchwetter-Gläubige: Bringt den unvermeidlichen Osterspaziergang möglichst bereits am Samstag (für Nordlichter: Sonnabend) vor Ostern hinter euch. Wie ich nämlich aus zuverlässiger Quelle erfuhr, werden sich an den echten Ostertagen (die nennen sich kalendarisch deshalb auch Ostersonntag und Ostermontag) der wahrscheinlich mittlerweile ein nisschen demente Petrus zusammen mit seiner Gespielin aus jungen Jahren, einer gewissen Frau Holle, einen ihrer depperten Späßchen machen:

Wenn die Holle mit dem Petrus …

Das ebenso himmlische wie märchenhafte  Duo pfeift auf  das blaue Band, das der hoffnungslose Romantiker Eduard Mörike seit nun auch schon wieder 190 Jahren um der Poesie willen in seinem einschlägigen Gedicht durch die Lüfte flattern lässt, und beschert uns ohne jede Rücksicht auf mögliche österliche open air-Gelüste regenschauerliche Festtage – nicht auszuschließen, dass die übermütige Dame Holle sogar einige Schneeflöckchen dazu mischt.

Pfui, kann ich da nur sagen, Pfui.

Aber was soll’s. Als unverbesserlicher Optimist warte ich mitsamt fotografischer Ausrüstung auf diese oder jene nicht auszuschließende Aufheiterung (die Wolkenlücke respektive die Hoffnung darauf, stirbt bekanntlich zuletzt) und tröste mich ansonsten mit einem sehnsüchtigen Blick auf unsere mittlerweile auch wieder verblühende Osterdeko auf der Fensterbank.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

Ich hab‘ den Frühling gesehn

Noch hat der Frühling nicht wirklich begonnen: Der astronomische Frühling startet ja erst mit der Tag- und Nachtgleiche, das Aquinoktium, – und das ist in diesem Jahr der 20. März. Aber alle Jahre wieder, das ist eben nicht nur die Vorfreude auf Weihnachten, sondern auch das ungeduldige Warten auf die Zeit der Knospen, der ersten Blüten und der Sonne.

Der Frühling bricht aber nicht etwa wie eine wunderschöne Positiv-Katastrophe über uns herein; er kündigt sich verlässlich an – bereits Wochen bevor Tag und Nacht gleich lang sind. Ich persönlich habe einen Lieblingsplatz, wo mich die ersten Vorboten des Frühling schon von weitem begrüßen: Im Braunschweiger Botanischen Garten, unterhalb des Gartenhäuschen und gegenüber von der riesigen Tulpen-Magnolie (die auch bald blühen wird – wenn wir Glück haben zeitgleich über einem „Teppich“ von betörend blauen Scilla) haben die Gärtner einem sich frei ausbreitenden Beet  einen Stammplatz gegeben, wo die Winterlinge kurz vor dem Frühlingsbeginn zeigen dürfen, was sie können: Uns mit ihren leuchtenden knallgelben Blüten daran erinnern, dass der Winter endlich, endlich zu Ende geht.

Text & Fotos © 2018 Jos van Aken