Herbst entschädigt für „Fake-Sommer“

Der sich nun wohl endgültig verabschiedende Sommer wurde dem Idealbild, was wir sorgsam in uns hegen und pflegen, ja nun wirklich nicht gerecht. Und ob wir in diesem Jahr und in unseren Breiten den berühmten "indian summer" genießen werden, der ja eigentlich im Norden der USA und in Kanada zu Hause ist – wer weiß   — Ich würde mich ja schon mit der mitteleuropäischen Variante dieses werebewirksamen Wetterphänomens, dem Altweibersommer,  zufrieden geben. Aber den heutigen Tag – den kann uns kein Miesepeter und kein Wetter-Grantler mehr nehmen: Herbst in seiner seiner schönsten Form.

Ein Loch ist genug –
und manchmal auch der Anfang …

„Alles schon mal da gewesen“ – die „Pinhole“-Fotografie, die bei gestaltungs- und experimentierfreudigen Bildermachern gerade (mal wieder) unter mannigfachen Aspekten eine sowohl farbige als auch mit Grautönen gestaltende Renaissance vor allem in der Fotografie mit und auf Film erfährt, ist an sich ein Uralt-Hut (einer mit Loch).

Typisches Pinhole-Bild: Eingang zum Inselwall in Braunschweig. Kamera: Umgebaute Box-Kameraera Agfa Clack (Anfang der 1950er Jahre) Die simple Meniskus-Linse des Objektivs mit der Brennweite mit etwa 100 mm Brennweite bei einem Film(Negativ)Formal von 6×9 cm habe ich ausgebaut und durch eine Lochblende von 0,3 mm ersetzt. Das ergibt rechnerisch eine Blendenöffnung von 240 – daher die weiträumige Tiefenschärfe.

Fast die gleiche Perspektive auf das Tor zum Inselwall – diesmal mit einer Profi-Mittelformatkamera Baujahr 1974, der einäugigen Spiegelreflex Mamiya rb67 mit einem hochwertigen Weitwinkel-Objektiv (Sekor 4,5/50), abgeblendet auf Blendenöffnung 11.

„Ein Loch ist genug –
und manchmal auch der Anfang …“
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Still(es)Leben

Der Begriff des „Stilllebens“ in der bildenden Kunst hat mit „Stille“ ursprünglich nur indirekt zu tun. Es hab diese Art der Darstellung zwar bereits in der Antike (wahrscheinlich aber schon viel früher) Der Begriff „Stillleben“ (für das Gemälde-Genre) tauchte aber erst Mitte des 17 Jahrhunderts auf – in der niederländischen Nomenklatur der Kunst. Damals hieß das „stil leven“ und hieß wörtlich ins Deutsche übersetzt „unbewegtes Dasein“.

Aber das Stillleben umfasst natürlich eine weitere Bandbreite – thematisch wie gestalterisch. Das Titelbild zum Beispiel war und ist keineswegs als „Stillleben“ gedacht gewesen – dazu wurde es erst durch das gestaltende Mittel der Fotografie:

Eines der zahlreichen Erinnerungsbilder an unseren unvergessenen Hund über dem Küchentisch mit einer „fading flower“, der welkenden Blüte, die im Vergehen die Blätter hängen läßt, gerät im fotografischen Zuschnitt und in der Fargestaltung zur klassischen „nature morte“, dem „still life“ oder eben (in alter deutscher Schreibweise zum (fast) klassischen „Stilleben“ – das heute korrekte dritte l irritiert mich nach wie vor).

Ganz und gar brav klassisch daher kommt dagegen eine kleine Stillleben-Komposition, die sich mir kürzlich aufdrängte: Eine gute Freundin hatt uns eine der schönsten Rosenblüten aus ihrem Garten geschenkt.Ein  bisschen herbstliches Obst dazu – und schon entstand daraus ein Stillleben, das eine Allegorie des Wechsels vom Sommer zum Herbst entstehen lässt.

Ganz und gar weg von der ursprünglichen Deutung und dem gestalterischen Gebrauch des Begriffs schließlich ist das dritte Beispiel. Es entstand als Teileiner kleinen experimentellen Reihe von Bildern, die das vielfältige bunte wie graue Leben einer Wäschespinnemit den Mitteln der Fotografie versucht darzustellen – auch das (behaupzte ch) ist ein Stillleben.

Text und Bilder: © 2017 Jos van Aken

Sommer, Sommer, Sommer
Jetzt brummt’s und blüht es

Erst wollte der Somnmer ja nicht so recht. Aber jetzt kommt er (hoffentlich länger als wieder nur ein paar Tage) richtig in Fahrt – im Botanischen Garten Braunschweig  und im Theaterpark habe ich einige Impressionen gesammelt:

Die Bougainvillea -ein Traum in magenta

Grün-gelbe Strukturen aus dem Fernen Osten: Das Indische Blumemrohr
Die Mähnen-Gerste ist eigentlich in Kanada , Alaska und Sibirien zu Hause – aber im Botanischen Garten Braunschweig fühlt sie sich auch sichtlich wohl. Ein Motiv, an dem der Bildermacher nicht vorbei kommt. in Farbe …
… und Schwarzweiß
Was so eine Große Kolbenhirse werden will, krümmt sich beizeiten
Und das ist unverkennbar ein Hasenschwanz (oder ganz viele). Bekannt ist diese Süßgrasart auchals Samtgras.

Und hier zwei typische Vertreter der floren Vielfalt Neuseelands: Die neuseeländische Flachslilie …
und der Neuseeländer Flachs
Die bizarre Buche im Theaterpark gewährt wie alle Jahre wieder einem Besucher aus dem Reich der Pilze Gastrecht.

text und bilder: © 2017 jos van aken

Klatschmohn & Heldenarsch

Ob die städtischen Gärtner sich etwas dabei dachten – und wenn ja was, ist nicht bekannt. Ins heitere Grübeln kann aber jedenfalls so mancher geraten, der zurzeit die Symbolfigur des sagenhaften Helden Siegfried am Braunschweiger Burgundenplatz en passant beachtet.

Wunderschönen Klatschmohn haben die Spezialisten für städtisches Blühen und Grünzeugs dem germanischen Recken verpasst, den der später wegen seiner unkritisch anbiedernden Nähe zu den Nazis bekannt gewordene völkisch gesinnte Bildhauer Jakob Hoffmann bereits 1928 als Sinnbild für die im Jahre 1919 gegründete Braunschweiger Siedlung Siegfriedviertel entworfen hatte.

Der Mohn klatscht aber nicht etwa rund um den Siegfried – sondern ausschließlich hinter dem nackten Helden mit seinem wohlgeformten Hinterteil. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.


Text und Bilder © 2017 Jos van Aken