Endlich wieder Outdoor – und gleich
mal kurz in Kirschblüten gesuhlt

Endlich wieder draußen: Sonne, Wolken, Wind, ein paar Regentropfen machen Kopf und Gemüt wieder frei. Geschafft hat es die Kirschblüte auf einem kleinen Spielplatz, die ich seit Tagen vom Fenster aus bewundere, mich aus meinem nicht gerade freiwilligen, aber eben doch selbstgewählten krankheitsbedingte „Wohnungsarrest“ befreite. Der kurze Ausflug hat sich gelohnt. Aber seht selbst:

Location: Kriemhildstraße, Braunschweig-Siegfriedviertel
Text & Fotos © 2017 jos van aken

Kann ich nicht raus in den
Frühling, hol‘ ich den Lenz eben rein

Früher war mehr Frühling – gefühlt. Aber eigentlich passt es mir ganz gut in den Kram, dass sich in diesem unserem Jahr 2017 in unseren eher durchwachsenen Breiten das ohnehin hemmungslos überschätzte Osterfest nicht in das durchsonnte, blaubehimmelte Klischee von „schönem“ Wetter mitsamt Schäfchenwolken  pressen ließ, sondern eher dem guten alten Motto gerecht wurde: „April, April – der macht was er will“ (er, der April – und eben nicht, was sie,  die Tourismus- und sonstige Konsumindustrie umsatzfördernd verlangt).

Depressionen haben eben auch ihr Gutes

Und dem April war mal wieder seiner Natur gehorchend unübersehbar danach, sich nicht den Oster-Wunschvorstellungen von Lieschen Müller in Sachen Osterfest zu beugen, sondern mir einen nachvollziehbaren Grund zu liefern, die Feiertage auf meine Art zu feiern – als Couchpotatoe und um Himmels willen nicht als so eine Art Osterhase durch zeckenverseuchte Wiesen hoppeln.

Nein, mir war ehrlich gesagt einfach nicht danach, die schützende Hülle der Wohnung zu verlassen und mich in die mir manchmal (natürlich auch „nur“ gefühlt) fast bedrohlich begegnende  Welt „da draußen“ zu begeben. Prosaisch gesagt: Wenn ich mal wieder (wahrscheinlich nach einer Art Zufallsprinzip) zusätzlich zu den üblichen Parkinson-Zipperlein eine typische Begleiterscheinung dieser hochinteressanten Malaise erwischt, eine depressive Phase, dann bleib ich lieber, mehr oder weniger still vor mich hin leidend, in den sicheren vier Wänden meiner bescheidenen Behausung, die obendrein noch den unschätzbar hohen Vorteil einer Decke überm kahlen Kopf bietet. Depressionen haben eben auch ihr Gutes – oder so.

’n bisken Sakura im Siegfriedviertel

Aber gänzlich auf den Frühling, der gerade eine kleine Oster-Pause eingelegt hat, die mir die plausible Ausrede für das Mich-Verkriechen liefert, mag ich nun doch nicht verzichten. Und da habe ich entdeckt, dass auch ein nicht ganz freiwilliger elender Stubenhocker wie ich zu seinen Lenz-Freuden kommen kann: Schaffe ich es – warum auch immer – nicht raus in den Frühling, Spring oder Printemps, dann hol ich mir diese wohl meistbesungene Jahreszeit eben rein in die Bude. Zum Beispiel als kleines Narzissengesteck oder auch einfach beim Blick durchs Fenster auf den Hinterhof mitsamt seinem Kirschbaum in Vollblüte: Sakura im Siegfriedviertel in der Braunschweiger Nordstadt.

Text & Fotos: © 2017 jos van aken

Das bisschen Frühling festhalten: „Making of“ des obligatorischen Osterbildes mit Narzissen und Nippes.

 

Ein bisschen Frühling auf dem heimischen Esstisch
Jede Menge Frühling im Hinterhof: Ein Hauch von Sakura imSiegfriedviertel

 

24,9° C – fast schon so was
ähnliches wie Sommer im Frühling

Einen Tag vor dem 1. April – und damit wahrscheinlich eher kein Aprilscherz – wurde in Braunschweig eine Temperatur von 24,9° Celsius gemessen. Das hat schon was von Sommer. Der Flora im Botanischen Garten an der Humboldtstraße war es offensichtlich egal, dass ein mickriges Zehntel Grad an einer „korrekten“Sommertemperatur fehlte: Es grünte und blüht, was die Frühlingsfühle hergeben. Ja, auch (und ganz besonders) Pflanzen sind zur Zeit auf das Motto „Wachset und mehret euch“ eingestellt. Hier der fotografische Beweis. Impressionen meiner heutigen Frühlingstesttour:

Die Kreuzmagnolie blüht schon seit einigen Tagen
Heute hatte dann auch die Tulpenmagnolie im Bauerngarten ihren großen Auftritt
Bei Magnolien (hier wieder die Kreuzmagnolie) lohnt sich immer ein Blick nach oben.
Einwenig versteckt neben dem Eingang Humboldtstraße und hinter einem der Torhäuser blüht eine der Kamelien des Botanischen Gartens.
Die Baumriesen

Halali – nach erfolgreicher Fotojagd ruht sich Autor und Fotograf Jos van Aken unter der Tulpenmagnolie im Bauerngarten aus – Immer dabei nach dem bewährten Motto „Nie ohne meine big fat japanese mami“: die old fashioned Mittelformatkamera Mamiya RB 67 – die Fotos hier entstanden allerdings nicht auf Filmmaterial (das muss erst noch entwickelt werden), sondern mit einer schnellen kleinen Digital-Knipse.

 

Frühling lässt sein blaues …
oder darf’s auch pink sein?

Er ist’s

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804 – 1875)

Das „blaue Band“ ist vielseitig nützlich. Einerseits ist es seit jeher so eine Art Orden und Ehrenzeichen für den schnellsten Gaul beim britischen Derby und später für besonders fixe Dampfer auf der Atlantikroute – eine geniale Marketingidee transatlantischer Reeder des 19. Jahrhunderts. Andererseits fällt unsereiner das blaue Dingsda reflexartig im März, spätestens im April ein – und dann hat es weder mit edlen Rösern noch mit dicken Pötten auf hoher See zu tun, sondern mit einem gewissen Mörike, Eduard Mörike. Der hatte nicht nur die Lizenz zum Dichten, sondern war auch Teil eines schwäbischen „Rat Packs“. Mörikes Freundschaft mit zwei anderen notarisch schwäbelnden Lyrikern, Friedrich Hölderin und Wilhelm Waiblinger, erinnert mich – warum auch immer – irgendwie an das Trio Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Dean Martin das alssingendes und tanzendes „Rattenpack“ („Rat Pack“) Triumphe auf den Bühnen feierte.

Mörike also und sein blaues Band, das er in seinem Blockbuster-Gedicht „Er ist’s“ alle Jahre „wieder flattern“ lässt durch die Lüfte – mitsamt wohlbekannter ahnungsvoller Düfte. Natürlich meinte der romantische Schwärmer das  träumende Veilchen (das zwar nichtflattertr, aber immerhin bevorzugt blau ist –  und mitnichten die strengen Gülleschwaden, für den – damals wie heute – die emsigen Bauersleut beim Nähren ihres Ackers sorgen, sondern die olefaktorischen Nasenschmeicheleien, mit denen vor allem Viola odorata (das Duftveilchen), Viola alpina (das Ostalpen-Stiefmütterchen und all die anderen fast immer ein echtes Mörike-Frühlings-Blau produzierenden Mitglieder der Familie der Violaceae, der Veilchengewächse.

Auf meiner Suche nach dem Frühling und seinem „Blauen Band“ habe ich allerlei Farbe gefunden, auch ein Blau, das den Verseschmied aus dem Schwäbischen zu literarischen Frühlingsgefülen inspiriert hätte. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Cilla-Teppich: Der Blaustern heißt nicht nur so, er ist es: Blau, bläuer geht’s kaum.

„Frühling lässt sein blaues …
oder darf’s auch pink sein?“
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Blühender Endspurt in den Lenz

In wenigen Tagen beginnt er wirklich: der Frühling aka Lenz (von wegen der Veronika). Zu beobachten und gebührend zu bewundern ist dieses alljährlich von fast allen – außer den Pollen-Allergikern wahrscheinlich – herbei gesehnte Spektakulum der Natur erfahrungsgemäß und in geballter Form in unseren Botanischen Gärten. Ich habe mich  heute mal wieder im Braunschweiger Botanischen Garten umgeschaut.

Während die Blausterne bereits unmissverständlich auf Frühlingsgefühle hinweisen, ziert sich die Magnolie eine Etage höher noch ein wenig; aber Knospen gibt es reichlich.
Zu den unübersehbaren Frühlingsboten gehört natürlich auch die Korkenzieherweise hoch über dem Okerufer – für den Fotografen grafisch schwarzweiß ebenso attraktiv wie im sattem Gelb der Kätzchen dieses Baums, der ursprünglich in China beheimatet war und übrigens ein naher Verwandter der bekannteren Trauerweide ist.

Mein absoluter Favorit unter den Bäumen, die riesige Blutbuche zeigt noch kein Grün – aber sie ist umgeben vonKrokussen, die ihre Blüten der Sonne entgegenstrecken.

Sonne tanken
für die Bienen und so

Irgendwann musste es ja passieren – und heute war es endlich so weit: Über Nacht hatten sich die ersten der (Vor-) Frühlingsblumen im Botanischen Garten Braunschweig herausgetraut. Und jetzt weisen sie alles andere als dezent darauf hin, dass es los gehen kann mit der Blüherei, den Bienen und so ..

Ein Film-Star kommt
„in die Jahre“ – na und ???

Fotografie-Foren im Internet sind nützlich – aber manchmal verunsichern sie (ungewollt) auch. Ein typisches Beispiel dafür sind die endlosen Diskussionen mitsamt „Patentrezepten“ zum schier unerschöpflichen Thema „Filmmaterial in der analogen Fotografie, vor allem Gedanken und Tipps zu Filmen, die seit Jahren das Verfalldatum hinter sich gelassen haben. Manche schwärmen von „künstlerischen“ Fehlfarben, die sich da mittlerweile (wegen unsachgemäßer Lagerung ) in die Emulsion geschlichen haben, andere meinen genau zu wissen, mit wie vielen mehr  Blendenstufen die Oldies mehr Licht auf den Film im biblischen Alter fordern, und dann gibt es endlose Diskussionen darüber, wie der Laborpanscher von (Bild)Welt per Selbstentwicklung mit den unterschiedlichsten Ingredienzien und Verlängerung des Chemiebades dem schon totgesagten Uralt-Film noch brauchbare Fotos entlocken könnte.

Das Braunschweiger „Shopping-Schloss“. Da ich „hybrid“ arbeite, also auf Film fotografiere , den Film herkömmlich entwickeln, dann aber dieiI Negative (in diesem Fall ein Umkehr-Positiv) einscanne (mit einem mittelprächtigen Canon 9000F Mark II) und abschließend mehr oder weniger am Rechner bearbeite, entsprechen die Bilder nicht der „reinen analogen Lehre“; aber ich nun mal kein Fundamentalist und glaube auch nicht mehr an Klapperstorch und Cristkind (oder heißt das „Klapperkind und Christstorch?) Das „Schloss“ habe ich mit der Mamiya RB67 und der Normalbrennweite 90 mm, Blende 22, Belichtung 1 sec. fotografiert

Wer da richtig liegt? Keine Ahnung. Aber ich war schon gespannt, als mir mit einer wunderbaren analogen Mittelformat-Ausrüstung (Mamiya RB67) eine ganze Tüte eines schon lange nicht mehr produzierten, bis Anfang unseres Jahrtausends bei Profifotografen bevorzugten Umkehrfarbfilms (AGFA RSXII 100) als Rollfilmfutter für die Magazine der guten alten „dicken Mami“ geschenkt wurde. Laut Aufdruck sollten diese Dia-Filme soätestens bis Mai 2006 belichtet und entwickelt worden sein.

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„in die Jahre“ – na und ???“
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Blutrote Blüten nicht nur für
Kurtisanen mit Final-Husten

Alle Jahre wieder wird es im Botanischen Garten Braunschweig – nein, nicht schon wieder besinnlich-weihnachtlich mit Oooo Tannenbaum und mehr oder weniger Lametta, sondern:  ein wenig erotisch-schwülstig. Und das auch noch in einem TREIBhaus, genauer, in dem baufälligen Seerosen-Haus (dessen Neubau und damit die Rückkehr der gigantischen Victoria cruciana seit 2 Jahren angekündigt wird.) Aber jetzt blüht dort unübersehbar, hinter Glas die Winter-Attraktion des Botanischen Gartens schlechthin: Die Kamelie. Sie  leuchtet (gefühlt) flammendrot die Minustemperaturen weg.

 

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Kurtisanen mit Final-Husten

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die dicke mami 67
kennenlernen – bild für bild

seit einigen wochen lerne ich eine 40 Jahre alte kamera kennen – und lieben: eine Mamiya67 Professional S. mit den hightech-geräten unserer tage hat dieses gute alte stück so gut wie nicht gemein. und mal eben so 50 aufnahmen „auf verdacht“ machen in der hoffnung: „irgendwas brauchbares wird schon dabei sein“ ist nicht drin. dafür taugt diese profikamera, die früher in kaum einem fotostudio fehlte, mit gut 3 kilo gewicht, die mit rollfilmen für das negativ-mittelformat 6×7 gefüttert wird eher weniger.

nix für die schnelle (knips-)Nummer

aber gerade weil ich für die arbeit mit der großen mamiya 67, die einen festen platz neben ihrer „kleinen“ schwester im meiner ausrüstung gefunden har, der ebenfalls eiuänugigen spiegelreflexkamera mamiya645, die aber auch noch hefige 2 kilo auf die waage bringt, – gerade weil ich gern schon mal eine halbe stunde (oder länger) brauche, um nur ein bild auf das alte rollfilmmaterial zu bringen, werden diese beiden sogenannten „analogen“ historischen geräte mit ihren wunderbar zeichnenden optiken immer wichtiger für mich und das, was ich mit dem mittel der fotografie versuche zu gestalten.

noch einmal der gute alte schwibbogen (der mittlerweile – bis zum nächsten advent übersommert – eine lanbelichtung vom stativ mit zweischenring

es ist übrigens „kein leichter weg“, diese ganz andere und ursprüngliche art des „malens mit licht“ wieder zu erlernen – ich bin seit gut 60 jahren mit kameras unterwegs ö und die meiste zeit davon mit heute historischen, zunächst sogar rein mechanischen apparaten (auch meine „neue alte“, die ganz dicke mamiya funktioniert ganz und gar mit grundsolider feinmechanik.

zwei von zehn

ich habe vorhin den ersten schwarzweißfilm, auf dem ich mich mit der Mami67 beschäftigt hatte, als negativ von meinem fotoladen im magniviertel, dem „spürsinn“ zurück bekommen. das ergebnis war wie erwartet: von den zehn negativen (mehr gibt der rollfilm 120 im format 6×7 cm nicht her, sind gerade mal zwei halbwegs gelungen. ich muss noch viel lernen. darauf freue ich mich.

eine seefahrt – die ist lustig
mein seegang war eher kalt

das unvermeidliche alter und die fast ebenso obligatorische tattrigkeit hätte ich ja längst für eine dieser beliebten see- besser noch kreuzfahrten. das bildungsfernsehen mit seinen unendlichen geschichten vom alptraumhaften traumschiff – sei es die gute alte „astor“ oder die „deutschland“ nicht zu vergessen die „berlin“ mittlerweile zwei weitere dicke – und natürlich persilweiß gepinselte pötte) verdarb mir schon in jungen, absolut kreuzschiff-unverdächtigen tagen ein für alle mal die lust  an chefstewardessen, geschniegelten kapitänen in ausgehuniform, vom captains dinner und der albernen eisbomben-parade mal ganz zu schweigen.

nein, meine wässrigen leidenschaftenbeschränken sich auf tret- und ruderboote, ruhige gewässer wie unser hausflküsschen, die oker, und die sichere aussicht auf ein baldiges erreichen des ufers und des bodens unter den füßen.

der mehr oder weniger christlichen seefahrt ziehe ich denn auch den seegang vor – auch und gerade, umein neues jahr zu begrüßen. die heimische see finde ich in nächster nähe – und zwar gleich mehrfach. in diesem jahr habe ich für meinen neujahrs-seegang nicht den südsee (nicht zu verwechseln mit der südsee) ausgewählt – da sind mir um feeiertage herum einfach zuvieleleute, sondern den kleinen, aber feinen dowesee mitten im schul- und bürgergarten in der braunschweiger nordstadt am rande des siegfriedviertels. hier einige impressionen vom sylvesternachmittag.