Ein Loch ist genug –
und manchmal auch der Anfang …

„Alles schon mal da gewesen“ – die „Pinhole“-Fotografie, die bei gestaltungs- und experimentierfreudigen Bildermachern gerade (mal wieder) unter mannigfachen Aspekten eine sowohl farbige als auch mit Grautönen gestaltende Renaissance vor allem in der Fotografie mit und auf Film erfährt, ist an sich ein Uralt-Hut (einer mit Loch).

Typisches Pinhole-Bild: Eingang zum Inselwall in Braunschweig. Kamera: Umgebaute Box-Kameraera Agfa Clack (Anfang der 1950er Jahre) Die simple Meniskus-Linse des Objektivs mit der Brennweite mit etwa 100 mm Brennweite bei einem Film(Negativ)Formal von 6×9 cm habe ich ausgebaut und durch eine Lochblende von 0,3 mm ersetzt. Das ergibt rechnerisch eine Blendenöffnung von 240 – daher die weiträumige Tiefenschärfe.

Fast die gleiche Perspektive auf das Tor zum Inselwall – diesmal mit einer Profi-Mittelformatkamera Baujahr 1974, der einäugigen Spiegelreflex Mamiya rb67 mit einem hochwertigen Weitwinkel-Objektiv (Sekor 4,5/50), abgeblendet auf Blendenöffnung 11.

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und manchmal auch der Anfang …“
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Endlich wieder Outdoor – und gleich
mal kurz in Kirschblüten gesuhlt

Endlich wieder draußen: Sonne, Wolken, Wind, ein paar Regentropfen machen Kopf und Gemüt wieder frei. Geschafft hat es die Kirschblüte auf einem kleinen Spielplatz, die ich seit Tagen vom Fenster aus bewundere, mich aus meinem nicht gerade freiwilligen, aber eben doch selbstgewählten krankheitsbedingte „Wohnungsarrest“ befreite. Der kurze Ausflug hat sich gelohnt. Aber seht selbst:

Location: Kriemhildstraße, Braunschweig-Siegfriedviertel
Text & Fotos © 2017 jos van aken

Kann ich nicht raus in den
Frühling, hol‘ ich den Lenz eben rein

Früher war mehr Frühling – gefühlt. Aber eigentlich passt es mir ganz gut in den Kram, dass sich in diesem unserem Jahr 2017 in unseren eher durchwachsenen Breiten das ohnehin hemmungslos überschätzte Osterfest nicht in das durchsonnte, blaubehimmelte Klischee von „schönem“ Wetter mitsamt Schäfchenwolken  pressen ließ, sondern eher dem guten alten Motto gerecht wurde: „April, April – der macht was er will“ (er, der April – und eben nicht, was sie,  die Tourismus- und sonstige Konsumindustrie umsatzfördernd verlangt).

Depressionen haben eben auch ihr Gutes

Und dem April war mal wieder seiner Natur gehorchend unübersehbar danach, sich nicht den Oster-Wunschvorstellungen von Lieschen Müller in Sachen Osterfest zu beugen, sondern mir einen nachvollziehbaren Grund zu liefern, die Feiertage auf meine Art zu feiern – als Couchpotatoe und um Himmels willen nicht als so eine Art Osterhase durch zeckenverseuchte Wiesen hoppeln.

Nein, mir war ehrlich gesagt einfach nicht danach, die schützende Hülle der Wohnung zu verlassen und mich in die mir manchmal (natürlich auch „nur“ gefühlt) fast bedrohlich begegnende  Welt „da draußen“ zu begeben. Prosaisch gesagt: Wenn ich mal wieder (wahrscheinlich nach einer Art Zufallsprinzip) zusätzlich zu den üblichen Parkinson-Zipperlein eine typische Begleiterscheinung dieser hochinteressanten Malaise erwischt, eine depressive Phase, dann bleib ich lieber, mehr oder weniger still vor mich hin leidend, in den sicheren vier Wänden meiner bescheidenen Behausung, die obendrein noch den unschätzbar hohen Vorteil einer Decke überm kahlen Kopf bietet. Depressionen haben eben auch ihr Gutes – oder so.

’n bisken Sakura im Siegfriedviertel

Aber gänzlich auf den Frühling, der gerade eine kleine Oster-Pause eingelegt hat, die mir die plausible Ausrede für das Mich-Verkriechen liefert, mag ich nun doch nicht verzichten. Und da habe ich entdeckt, dass auch ein nicht ganz freiwilliger elender Stubenhocker wie ich zu seinen Lenz-Freuden kommen kann: Schaffe ich es – warum auch immer – nicht raus in den Frühling, Spring oder Printemps, dann hol ich mir diese wohl meistbesungene Jahreszeit eben rein in die Bude. Zum Beispiel als kleines Narzissengesteck oder auch einfach beim Blick durchs Fenster auf den Hinterhof mitsamt seinem Kirschbaum in Vollblüte: Sakura im Siegfriedviertel in der Braunschweiger Nordstadt.

Text & Fotos: © 2017 jos van aken

Das bisschen Frühling festhalten: „Making of“ des obligatorischen Osterbildes mit Narzissen und Nippes.

 

Ein bisschen Frühling auf dem heimischen Esstisch
Jede Menge Frühling im Hinterhof: Ein Hauch von Sakura imSiegfriedviertel

 

24,9° C – fast schon so was
ähnliches wie Sommer im Frühling

Einen Tag vor dem 1. April – und damit wahrscheinlich eher kein Aprilscherz – wurde in Braunschweig eine Temperatur von 24,9° Celsius gemessen. Das hat schon was von Sommer. Der Flora im Botanischen Garten an der Humboldtstraße war es offensichtlich egal, dass ein mickriges Zehntel Grad an einer „korrekten“Sommertemperatur fehlte: Es grünte und blüht, was die Frühlingsfühle hergeben. Ja, auch (und ganz besonders) Pflanzen sind zur Zeit auf das Motto „Wachset und mehret euch“ eingestellt. Hier der fotografische Beweis. Impressionen meiner heutigen Frühlingstesttour:

Die Kreuzmagnolie blüht schon seit einigen Tagen
Heute hatte dann auch die Tulpenmagnolie im Bauerngarten ihren großen Auftritt
Bei Magnolien (hier wieder die Kreuzmagnolie) lohnt sich immer ein Blick nach oben.
Einwenig versteckt neben dem Eingang Humboldtstraße und hinter einem der Torhäuser blüht eine der Kamelien des Botanischen Gartens.
Die Baumriesen

Halali – nach erfolgreicher Fotojagd ruht sich Autor und Fotograf Jos van Aken unter der Tulpenmagnolie im Bauerngarten aus – Immer dabei nach dem bewährten Motto „Nie ohne meine big fat japanese mami“: die old fashioned Mittelformatkamera Mamiya RB 67 – die Fotos hier entstanden allerdings nicht auf Filmmaterial (das muss erst noch entwickelt werden), sondern mit einer schnellen kleinen Digital-Knipse.

 

Frühling lässt sein blaues …
oder darf’s auch pink sein?

Er ist’s

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804 – 1875)

Das „blaue Band“ ist vielseitig nützlich. Einerseits ist es seit jeher so eine Art Orden und Ehrenzeichen für den schnellsten Gaul beim britischen Derby und später für besonders fixe Dampfer auf der Atlantikroute – eine geniale Marketingidee transatlantischer Reeder des 19. Jahrhunderts. Andererseits fällt unsereiner das blaue Dingsda reflexartig im März, spätestens im April ein – und dann hat es weder mit edlen Rösern noch mit dicken Pötten auf hoher See zu tun, sondern mit einem gewissen Mörike, Eduard Mörike. Der hatte nicht nur die Lizenz zum Dichten, sondern war auch Teil eines schwäbischen „Rat Packs“. Mörikes Freundschaft mit zwei anderen notarisch schwäbelnden Lyrikern, Friedrich Hölderin und Wilhelm Waiblinger, erinnert mich – warum auch immer – irgendwie an das Trio Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Dean Martin das alssingendes und tanzendes „Rattenpack“ („Rat Pack“) Triumphe auf den Bühnen feierte.

Mörike also und sein blaues Band, das er in seinem Blockbuster-Gedicht „Er ist’s“ alle Jahre „wieder flattern“ lässt durch die Lüfte – mitsamt wohlbekannter ahnungsvoller Düfte. Natürlich meinte der romantische Schwärmer das  träumende Veilchen (das zwar nichtflattertr, aber immerhin bevorzugt blau ist –  und mitnichten die strengen Gülleschwaden, für den – damals wie heute – die emsigen Bauersleut beim Nähren ihres Ackers sorgen, sondern die olefaktorischen Nasenschmeicheleien, mit denen vor allem Viola odorata (das Duftveilchen), Viola alpina (das Ostalpen-Stiefmütterchen und all die anderen fast immer ein echtes Mörike-Frühlings-Blau produzierenden Mitglieder der Familie der Violaceae, der Veilchengewächse.

Auf meiner Suche nach dem Frühling und seinem „Blauen Band“ habe ich allerlei Farbe gefunden, auch ein Blau, das den Verseschmied aus dem Schwäbischen zu literarischen Frühlingsgefülen inspiriert hätte. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Cilla-Teppich: Der Blaustern heißt nicht nur so, er ist es: Blau, bläuer geht’s kaum.

„Frühling lässt sein blaues …
oder darf’s auch pink sein?“
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