Weiße Pracht und Schlammliebe

Die Nymphaea alba hat nichts mit einem abfallsammelnden Betrieb zu tun, der auch in Braunschweig dafür sorgt, dass wir nicht in den von uns immer noch großzügig gesammeltem Müll ersticken. Die „Weiße Nymphe“ – so die wörtrliche Übersetzung des botanischen Namens) ist vielmehr eines der weitest verbreiteten Seerosengewächse.

Diese Prachtgexemplare fand ich heute im Schul- und Bürgergarten. Diese wohlbekannteste Seerosenart wird gern auch als „Wasserlilie“ bezeichnet. Weniger schmeichelhaft ist die Tatsache, dass diese Schwimmblattpflanze ein „Schlammwurzler“ ist.Ohne den „Modder“ auf dem Grund von Seen und Bächen könnte sie gar nicht leben – darüber freuen nicht nur wir uns, sondern vor allem auch die vielen Käfer, die sie in der Öffnungszeit von morgen 7 Uhr bis nachmittags 16 Uhr gern besuchen und den Pollen in ihren Blüten mampfen.
Text und Bilder © 2017 jos van aken

Auch ohne Midsommarstång wird es
knallkunterbunt – früher oder später

Heute, am 1. Juni, beginnt der Sommer – glaubt man den Meteorologen: Weil die „Wetterfrösche“ nämlich so leichter ihre Statistiken berechnen können. Kalendarisch dagegen beginnt der Sommer seit jeher am Tag der Sommersonnenwende. Die Schweden nennen das weniger umständlich und sogar nach einigen Aquavit noch halbwegs verständlich aussprechbar „Midsommar“, ziehen sich nackig aus (nicht alle, aber einige wohl doch) und hüpfen singend um die Midsommarstång – so eine Art Maibaum ( nur eben nicht im Mai, sondern etwas später).

Dieser kalendarische oder auch astronomische Sommer beginnt mal früher, mal später; es kommt darauf an, dass die Sonne senkrecht über ihrem Wendekreis steht – und zwar dem nördlichen.  Und das ist sowohl sicht- als auch spürbar: Die Mittsommerwende beschert uns nämlich den längsten Tag des Jahres und die kürzeste Nacht.  2017 ist das am 21. Juni.

 

Und weil das 3027 ein Mittwoch ist, müssen die Schweden in diesem Jahr – so schwer es fällt – noch ein paar Tage auf ihren Midsommar warten: Die Schweden sind nämlich (meistens) ziemlich vernünftig und haben 1953 kurzerhand ein Gesetz verabschiedet, wonach – Midsommar hin, Aquavit her – die Stange immer am Sonnabend aufgestellt und umhüpft wird, der zwischen dem 20. und 26. Juni liegt. Eine kluge  Entscheidung – wer will schon an einem Donnerstag oder Montag oder Mittwoch mit Brummschädel zur Arbeit wanken (oder gleich „blau machen“ – letzteres war wohl, weil arbeitgeberfreundlich entscheidend für das Midsommar-Gesetz).

Wer nun denkt, das Kuddelmuddel mit dem Sommeranfang der Wetterkundler einerseits, andererseits mit dem ursprünglich vom Julianischen  Kalender vorgegebenen Mittsommer-Beginn  – mal ganz zu schweigen von der durch Trunk-und Tanzlust der Schweden bestimmten Sonnabend-Regel – sei es genug, der irrt.

 

Es gibt nämlich noch eine – wie ich finde – recht einleuchtende Art, zu bestimmen, wann denn nun der Sommer anfängt. Diese Methode wird „Phänologischer Sommeranfang“ genannt und scheint mir die logischste.  Phänologisch bestimmt wird der Sommer (wie auch die anderen Jahreszeiten) ganz einfach durch Erscheinungen (Phänomene) in der Natur, Wenn zum Beispiel der Schwarze Holunder blüht, beginnt danach der Frühsommer, und wenn die Knospen der Lindenblüte sich entfalten, hat der Hochsommer begonnen.

 

Ich bin in diesem Jahr einfachheitshalber mal den Meteorologen brav gefolgt, habe bei strahlendem Sonnenschein den heutigen 1. Juni, ganz und gar ohne Midsommarstång,  Singen oder alkoholisch beschwingtes Gehüpfe (und akkurat bekleidet) zum Sommeranfang erklärt und bin zum Schul- und Bürgergarten gerollt. Dort hatte eine Explosion, eine Farbexplosion  den bereits verblühenden Frühling von den Beeten gefegt.Der kunterknallbunte Sommer hat begonnen.

 

Text und Bilder © 2017 Jos van Aken

 

Nobler Farbfilm-Schatz ein
Stündchen in ordinärem Rodinal

Ich bin alles andere als ein Held. Wenn überhaupt, dann könnte ich mich bestenfalls in der Rolle des Antihelden sehen – weniger schmeichelhaft gesagt: Ich bin zuweilen ein elender „Schisser“. Aber heute habe ich doch eine klitzekleine Stufe auf der Treppe zum „Helden“ erklommen. Kurz: Ich habe „es“ getan.

Was? Das Ergebnis – vorweg – seht ihr hier. Ich hatte seit Tagen gegrübelt, recherchiert, Pro und Contra erwogen (und beides immer wieder verworfen). Es ging um die nicht ganz unwesentliche Frage: Was fange ich mit den wunderbaren, seit Jahren abgelaufenen Farbdia-Rollfilmen (AGFA RSX-II ) an, die ich mit meiner Mamiya RB67 geschenkt bekommen hatte? Na klar: Fotografieren. Ich füttere seitdem immer wieder mal die 67er-Magazine meiner „biug fat Mami“ und auch meine „kleine“ Mamiya 645 1000 S mit dem edlem Zelluloid.

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Stündchen in ordinärem Rodinal“
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Ein Film-Star kommt
„in die Jahre“ – na und ???

Fotografie-Foren im Internet sind nützlich – aber manchmal verunsichern sie (ungewollt) auch. Ein typisches Beispiel dafür sind die endlosen Diskussionen mitsamt „Patentrezepten“ zum schier unerschöpflichen Thema „Filmmaterial in der analogen Fotografie, vor allem Gedanken und Tipps zu Filmen, die seit Jahren das Verfalldatum hinter sich gelassen haben. Manche schwärmen von „künstlerischen“ Fehlfarben, die sich da mittlerweile (wegen unsachgemäßer Lagerung ) in die Emulsion geschlichen haben, andere meinen genau zu wissen, mit wie vielen mehr  Blendenstufen die Oldies mehr Licht auf den Film im biblischen Alter fordern, und dann gibt es endlose Diskussionen darüber, wie der Laborpanscher von (Bild)Welt per Selbstentwicklung mit den unterschiedlichsten Ingredienzien und Verlängerung des Chemiebades dem schon totgesagten Uralt-Film noch brauchbare Fotos entlocken könnte.

Das Braunschweiger „Shopping-Schloss“. Da ich „hybrid“ arbeite, also auf Film fotografiere , den Film herkömmlich entwickeln, dann aber dieiI Negative (in diesem Fall ein Umkehr-Positiv) einscanne (mit einem mittelprächtigen Canon 9000F Mark II) und abschließend mehr oder weniger am Rechner bearbeite, entsprechen die Bilder nicht der „reinen analogen Lehre“; aber ich nun mal kein Fundamentalist und glaube auch nicht mehr an Klapperstorch und Cristkind (oder heißt das „Klapperkind und Christstorch?) Das „Schloss“ habe ich mit der Mamiya RB67 und der Normalbrennweite 90 mm, Blende 22, Belichtung 1 sec. fotografiert

Wer da richtig liegt? Keine Ahnung. Aber ich war schon gespannt, als mir mit einer wunderbaren analogen Mittelformat-Ausrüstung (Mamiya RB67) eine ganze Tüte eines schon lange nicht mehr produzierten, bis Anfang unseres Jahrtausends bei Profifotografen bevorzugten Umkehrfarbfilms (AGFA RSXII 100) als Rollfilmfutter für die Magazine der guten alten „dicken Mami“ geschenkt wurde. Laut Aufdruck sollten diese Dia-Filme soätestens bis Mai 2006 belichtet und entwickelt worden sein.

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„in die Jahre“ – na und ???“
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nun ruhen alle wälder…
… und ’n schönen gruß vom paule gerhardt

… und nicht nur die.

der alte pastor und verseschmied paul gerhardt ließ in der zweiten zeile seines wohl bekanntesten kirchenliedes, das sich seit rund 250 jahren in den klerikalen hitparaden hartnäckig-frömmelnd-besinnlich in den top-ten hält, mit den winterschlafenden nach- und hochwachsenden ressourchen gleich alles „Vieh, Menschen, Städt und Felder“ in tiefen schlaf fallen, war ja sozusagen „ein aufwasch“. in zeile 3 der nr. 477 des evangelischen gesangsbuches stellt er denn nicht ganz unlogisch fest: „es schläft die ganze Welt“ „nun ruhen alle wälder…
… und ’n schönen gruß vom paule gerhardt“
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eine seefahrt – die ist lustig
mein seegang war eher kalt

das unvermeidliche alter und die fast ebenso obligatorische tattrigkeit hätte ich ja längst für eine dieser beliebten see- besser noch kreuzfahrten. das bildungsfernsehen mit seinen unendlichen geschichten vom alptraumhaften traumschiff – sei es die gute alte „astor“ oder die „deutschland“ nicht zu vergessen die „berlin“ mittlerweile zwei weitere dicke – und natürlich persilweiß gepinselte pötte) verdarb mir schon in jungen, absolut kreuzschiff-unverdächtigen tagen ein für alle mal die lust  an chefstewardessen, geschniegelten kapitänen in ausgehuniform, vom captains dinner und der albernen eisbomben-parade mal ganz zu schweigen.

nein, meine wässrigen leidenschaftenbeschränken sich auf tret- und ruderboote, ruhige gewässer wie unser hausflküsschen, die oker, und die sichere aussicht auf ein baldiges erreichen des ufers und des bodens unter den füßen.

der mehr oder weniger christlichen seefahrt ziehe ich denn auch den seegang vor – auch und gerade, umein neues jahr zu begrüßen. die heimische see finde ich in nächster nähe – und zwar gleich mehrfach. in diesem jahr habe ich für meinen neujahrs-seegang nicht den südsee (nicht zu verwechseln mit der südsee) ausgewählt – da sind mir um feeiertage herum einfach zuvieleleute, sondern den kleinen, aber feinen dowesee mitten im schul- und bürgergarten in der braunschweiger nordstadt am rande des siegfriedviertels. hier einige impressionen vom sylvesternachmittag.