wehrhaft – aber nur
gegen die Okerfluten

abhängen – rund
um das petriwehr

gaussbruecke_schloss_5917
Geländer der Gaussbrücke mit Blick auf die Oker

Naherholung, das ist in Braunschweig wirklich NAH-Erholung. Mal eben in der Mittagspause „abhängen“ (diesen längst überholten Begriff unserer Kinder haben die Enkel längst durch „Chillen“ ersetzt): Auch wer weder Lust auf noch Zeit für Harz oder Heide hat, kommt bereits auch fast mitten in der Stadt zur Ruhe. Das Zauberwort heißt: Oker, korrekter Okerumflut.

Der südlich von Braunschweig in zwei Arme umgeleitete Fluss, der im Harz entspringt, umgibt die Stadt und bildete vom Mittelalter bis  Ende des 18. Jahrhunderts die mit Wällen zusätzlich geschützte Stadtgrenze. Na ja, damals kam allenfall der hochwohlgeborene Adel auf die verwegene Idee zu „chillen“.

militärisch ab –
und grün aeeufgerüstet

Im 17. Jahrhundert gingen die Braunschweiger auf „Nummer sicher“ und bauten die – bereits vorhandenen Wallanlagen zu 16 wehrhaften Bastionen um. Aber bereits 1803 dämmwerte es den Braunschweigern, dass das militärische Gedöns völlig sinnfreu – und obendrein hoffnungslos veraltet war- Braunschweig tat etwas, was heutzutage weltweit klug wäre: Zumindest die sinnlosen Wehr- und Wallanlagen samt Bastionen wurden komplett abgerüstet.

Aber man beließ es nicht bei der von einer eigens einberufenen „Wall-Demolierungs-Kommision mit deutscher Gründlichkeit geplanten und vollzogenen Schleifung der Wehranlagen – sondern baute die Wälle zu Parkanlagern am Okerumflutgraben um.

Löbbecke_Villa
Villa Löbbecke am Inselwall

 

Und wo es grün ist, da wird dann auch gern gebaut. Eines der schöneren Besipiele findet sich auch heute noch am Inselwall: Die Villa der Bankiersfamilie Löbbecke, im Neorenaissance-Stil 1880 vom Architekten Constantin Uhde gebaut (zwischendurch mal Gästehaus der Technischen Universität Braunschweig, mittlerweile ein Bürohaus). Nach der Schleifung der Wallanlagen war dort zunächst ein großes Gartengrundstück  Der damalige Braunschweiger Star-Architekt entwarf übrigens 1882 südlich von der Löbbecke-Villa den Bammelsburger Teich, gemeinsam mit dem Gartenarchitekten und „Promenadeninspektor“ Friedrich Kreiß.

fischreiher
Der Bammelsburger Teilch – mit seinem Stammgast enem Fischreiher

Neben dem Theater- und Museumpark am östlichen Okergraben und dem Bürgerpark flussaufwärts im Süden der Stadt ist der Inselwallpark am westlichen Okerumflutgraben schon lange ein bevorzugtes Ziel sowohl für die kurze Pause zwischendurch als auch für Hobby, Spiel und Spa0 von morgens bis spät am Abend (während der warmen Jahreszeit zumindest)

Warten auf den ganz großen Fang – unterhalb des Petriwehr (auch Maschwehr genannt)

 

Petriwehr_Maschwehr_v_oben
Das Wehr – von oben gesehen

 

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Wer von Süden maritim über das Wehr will, muss sein Böötchen erst mal eine Weile zu Fuß befördern

Text&Fotos © 2016 Jos van Aken

Hier die Fotos aus dem Beitrag im Überblick („Diaschau“):

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Altstadtmarkt -Slideshow

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Zum ausführlichen Artikel „der altstadtmarkt – eine(historische) insel:

Zum Video (Länge 22 min.) dieses Beitrags
Autor&Sprecher: Jos van Aken
 

took a look
out of my window

sunrise Warning

One of Mr. Yusuf Islam’s big errors:
WARNING HAS BROKEN – TAKE CARE OF YOURSELF

(took a look out of my window this very early morning at 4:15 am in middle of a nightmare )

mood colours

when I woke up this morning I got troubles, woe-woe (... and i was remembering Chrispian St. Peters)
when I woke up this morning I got troubles, woe-woe
(… and i was remembering Chrispian St. Peters)

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gertrude’s rose

rose 02

discovery by imagination …

found by famous photographer jos van aken in the botanical garden of brunswyk 92 years later: gertrude stein’s legendary rose

(Der wohl bekannteste Satz der Autorin wurde 1922 erstmals veröffentlicht in „Sacred Emily“ / „Heilige Emily“ und wurde seither von jedermann nach Kräften verhunzt. Da möchte Jos van Aken nicht hintan stehen)

Making of – von der langweiligen
Rosen-Schönheit zum Bild

Das Bild ist ein „Musterbeispiel“ dafür, wie ich als
gestaltender Fotograf „ticke“. Wie ich an anderer Stelle bereits beschrieben hatte, entstehen meine Bilder im wesentlichen in meinem Kopf – maßgeblich beeinflusst durch meine Stimmungslage, u.a . auch durch psychische (zuweilen depressive) Anteile meiner Parkinsonerkrankung, die zwar nicht „meine Welt radikal verändert hat“ (oder es zumindest nicht soll), aber eben doch zeitweise großen Einfluss auch auf meine „moods“ und sonstige Aggregatszuständen hat.

Auch andere FotografInnen kennen das: Assoziationen, die sich ganz spontan, vielfach aus dem Unterbewusstsein heraus mit dem Seh-Eindruck vermischen, lassen neue Abbilder entstehen.

Kamera-Gerät(e) und Foto-Technik sowie die Arbeit am Computer sind natürlich unabdingbar, haben aber vor allem die Funktion des Pinsels und der Farben beim Maler beispielsweise.

Die weiße, absolut „perfekte“ – und damit für mich an sich langweilige Rose im Botanischen Garten Braunschweig, interessierte mich an sich als Fotograf zunächst nicht die Bohne.

Langweilige Perfektion

Die Makellosigkeit von Züchterrosen – kaum noch naturgegeben, sondern vor allem Folge eines entnaturisierenden, zähmenden, in „Ideal“Formen zwängenden Züchter-Ehrgeizes, erinnert mich immer schaudernd an das sterile „Form-Tuning“ von Titel-„Schönheiten“ der Hochglanz-Magazine, die es immer wieder schaffen, mich abzutörnen.

Warum ich dann trotzdem diese auf den ersten Blick (und den zweiten wohl auch) optimierte Rose erst mal (ohne „ernste Absichten“ mit Hilfe der Kamera optisch pflückte und nach Hause nahm? Ich kann es im Nachhinein nicht mit Sicherheit sagen: Es muss mir aber – plumpe Gedankenkette – der abgelatschteste 08/15- Spruch der guten Gertrude Stein in den Sinn gekommen sein, der mit der Rose, die eine Rose ist, eine Rose ist, eine Rose ist.

Ein rotes Feuerwehrauto

Das bekannte Zitat der good old „Görtruuudi“ (mit samtweich amimäßigen gerollten R’s“) als Bildtitel wäre mir allerdings nicht in den Sinn gekommen. Für mich hat diese sprachliche Hinterfotzigkeit der dennoch genialen Gertrude Stein an sich eher die Aussagekraft und den ästhetisch-expressiven Stellenwert der unvergessenen Evokation einer alten „Flamme“, die bei einem Ausflug einmal den unsterblichen Spruch-Standard schuf mit ihrem: „Schau mal, ein rotes Feuerwehr-Auto“ (als ich eine gefühlte Ewigkeit meinen Erstickungsanfall-Lachanfall halbwegs überwunden hatte, war von dem Corpus Delikti natürlich nicht mehr ein roter Feiuerwehr-Kotflügel zu sehen.

Es bleibt ein Trauma, dass ich dieses ganz spezielle „rote Feuerwehrauto“ nie wirklich gesehen habe. Ich bin aber ziemlich sicher, dass ich eines Tages die seither schlummernde Bild-Idee eines idealisierten und durch Stilmittel bis zum Erbrechen überhöhte Rote Feuerwehr-Auto wiederbeleben und umsetzen werde.

Das Stein-Zitat als solches wäre, aller von mir abgelehnten Makellosigkeit der Rose zum Trotz also schon mal kein Bildtitel und damit kein Grund zum Fotografieren des langweilig-hübschen Objekts gewesen.

„Dieser Weg wird kein leichter sein …“

Und es hat fast zwei Jahre gebraucht, bis ich eher zufällig auf die unbearbeitete und damit in den meisten Fällen für mich (noch) unbrauchbare Rose stieß. Und dann blieb ich an dem Stein-Zitat hängen, das mir nicht mehr aus dem Kopf ging – bis die meiner Meinung nach adäquate sprachliche Umsetzung des Zitats mitsamt der weiteren englisch|deutschen Textbestandteile erste Formen annahm.

Das Entstehen eines Bildes vom Sehen über das Umsetzen bis hin zur Gestaltung von Bild & Text – oft ein sehr langer, oft sehr mühseliger Weg.

walking my „kietz“ – Bildergalerie

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