Ziemlich cool unterm Wasserfall

Manchmal setze ich mich einfach an meinen Wasserfall und markiere den coolen Typ oder so.

Das Original plätschert seit 1989 im Botanischen Garten Braunschweig  im schattigen Rhododendron- und Farntal – mit der Bronze-Skulptur "Judith" der Braunschweiger Künstlerin Sabine Hoppe. Seit einiger Zeit spendet der Wasserfall auch in unserer Wohnung schattige Kühle (zumindest bildlich)

Es ist ein 1,20 Meter breiter Textildruck einer meiner zahlreichen Fotos, die ich immer wieder von diesem Motiv mache (Kamera: Mamiya rb67 aus den 1970er Jahren)

Text und Fotos ©  2017 Jos van Aken

Herbst entschädigt für „Fake-Sommer“

Der sich nun wohl endgültig verabschiedende Sommer wurde dem Idealbild, was wir sorgsam in uns hegen und pflegen, ja nun wirklich nicht gerecht. Und ob wir in diesem Jahr und in unseren Breiten den berühmten "indian summer" genießen werden, der ja eigentlich im Norden der USA und in Kanada zu Hause ist – wer weiß   — Ich würde mich ja schon mit der mitteleuropäischen Variante dieses werebewirksamen Wetterphänomens, dem Altweibersommer,  zufrieden geben. Aber den heutigen Tag – den kann uns kein Miesepeter und kein Wetter-Grantler mehr nehmen: Herbst in seiner seiner schönsten Form.

Information? Nein, danke!
Lieber wieder Grinserüben-Plakate

Jahrzehntelang war ich – nicht nur „berufsbedingt“ als Journalist für Tageszeitungen, Hörfunk und Fernsehen – eher als kommunikationsfreudiger Mensch unterwegs. Das hat sich gelegt. Der Grund für mehr Zurückhaltung und spürbar abnehmende niederrheinische Fröhlichkeit (die ja auch eine  – nicht sichtbare – Mauer sein kann) ist nicht nur in meinem Alter und seinen unvermeidlichen Zipperlein mitsamt einem mittelprächtigen „Parkinson“ zu suchen: Alle paar Jahre werde ich unweigerlich für etliche Wochen ausgesprochen unleidlich und grantig – zumindest, wenn ich unterwegs bin.

Warum? Ist es das Wetter? Oder die Jahreszeit? Oder eine der periodisch auftretenden Übersprunghandlungen dieser oder jener Behörde? Was macht mich gerade wieder so unansprechbar, abweisend und überwiegend übel gelaunt?

Die Antwort auf dieses Phänomen ist ebenso einfach wie unübersehbar: Es darf (soll, muss) mal wieder gewählt werden, diesmal hier in Niedersachsen gleich im Doppelpack. An die Wahl zum Bundestag schließt sich fast ohne Atempause drei Wochen später eine zweite Möglichkeit an, eines der wichtigen demokratischen Rechte wahrzunehmen: In diesem Fall die vorzeitige Wahl zum neuen niedersächsischen Landtag – provoziert von einer Politikerin, die ihre weitere Karriere bei den Grünen nicht mehr garantiert sah und kurzerhand jetzt bei den Christdemokraten ihr Glück versucht. Das kostete die niedersächsischen Sozialdemokraten und Grünen die karge Einstimmenmehrheit.

Klappern und Amnesie-Hoffnung

Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk. Das ist wohl so, seit die ollen Griechen die Demokratie erfanden. Es wäre ja nun vielleicht sogar ganz lustig, wenn Die Damen und Herren, die sich zur Volksvertretung berufen fühlen – sich dann mit unschöner Regelmäßigkeit fast ausschließlich als Vertreter dieser oder jener Lobby erweisen und leider nicht ganz grundlos auf eine allumfassende Amnesie von Wählerinnen und Wählern hoffen, die sie zuvor enttäuscht (oder schlichtweg belogen und betrogen) hatten.

Dennoch könnte es gewisse Risiken mit sich bringen, wenn vor einer begehrenswerte Pfründe und Prominenz bringenden Wahl, im so genannten Wahlkampf, allzu deutlich oder gar eindeutig versprochen würde, was man als so ein Volks- und Lobbyistenvertreter so alles anstellen wolle, falls man gewählt würde.

Da geht eine Bundeskanzlerin schon lieber auf „Nummer sicher“, wenn sie – photoshop-geglättet, mit sonst kaum zu bewundernden gehobenen Mundwinkeln und mit edlem Schmuck behängt – die vieldeutige Aussage „Erfolgreich für Deutschland“ von riesigen Plakatwänden herab verkündet. Für dieses typische Produkt einer modernen aalglatten Werbeindustrie gilt ebenso wie für fast alle anderen Portrait-Plakate:

So sehen diese Typen nicht wirklich aus – und vor allem: Die „Botschaft“ der meisten Wahlwerbeplakate ist alles- und vor allem nichtssagend. Bleiben wir bei dem Beispiel der derzeitigen Kanzlerin, der wir bis auf weiteres auf keinem unserer Wege entgehen können: Wen oder was meint die Politikerin um des Wahlsiegs willen mit „Deutschland“, für das sie Erfolg verspricht?

Kaum zum Verwechseln ähnlich

Meint sie die Hartz 4-Menschen? Meint sie Menschen, die ihr Menschen- und Grundrecht auf politisches Asyl in Anspruch nehmen und deren durch das Genfer Flüchtlingsabkommen garantierte Rechte längst von Politikern aller derzeit regierenden Parteien mit Füßen getreten werden? Oder meint sie doch die Lobbyisten der Industrie und anderer mächtiger Interessenverbände und -vereine, die sich in Parlament und Kanzleramt die Klinke in die Hand geben.

Andere um die Gunst der Wählerinnen und Wähler buhlende Parteien machen es nicht besser: Die Sozialdemokraten zum Beispiel haben anlässlich der anstehenden Bundestagswahlkampf die ehrenwerte Urtugend ihrer Partei aus grauer Vorzeit wiederentdeckt: „Soziale Gerechtigkeit“ verkündet mit blauen Strahleaugen (Kontaktlinsen? Photoshop?) vom Großplakat herab der immer mehr zur tragischen Figur mutierende Spitzenkandidat Martin Schulz. Zitat Schulz, das ich, als Mensch mit Behinderung, tagtäglich zu ertragen habe: „Eine Gesellschaft ist nur dann gerecht, wenn alle Menschen die gleichen Chancen haben“. Recht hat er, der Mann und Kandidat.

Aber auch er vergisst oder verdrängt offensichtlich völlig schmerz- und schambefreit, wie die politische Wirklichkeit gerade der vergangenen, die auch und federführend Sozialdemokraten zu verantworten haben. Ich nenne hier nur mal als Beispiel den skandalösen Umgang der unheiligen Allianz von Christ- und Sozialdemokraten – vorneweg die längst nicht mehr erträgliche Andrea Nehles mit den unter anderem in der UN-Behindertenrechtkonvention festgeschriebenen unmissverständlichen Rechten von Menschen mit Behinderungen: Die versprochene Beseitigung von Barrieren wurde mit der Unterschrift der sozialdemokratischen Ministerin ebenso zur kläglichen Alibi-Scheinlösung wie die weiteren Gesetze, die angeblich Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen herstellen sollten.

Verrat an Behinderten – schon vergessen

All das wird – übrigens auch in den öffentlich-rechtlichen Diskussionen rund um die Wahl – vorsichtshalber gar nicht statt. Im plakativen Wahlkampf der „großen“ Parteien erst recht nicht. Da glauben die Werbeagenturen und die immer gleichen Grinse-Rüben doch tatsächlich, es reiche, die sympathie-gepimpten Portraits der Kandidaten würden unsereiner in die Wahlkabinen treiben und dazu verführen, Kreuze an der jeweils möglicherweise Mehrheiten bringenden Stelle auf dem Wahlzettel zu machen.

Schau’n wir mal: So ein nettes, etwas bemüht lächelndes Moppelchen soll ich wählen? Warum nicht? Was will uns das Plakat des Herrn Müller sonst noch sagen? Er wirbt – wohl nicht ohne Gedanken – vor der Braunschweiger Filiale des ECE-Einkaufszentrums, äußerlich dem im Krieg zerstörten Rresidenzschloss der Braunschweiger Herzöge zum Verwechseln ähnlich. Und da ist, gleich hinter dem christdemokratischen Spitzenkandidaten in der Stadt Heinrichs des Löwen, ja auch eine Figur, mit der sich der Kandidat offensichtlich identifiziert: Das Denkmal des „Schwarzen Herzogs“ – ein Braunschweiger  Rambo und Haudegen, der im Krieg gegen Napoleon getötet wurde.

Schlossherr und Oldie-Rambo-Fan

Was sagt uns also das Großplakat mit dem Braunschweiger Spitzenkandidaten der Christdemokraten: Der Kandidat, den es wieder mal über einen Landeslistenplatz seiner Partei in den Bundestag drängt (also nicht etwa von den Bürgern wirklich gewählt),  sieht sich offensichtlich als so eine Art Schlossherr und hat neben seiner Vorliebe für Oldtimer auf vier Rädern eine Vorliebe für fragwürdige Volkshelden.

Seine Gegenkandidatin, die Spitzenfrau der Sozialdemokraten in Braunschweig Dr. Carola Reimann, verzichtet auf ihrem Großplakat ebenfalls auf jegliche Sachaussage. Mit strahlendem Lächeln verkündet sie immerhin, sie sei und bleibe „Stark für Braunschweig“ – was auch immer das bedeuten soll.

Wer sich immer noch wundert, dass ich auf meinen Wegen durch Braunschweig bis auf weiteres möglicherweise unleidlich und irgendwie grantig erscheine, dem ist nicht zu helfen. Ich jedenfalls fühle mich bis auf weiteres belästigt und für dumm verkauft.

Text & Bilder: © 2017 Jos van Aken

Uralte neue Klänge in der City

Musik auf der Straße gehört zum Leben in den Städten. Einmal durch eine Fußgängerzone schlendern ersetzt eine ganze Reise durch die verschiedensten Genres der Welt der Töne, Melodien, Rhythmen und Harmonien. Grenzen gibt es da nicht. Und: Es gibt immer wieder Neues zu entdecken – wie vor einigen Tagen in Braunschweig. Ein Chinese saß auf seinem kleinen wackligern Klapphocker und hatte ein seltsames Instrument auf dem Schoß, dem er wundersame, sphärische, geradezu magische Töne entlockte.

Der Virtuose aus dem fernen Osten spielte ein Musikinstrument, das wahrscheinlich seit Jahrtausenden in der Mongolei und seit dem 10. Jhdt.n.Chr. in China populär wurde und seit jeher "die erste Geige" in der klassischen chinesischen Nationaloper spielt: Die èrhú, eine zweisaitige Geige.

Text & Bilder © 2017 Jos van Aken

Still(es)Leben

Der Begriff des „Stilllebens“ in der bildenden Kunst hat mit „Stille“ ursprünglich nur indirekt zu tun. Es hab diese Art der Darstellung zwar bereits in der Antike (wahrscheinlich aber schon viel früher) Der Begriff „Stillleben“ (für das Gemälde-Genre) tauchte aber erst Mitte des 17 Jahrhunderts auf – in der niederländischen Nomenklatur der Kunst. Damals hieß das „stil leven“ und hieß wörtlich ins Deutsche übersetzt „unbewegtes Dasein“.

Aber das Stillleben umfasst natürlich eine weitere Bandbreite – thematisch wie gestalterisch. Das Titelbild zum Beispiel war und ist keineswegs als „Stillleben“ gedacht gewesen – dazu wurde es erst durch das gestaltende Mittel der Fotografie:

Eines der zahlreichen Erinnerungsbilder an unseren unvergessenen Hund über dem Küchentisch mit einer „fading flower“, der welkenden Blüte, die im Vergehen die Blätter hängen läßt, gerät im fotografischen Zuschnitt und in der Fargestaltung zur klassischen „nature morte“, dem „still life“ oder eben (in alter deutscher Schreibweise zum (fast) klassischen „Stilleben“ – das heute korrekte dritte l irritiert mich nach wie vor).

Ganz und gar brav klassisch daher kommt dagegen eine kleine Stillleben-Komposition, die sich mir kürzlich aufdrängte: Eine gute Freundin hatt uns eine der schönsten Rosenblüten aus ihrem Garten geschenkt.Ein  bisschen herbstliches Obst dazu – und schon entstand daraus ein Stillleben, das eine Allegorie des Wechsels vom Sommer zum Herbst entstehen lässt.

Ganz und gar weg von der ursprünglichen Deutung und dem gestalterischen Gebrauch des Begriffs schließlich ist das dritte Beispiel. Es entstand als Teileiner kleinen experimentellen Reihe von Bildern, die das vielfältige bunte wie graue Leben einer Wäschespinnemit den Mitteln der Fotografie versucht darzustellen – auch das (behaupzte ch) ist ein Stillleben.

Text und Bilder: © 2017 Jos van Aken