Ein Loch ist genug –
und manchmal auch der Anfang …

„Alles schon mal da gewesen“ – die „Pinhole“-Fotografie, die bei gestaltungs- und experimentierfreudigen Bildermachern gerade (mal wieder) unter mannigfachen Aspekten eine sowohl farbige als auch mit Grautönen gestaltende Renaissance vor allem in der Fotografie mit und auf Film erfährt, ist an sich ein Uralt-Hut (einer mit Loch).

Typisches Pinhole-Bild: Eingang zum Inselwall in Braunschweig. Kamera: Umgebaute Box-Kameraera Agfa Clack (Anfang der 1950er Jahre) Die simple Meniskus-Linse des Objektivs mit der Brennweite mit etwa 100 mm Brennweite bei einem Film(Negativ)Formal von 6×9 cm habe ich ausgebaut und durch eine Lochblende von 0,3 mm ersetzt. Das ergibt rechnerisch eine Blendenöffnung von 240 – daher die weiträumige Tiefenschärfe.

Fast die gleiche Perspektive auf das Tor zum Inselwall – diesmal mit einer Profi-Mittelformatkamera Baujahr 1974, der einäugigen Spiegelreflex Mamiya rb67 mit einem hochwertigen Weitwinkel-Objektiv (Sekor 4,5/50), abgeblendet auf Blendenöffnung 11.

Alle vom Menschen erdachten technischen Anwendungen im Bereich der sich bewegenden Bilder beruhen letztendlich auf demselben optischen Prinzip, das sich die Natur bereits seit Millionen von Jahren zunutze macht: Das menschliche Auge sieht auf die gleiche Art wie das Auge der Camera Obscura.

Hier wein weiterer interessanter Bildvergleich. Motiv ist eine Baumgruppe im Braunschweiger Schul- und Bürgergarten am Dowesee. Hier wieder die Aufnahme mit der von mit zur Pinhole-Kamera umgebauten Agfa-Box Clack – hier eine Belichtungszeit von rund 4 Sekunden bei der Pinhole-Blende 240

… und das ist die selbe Baumgruppe, allerdings mit einer wirklich historischen Kamera, der Agfa Billy Rekord (genaut anfangs der 1930er Jahre. Objektiv ist ein Anastigmat mit ca. 120 mm Brennweite und Blendenöffnungen von 8,8 bis 16. Format: Wie bei der Nachkriegs-Clack aus dem Hause Agfa wird mit der damals als Taschenkamera beworbenen Klaüü-Kamera im mittleren Preissegment auf 120er Rollfilm im großen Mittelformat von 6×9 cm.. Belichtet habe ich diese Aufnahme bei Blende 16 mit 10 Sekunden.

Der Begriff „camera obscura“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „dunkler Raum“. Das Grundprinzip der Camera Obscura ist sehr einfach, denn jeder Gegenstand, ob er leuchtet oder reflektiert, sendet in alle Richtungen Lichtstrahlen aus, die sich geradlinig ausbreiten.

 

Diese Variation des Bildthemas (mit Winterabdeckung) enstand mit einem – im Größenvergleich mit der eher „gigantischen 6×7-Mamiya rb67 – ein wenig „handlicheren“ Gerrät; ebenfalls aus dem Hause Mamiya, aber für das „kleine“ Negativ-Format 6×4,5 cm: Die Mamiya 645 1000 S wurde auch in den späten 1970er Jahren gebaut.

Wenn diese Lichtstrahlen nun durch eine kleine Öffnung in einen lichtdichten Raum gelangen, werden sie je nach Durchmesser des Loches gebündelt und projizieren ein Bild auf die gegenüberliegende Wand. Die Abbildung auf dieser Wand ist seitenverkehrt und steht auf dem Kopf.

Die Beobachtung des Lichts in der dunklen Kammer war als optisches Phänomen übrigens bereits dem antiken Philosophen Aristoteles im 4. Jh. v.Chr. bekannt. Er kam allerdings leider nicht auf die Idee, aus dem von ihm entdeckten Prinzip eine Apparatur zu machen. Aristoteles war eben doch mehr ein Denker als ein Macher – trotz seiner „Verdienste“ um die Militär-Technik seiner Zeit.

Hier noch ein weiteres Beispiele für die gerade auch gestalterisch reizvollen praktische Anwendung der Pinhole-Kamera – das simple Gerät hat einen  festen Platz in meinem Kamera-Rucksack.

Und hier ist sie noch einmal: Meine eigenhändig zur Pinhole-Kamera umgebauten gute alte Agfa Ckack: Im Gegensatz zur entfernten Linse habe ich den eher rudimentären Verschluss der Original-Clack wieder vor das dahinter liegende Pinhole montiert (und sogar wieder zumindest in der Bulb-Langzeit-Funktion mit Drahtauslöser-Anschluss ans Laufen gebracht, nachdem der Verschluss zunächst ein wenig hakte.

Auf diese „Leitung“, über die ein geübter Heimwerker nur müde grinsen wird, bin ich als Parkinson-Patient mit nicht nennenswerter Feinmotorik und in den unpassendsten Momenten einsetzendem Tremor sogarein wenig stolz.

Autor: Jos van Aken

Herausgeber und Autor der multimedialen Blogs chronischLEBEN (Texte, Fotos, Audio, Video) und des Fotoblogs "in meinen Augen | in my eyes"

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