Ob lila, ob weiß – Hauptsache
es fliedert wieder

Das deutsche Gemüt ist ziemlich genau ab 1928 geradezu chloroformiert vom Duft des Flieders. Genauer gesagt: Des weißen Flieders. Den machte der gelernte Militärkapellmeister und Komponist Franz Doelle sozusagen unverblühbar mit einem musikalischen Schmachtfetzen.

Den Text dazu reimte zeitgeisttrefflich der Österreicher Fritz Rotter, und geträllert wurde der weiße Flieder (aber bitt’schön nur, wenn er denn wieder blüht) von der Opern-Sopranette Ruth Jost-Arden; die glänzte ansonsten eher ganz seriös und durch den Dirigenten Arturo Toscanini auf dem Hügel in Bayreuth „geadelt)  in Wagner- und Strauss-Opern. Classic-Pop-Crossover ist eben keine Entwicklung unserer Tage …

Dann wächst auch der Spargel wieder

Heute kennen wir vor allem das Flieder-Geschmachte in einer erträglicheren Version von den Comedian Harmonists – die pflanzten bekanntlich nicht nur kleine grüne „Kaktusse“ auf nichtsahnende Balkone oder machten eine gewisse Veronika dezent und melodisch-harmonisch, allerdings nicht unbedingt dezent darauf aufmerksam, dass ein nicht näher beschriebener (Herr?) Lenz den Spargel wachsen lässt.

Hier nun keine Spargel-Bildchen – das Lenz-Gemüse banne ich weder in gepixelter Form noch auf klassisches Film-Material:Ich verspeise es lieber(und zwar ganz und gar klassisch mit zerlassener Butter und festkochenden Kartuffeln (früher nur Linda, heute Belana).

Im Verlauf des Jahres gehört vielmehr die Beobachtung und fotografische Huldigung einer Syringa vulgaris in unserem Hinterhof zu den festen Terminen, die ich um nichts in der Welt verpassen will; besser bekannt die von Ende April bis Mitte Mai blühende und intensive Frühlingsdüfte verströmende Ölbaumgewächs eher als der „Gemeine Flieder“. Der wiederum ist alles andere als gemein in jeglichem Wortsinn, dafür aber nicht unbedingt weiß, sondern besonders beliebt auch – wer hätte es geahnt: fliederfarben; das ist so eine Art dunkel- oder auch blassviolett – übrigens die „Urfarbe“ der Fliederblüten – hier irrten wohl Doelle und Rotter.

Der fliederfarbene Flieder vor unseren Fenstern ist seit einigen Tagen leider verblüht. Bis zum nächsten Jahr bleiben mir nur diese Erinnerungsbildchen:

 

Text & Bilder © 2017 jos van aken

Autor: Jos van Aken

Herausgeber und Autor der multimedialen Blogs
chronischLEBEN (Texte, Fotos, Audio, Video) und des Fotoblogs „in meinen Augen | in my eyes“

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