noch ’n herbst – gar nicht kunterbunt

Ja, ich mag ihn auch: den viel besungenen Herbst mit seiner Farben-Schönheit der verwesenden Blätter der Bäume und ihrem unverwechselbaren Duft. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass ich und meine Kameras es nicht kunterbunt treiben müssen.

Ich habe deshalb ganz bewusst einige meiner liebsten Bäume – von der Süntelbuche im Botanischen Garten über die knorrige krumme Buche im Theaterpark bis hin zu dem mit ihrem leuchtenden Gelb protzenden Ginkgo-Bäumen am Ruhfäutchenplatz und ein paar Schritte weiter im Innenhof des Veltheimschen und Hornebostelschen Haus am Burgplatz – in all ihren Grautönen auf Schwarzweißfilm zu bannen – ach ja: Der Ahorn vor unserem Fenster durfte auch mitmachen.

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Text & Fotos: Jos van Aken

Ziemlich passend dazu eines meiner liebsten Herbstgedichte: von Rainer Maria Rilke

Herbststimmung

Die Luft ist lau, wie in dem Sterbezimmer,
an dessen Türe schon der Tod steht still;
auf nassen Dächern liegt ein blasser Schimmer,
wie der der Kerze, die verlöschen will.

Das Regenwasser röchelt in den Rinnen,
der matte Wind hält Blätterleichenschau; –
und wie ein Schwarm gescheuchter Bekassinen
ziehn bang die kleinen Wolken durch das Grau.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)