Automobil-Ikonen –
mal wuchtig, mal rasant

Reichlich Pferdestärken und entsprechende Kraft haben beide Attraktionen, die in diesem Jahr Besucher zum „Autofrühling“ nach Braunschweig lockten. Neben Präsentationen der neusten Blechkutschen, mit denen die Autohändler der Region an ihren Ständen in der Innenstadt um Kunden warben hab es wieder zwei historische Schwerpunkte: In diesem Jahr gab es historische Lastwagen der Braunschweiger Firma Büssing auf dem Platz vor dem Braunschweiger Shopping-Schloss und eine gute Handvoll geballte PS-Potenz aus Zuffenhausen in unverwechselbarer Blechschönheit auf dem Burgplatz unter dem Braunschweiger Löwen: Porsche-Freunde zeigten einige ihrer rasanten Statussymbole – auch für eher weniger dem Geschwindigkeitsrausch verfallene Menschen wie mich jedenfalls ein Augenschmaus.

Hier erst einmal einige Impressionen auf Schwarzweiß-Film, eingefangen  mit einer ebenfalls historischen Kamera, der Rolleiflex 3003: 

Die für die Schwarz-Weiß-Aufnahmen eingesetzte Rolleiflex 3003, eine „einäugige“ Kleinbild-Spiegelreflex-Kamera aus den frühen 1980 Jahren, war den letzte, leider erfolglose Versuch der Braunschweiger Traditionsfirma Rollei, doch noch wieder Fuß zu fassen auf dem längst von japanischen Firmen eroberten Kamera-Weltmarkt. Die Rolleiflex 3003 war das Nachfolgemodell der technisch noch nicht ausgereiften Rolleiflex SL 2000 F.

Der bekannte Rollei-Ingenieur Heinz Waaske hatte das innovative Kameramodell, das mit Wechsel-Filmmagazinen, integrierten Lichtschacht und „Fernrohr“-Suchern und schnellem (3 Bilder/Sekunde) eingebauten motorischen Filmtransport seinerzeit als geradezu revolutionär auf der „photokina“-Ausstellung in Köln von der Fachwelt gefeiert wurde, entwickelt. Der kommerzielle Erfolg blieb letztlich aus: Lediglich 4.800 Exemplare der „SL 2000 F“ wurden produziert; das hier von mir eingesetzte technisch ausgereifte Nachfolgemodell Rolleiflex 3003 brachte es bis 1994 nur noch auf knapp 2.800 Exemplare.

Und hier noch einige Fotos auf Farbfilm vom diesjährigen Autofrühling: Die habe ich mit dem bekannteren Braunschweiger Kamera-Klassiker aus dem Hause Franke und Heidecke, der zweiäugigen Spiegelreflex-Kamera Rolleiflex 2,8 F, einer Kamera für die klassische Fotografie auf Mittelformat-Rollfilme (6×6 cm) aufgenommen. Wenn ich mit dieser Kamera aus den 1960er Jahren unterwegs bin, muss ich zumindest in Braunschweig grundsätzlich einige Zeit mehr einplanen:

Vor allem bei den Aufnahmen der Braunschweiger Brummi-Legenden von Büssing freuten sich viele bekennende Lokal-Patrioten darüber, dass diese alten „rollenden Braunschweiger“  mit einer alten Kamera, die  der Braunschweiger „Kamera-Schmiede“ Franke & Heidecke einst Weltruhm einbrachte, auf Film festgehalten wurde – eben der Rolleiflex mit den unverwechselbaren zwei Objektiv-Augen.



Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

Luther, Tetzel und eine Wolke

"Immer" ist ja nicht unbedingt "was los" in Niedersachsens zweitgrößter Stadt, Braunschweig. Aber in diesem weitgehend ausgefallenen Sommer konnten sich Guck-, Kunst- und Eventbeflissene Braunschweiger nicht beklagen. Irgendwas war (gefühlt) immer. Typisches Beispiel: Luther war gerade da, sein liebster Feind Tetzel immer wieder auch mal – und auf dem Burgplatz setzt eine hochwissenschaftliche Wolke einen weiteren Akzent neben Veltheimschem Huneborstelschem und Vieweg Haus – vom Löwen dem Dom und der Fake-Burg Dankwarderode mal ganz zu schweigen

Ich habe  noch einmal in meinen Bildsammlungen geblättert und eine Sammlung von Fotos der jüngsten Braunschweiger "Hingucker"-Events und -Aktionen zusammen gestellt, die ich mit der gut 40 Jahre alten Mittelformat-Kamera Mamiya rb67.

© 2017 Jos van Aken

Lügen, drogen und
ein gewisser krupke …

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Seit 6. Juli 2014 heißt es unter dem
Braunschweiger Löwen: „GEE, OFFICER KRUPKE – KRUP YOU“

Seit dem 6. Juli haben auch Braunschweiger, die es sonst nicht magisch in die heiligen Hallen der etablierten Darstellenden Kunst zieht durch ihre Anwesenheit auf dem Burgplatz Gelegenheit zu beweisen, dass sie kein Kulturbanause sind … Open air rund um den Burglöwen ist seit Jahren der Sommerhit. In diesem Jahr ist das mittlerweile in die Jahre gekommene,aber wegen seiner nie wieder erreichten Mischung aus Schmachfetzen wie „Maria“ und Slang-Orien wie dem Loblied auf den etwas dämlichen Bullen „Officer Krupke“ und immer noch bewegenden Jazz-Ballett-Einlagen (ich denke da an den getanzten Kampf zwischen „Jets“ und Sharks“) frühe Multi-Kulti-Musikalisch, eine Adaption des „Romeo und Julia“-Plots verlässlicher Garant für ein beschwingtes Sommervergnügens, bei der niemand in Verlegenheit kommt, an der falschen Stelle in frenetisches, aber einsames Klatschen zu verfallen – weil: das Ende der Ohrwürmer hat jeder im Hirn abgespeichert, der je einen auf bügelnde Hausfrauen spezialisierten Radiosender mit der Lizenz zum Quotenprotzen eingeschaltet hat.

Aber EIN Geheimnis haben viele „Tonight“-Mitsummer oder selig Trällerer gar nicht mal so selten bislang als unlösbar verdrängt.

Der reichlich „volksnahe, ja fast unterirdische Wortwitz mit dem Namen New Yorker Polizeibeamten KRUPKE und der freundlichen Aufforderung, „KRUP YOU“ läßt sich nämlich nicht wirklich wörtlich übersetzen. Das „krub“ ist eine Verballhornung des Polizisten-Namens „KRUPKE“ (übrigens weder verwandt noch verschwägert mit einem Braunschweiger Balltreter). Und mit „KRUP“ meinten die jugendlichen Wort-Künstler natürlich nichts anderes als „fuck“.

Ich bin mal gespannt, wie die Priesterschaft und der hochanständige sittenstarke Kirchenvorstand des benachbarten Braunschweiger Doms reagieren werden, wenn in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein offizieller und ebenso verbeamteter wie schnieke uniformierter Vertreter von Law and Order mehrmals täglich unüberhörbar aufgefordert wird, er möge sich doch bitte ins geschätzte Knie ficken … Hoffen wir, dass biedere Braunschweiger Christenmenschen mit den Feinheiten des New Yorker Slangs der frühen 50er Jahre nicht allzu vertraut sind.

Also: Vergesst alles, was der böse Onkel Jos geschrieben hat: Die brüllen nur „KRUP you“ – einfach so und ohne Sinn und Verstand. Cleveren kindlichen Besuchern des Singspiels auf dem Burgplatz können besorgte Eltern ja sicherheitshalber die Ohren zuhalten.

Jos van Aken