Luther, Tetzel und eine Wolke

"Immer" ist ja nicht unbedingt "was los" in Niedersachsens zweitgrößter Stadt, Braunschweig. Aber in diesem weitgehend ausgefallenen Sommer konnten sich Guck-, Kunst- und Eventbeflissene Braunschweiger nicht beklagen. Irgendwas war (gefühlt) immer. Typisches Beispiel: Luther war gerade da, sein liebster Feind Tetzel immer wieder auch mal – und auf dem Burgplatz setzt eine hochwissenschaftliche Wolke einen weiteren Akzent neben Veltheimschem Huneborstelschem und Vieweg Haus – vom Löwen dem Dom und der Fake-Burg Dankwarderode mal ganz zu schweigen

Ich habe  noch einmal in meinen Bildsammlungen geblättert und eine Sammlung von Fotos der jüngsten Braunschweiger "Hingucker"-Events und -Aktionen zusammen gestellt, die ich mit der gut 40 Jahre alten Mittelformat-Kamera Mamiya rb67.

© 2017 Jos van Aken

Lügen, drogen und
ein gewisser krupke …

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Seit 6. Juli 2014 heißt es unter dem
Braunschweiger Löwen: „GEE, OFFICER KRUPKE – KRUP YOU“

Seit dem 6. Juli haben auch Braunschweiger, die es sonst nicht magisch in die heiligen Hallen der etablierten Darstellenden Kunst zieht durch ihre Anwesenheit auf dem Burgplatz Gelegenheit zu beweisen, dass sie kein Kulturbanause sind … Open air rund um den Burglöwen ist seit Jahren der Sommerhit. In diesem Jahr ist das mittlerweile in die Jahre gekommene,aber wegen seiner nie wieder erreichten Mischung aus Schmachfetzen wie „Maria“ und Slang-Orien wie dem Loblied auf den etwas dämlichen Bullen „Officer Krupke“ und immer noch bewegenden Jazz-Ballett-Einlagen (ich denke da an den getanzten Kampf zwischen „Jets“ und Sharks“) frühe Multi-Kulti-Musikalisch, eine Adaption des „Romeo und Julia“-Plots verlässlicher Garant für ein beschwingtes Sommervergnügens, bei der niemand in Verlegenheit kommt, an der falschen Stelle in frenetisches, aber einsames Klatschen zu verfallen – weil: das Ende der Ohrwürmer hat jeder im Hirn abgespeichert, der je einen auf bügelnde Hausfrauen spezialisierten Radiosender mit der Lizenz zum Quotenprotzen eingeschaltet hat.

Aber EIN Geheimnis haben viele „Tonight“-Mitsummer oder selig Trällerer gar nicht mal so selten bislang als unlösbar verdrängt.

Der reichlich „volksnahe, ja fast unterirdische Wortwitz mit dem Namen New Yorker Polizeibeamten KRUPKE und der freundlichen Aufforderung, „KRUP YOU“ läßt sich nämlich nicht wirklich wörtlich übersetzen. Das „krub“ ist eine Verballhornung des Polizisten-Namens „KRUPKE“ (übrigens weder verwandt noch verschwägert mit einem Braunschweiger Balltreter). Und mit „KRUP“ meinten die jugendlichen Wort-Künstler natürlich nichts anderes als „fuck“.

Ich bin mal gespannt, wie die Priesterschaft und der hochanständige sittenstarke Kirchenvorstand des benachbarten Braunschweiger Doms reagieren werden, wenn in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein offizieller und ebenso verbeamteter wie schnieke uniformierter Vertreter von Law and Order mehrmals täglich unüberhörbar aufgefordert wird, er möge sich doch bitte ins geschätzte Knie ficken … Hoffen wir, dass biedere Braunschweiger Christenmenschen mit den Feinheiten des New Yorker Slangs der frühen 50er Jahre nicht allzu vertraut sind.

Also: Vergesst alles, was der böse Onkel Jos geschrieben hat: Die brüllen nur „KRUP you“ – einfach so und ohne Sinn und Verstand. Cleveren kindlichen Besuchern des Singspiels auf dem Burgplatz können besorgte Eltern ja sicherheitshalber die Ohren zuhalten.

Jos van Aken