Propeller, Breakdancer – oder doch
in den guten alten Scooter ?

Ganz ehrlich? Ich bin schon seit Jahrzehnten nicht (mehr) der schmerz- und schwindelfreie Rummel-Fan. Und selbst die traditionelle Frühjahrs-„Masch“, die Frühjahrsmesse auf dem Braunschweiger Schützenplatz an der Hamburger Straße, kann mich eher weniger reizen – anders als die „Kirmes“ meiner Kindertage am unteren Niederrhein, die für mich ein absolutes „Muss“ war. Aber am Sonntag galt es wieder einmal, eine klassische Kamera, die Rollei-Kleinbild-kamera Rolleiflex 3003, zu testen. Bis zur Masch ist es nicht weit, und das Wetter war mit strahlendem Sonnenschein plus Schönwetter-Gewölk optimal.

Nach meiner Rückkehr hatte sich meine seit langem abgeflaute Rummel-Lust nicht wiederbelebt; aber für einige reizvolle Fotomotive hatten die Schausteller dann doch gesorgt. Schauen Sie selbst. Hier zunächst Impressionen vom „Propeller“, einem rund 40 Meter hohen modernen Foltergerät, das aber (oder vielleicht deswegen) bei der Jugend offensichtlich der absolute „Burner“ ist:

Und hier noch einmal zwei Kirmes-Dauerbrenner: Der Breakdancer – und natürlich der gute alte Scooter:

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

Na endlich – Der Frühling nimmt Fahrt auf

Auch wenn gerade zwischendurch gefühlt mal wieder das April-Klischee über den Bilderbuch-Lenz siegte: Der Frühling kommt endlich in Fahrt. Die Folge sind nicht nur bei uns Menschen die einschlägigen zu dieser beliebten Jahreszeit gehörigen Gefühle – wer mag, darf auch von Wallungen schwärmen (oder solche genießen): Auch der vielfältige Rest der Natur zeigt dem Winter, was ’ne Blüte ist.

Hier eine kleine Auswahl meiner Frühlingsfotos: Sie entstanden im Braunschweiger Botanischen Garten und im Garten unserer guten Freundin Annemarie in Melverode (Zur Ansicht der größeren Bilder einfach anklicken).

Text & Bilder ©  Jos van Aken

Kann ich nicht raus in den
Frühling, hol‘ ich den Lenz eben rein

Früher war mehr Frühling – gefühlt. Aber eigentlich passt es mir ganz gut in den Kram, dass sich in diesem unserem Jahr 2017 in unseren eher durchwachsenen Breiten das ohnehin hemmungslos überschätzte Osterfest nicht in das durchsonnte, blaubehimmelte Klischee von „schönem“ Wetter mitsamt Schäfchenwolken  pressen ließ, sondern eher dem guten alten Motto gerecht wurde: „April, April – der macht was er will“ (er, der April – und eben nicht, was sie,  die Tourismus- und sonstige Konsumindustrie umsatzfördernd verlangt).

Depressionen haben eben auch ihr Gutes

Und dem April war mal wieder seiner Natur gehorchend unübersehbar danach, sich nicht den Oster-Wunschvorstellungen von Lieschen Müller in Sachen Osterfest zu beugen, sondern mir einen nachvollziehbaren Grund zu liefern, die Feiertage auf meine Art zu feiern – als Couchpotatoe und um Himmels willen nicht als so eine Art Osterhase durch zeckenverseuchte Wiesen hoppeln.

Nein, mir war ehrlich gesagt einfach nicht danach, die schützende Hülle der Wohnung zu verlassen und mich in die mir manchmal (natürlich auch „nur“ gefühlt) fast bedrohlich begegnende  Welt „da draußen“ zu begeben. Prosaisch gesagt: Wenn ich mal wieder (wahrscheinlich nach einer Art Zufallsprinzip) zusätzlich zu den üblichen Parkinson-Zipperlein eine typische Begleiterscheinung dieser hochinteressanten Malaise erwischt, eine depressive Phase, dann bleib ich lieber, mehr oder weniger still vor mich hin leidend, in den sicheren vier Wänden meiner bescheidenen Behausung, die obendrein noch den unschätzbar hohen Vorteil einer Decke überm kahlen Kopf bietet. Depressionen haben eben auch ihr Gutes – oder so.

’n bisken Sakura im Siegfriedviertel

Aber gänzlich auf den Frühling, der gerade eine kleine Oster-Pause eingelegt hat, die mir die plausible Ausrede für das Mich-Verkriechen liefert, mag ich nun doch nicht verzichten. Und da habe ich entdeckt, dass auch ein nicht ganz freiwilliger elender Stubenhocker wie ich zu seinen Lenz-Freuden kommen kann: Schaffe ich es – warum auch immer – nicht raus in den Frühling, Spring oder Printemps, dann hol ich mir diese wohl meistbesungene Jahreszeit eben rein in die Bude. Zum Beispiel als kleines Narzissengesteck oder auch einfach beim Blick durchs Fenster auf den Hinterhof mitsamt seinem Kirschbaum in Vollblüte: Sakura im Siegfriedviertel in der Braunschweiger Nordstadt.

Text & Fotos: © 2017 jos van aken

Das bisschen Frühling festhalten: „Making of“ des obligatorischen Osterbildes mit Narzissen und Nippes.

 

Ein bisschen Frühling auf dem heimischen Esstisch
Jede Menge Frühling im Hinterhof: Ein Hauch von Sakura imSiegfriedviertel

 

Frühlings“blumen“ mit
PS, töff töff und brumm brumm

Einen bunten Blumenstrauß der etwas anderen Art präsentieren die Stadt Braunschweig und deren Autohändler traditionell Anfang April mit dem „Autofrühling“. Neben den neusten Blechkutschen-Modelle einiger Automarken (schließlich geht es ja letztlich doch um das Ankurbeln der automobilen Umsätze) präsentieren sich an diesem Wochenende vor allem auf dem Burgplatz in der Kulisse von Dom, Burg Dankwarderode und historischer Bürgerhäuser rund um den Burglöwen Blech- und Chrom-Design-Models auf vier Rädern, die ihren unverwechselbaren Charm in den vergangenen mehr als 100 Jahren nicht eingebüßt haben.

Ich bin zwar kein Auto-Fan, aber der nostalgisierte Blick zurück in meine Kindheit und Jugend, als Automobile noch geradezu erotisierte Kurven hatten, meist mehr Töff-Töff- und Brumm-Brumm-Assoziationen  weckten oder einfach mit technische Ästhetik und begreifbarer Technik zum Anfassen begeisterten, lässt mich zwar immer noch nicht begierig nach stinkenden und ungesunden Auspuffgasen schnuppern oder von Tempo-Vollrausch („mit 80 Sachen in die Kurve“) tagträumen; aber der historische Part des Braunschweiger Autofrühlings bietet mir immer wieder Motive meiner Fotografie. Hier zunächst einige Bilder, die mit meiner digitalen Mini-Kamera, der Sony DSC-QX 10 (und natürlich anschießend der Gestaltung am Computer entstanden:

Eine Rarität, die zeigt, dass von Elektromotoren angetriebene Autos, bekanntlich DAS angesagte Thema der Automobilindustrie des 21. Jahrhunderts, bereits vor knapp 100 Jahren und bis Anfang der 1960 Jahren aufg unseren Straßen unterwegs waren: BD Energy präsentierte den historischen Kleinlaster EM3, der 1924 in der Hannoverschen Waggon-Fabrik (HAWA) gebaut wurde.

 

Das Elektrofahrzeug HAWA EM3 war noch bis 1961 bei Wartungsarbeiten des Stromnetzes im Einsatz. Für seine rasante Höchstgeschwindigkeit von sagenhaften 25 km/h sorgte der 1 PS starke Gleichstrommotor, gespeist aus einer Bleibatterie mit 40 Volt und 120 Ah. Das reichte für eine Strecke von 70 km.

 

Eine automobile Schönheit mit roten Akzenten: Der DKW F7 aus dem Jahr 1938. Technisches Detail: Ein wassergekühlter 700 Kubikzentimeter-Zweizylinder-Motor mit respektablen 30 PS.

 

Zwar gab es im Original der Burg Dankwarode und zu Bauzeiten des Braunschweiger Doms noch keine Autos;, und der Burglöwe dürfte sich furchtbar erschreckt haben, als die ersten Blechkutschen um ihn herum kurvten aber irgendwie passen die „Schnauferl“ doch optisch wunderbar in diese Kulisse.

 

Sicherheit und Schönheit – das müssen keine Gegensätze sein: Ein Musterbeispiel parkte beim Braunschweiger Autofrühling glein neben der Burg Dankwarderode auf dem Burgplatz (im Hintergrund Dom und Rathaus) Der „<Buckelvolvo“ (Volvo 544) galt und gilt als robust und „unkaputtbar“, – mit „eingebauter Lebensversicherung“ (bereits 1958 mit Dreipunktgurt.. Die Schönheit aus Göteburg ist immer noch Musterbeispiel für zeitloses Design .

 

 

Der „Barockengel“ darf bei keiner istorischen Automobilschau fehlen – auch er ein klassisches Oberklassen-Produkt der 1950er Jahre. Der BMW 301 ist nac wie vor mehr als „nur“ ein Auto: Er repräsentiert ohne zu protzen Reichtum und Macht.

 

Namensgeber dieses Prototyps US-amerikanischer Lebensart war ein Franzose: Antoine Laumet de la Mothge, seines Zeichens „Sieur de Cadillac“, hatte im Jahr 1701 die Stadt Dteroit im StaateMichigan gegründet. Ein Mamager von Henry Ford, Henry Martyn Leland gründete gut 200 Jahre später, genauer im August 1902 in Detroit die Cadillac Motor Company.

 

 

US-Amerikaner schwärmen nicht selten für alles, was mit europäischem Adel zu tun hat. Was lag da näher, als dem Straßenkreuzer Cadillac als Emblem das Familienwappen des Namensgebers, eines Franzosen namens Antoine de la Mothe Cadillac,, der Anfang des 18. Jahrhunderts die spätere Automobilstadt Detroit gegründet hatte – übrigens ein Phantasiewappen.: Besagter „Sieur de Cadillac“ war keineswegs ein Adliger. Der Abenteurer wurde als Sohn französischer Bauern geboren. Über dem gefakten Adelswappen lugt die Kult-Kühlerfigur der Firma: Die „Flying Godness“, die fliegende Göttin. Angefangen mit den Verzierungen der -Karossen, die (gewollt) an die Galionsfiguren grooßer Segelschiffe erinnern sollten . Zum stolzen Windjammer gehörte die große Holzfigur am Bug des Schiffes. Als erste Automobilschmiede kam Rolls Royce auf die geniale Marketing-Idee, eine kleine Galionsfigur vorne auf den Kühlergrill zu montieren: Die „Spirit of Exstacy“ (Geist der Exstase)

Text und Fotos: ©  2017 Jos van Aken

 

24,9° C – fast schon so was
ähnliches wie Sommer im Frühling

Einen Tag vor dem 1. April – und damit wahrscheinlich eher kein Aprilscherz – wurde in Braunschweig eine Temperatur von 24,9° Celsius gemessen. Das hat schon was von Sommer. Der Flora im Botanischen Garten an der Humboldtstraße war es offensichtlich egal, dass ein mickriges Zehntel Grad an einer „korrekten“Sommertemperatur fehlte: Es grünte und blüht, was die Frühlingsfühle hergeben. Ja, auch (und ganz besonders) Pflanzen sind zur Zeit auf das Motto „Wachset und mehret euch“ eingestellt. Hier der fotografische Beweis. Impressionen meiner heutigen Frühlingstesttour:

Die Kreuzmagnolie blüht schon seit einigen Tagen
Heute hatte dann auch die Tulpenmagnolie im Bauerngarten ihren großen Auftritt
Bei Magnolien (hier wieder die Kreuzmagnolie) lohnt sich immer ein Blick nach oben.
Einwenig versteckt neben dem Eingang Humboldtstraße und hinter einem der Torhäuser blüht eine der Kamelien des Botanischen Gartens.
Die Baumriesen

Halali – nach erfolgreicher Fotojagd ruht sich Autor und Fotograf Jos van Aken unter der Tulpenmagnolie im Bauerngarten aus – Immer dabei nach dem bewährten Motto „Nie ohne meine big fat japanese mami“: die old fashioned Mittelformatkamera Mamiya RB 67 – die Fotos hier entstanden allerdings nicht auf Filmmaterial (das muss erst noch entwickelt werden), sondern mit einer schnellen kleinen Digital-Knipse.