Luther, Tetzel und eine Wolke

"Immer" ist ja nicht unbedingt "was los" in Niedersachsens zweitgrößter Stadt, Braunschweig. Aber in diesem weitgehend ausgefallenen Sommer konnten sich Guck-, Kunst- und Eventbeflissene Braunschweiger nicht beklagen. Irgendwas war (gefühlt) immer. Typisches Beispiel: Luther war gerade da, sein liebster Feind Tetzel immer wieder auch mal – und auf dem Burgplatz setzt eine hochwissenschaftliche Wolke einen weiteren Akzent neben Veltheimschem Huneborstelschem und Vieweg Haus – vom Löwen dem Dom und der Fake-Burg Dankwarderode mal ganz zu schweigen

Ich habe  noch einmal in meinen Bildsammlungen geblättert und eine Sammlung von Fotos der jüngsten Braunschweiger "Hingucker"-Events und -Aktionen zusammen gestellt, die ich mit der gut 40 Jahre alten Mittelformat-Kamera Mamiya rb67.

© 2017 Jos van Aken

Hier steht er wirklich (nicht mehr)
und der mit dem Kasten ist nicht weit

Mal standen sie da wie einst der Reformator höchstpersönlich vor dem Reichstag zu Worms, dann verschwanden sie wieder für kurze Zeit (der Sturmgewalt weichend): Die 95 pop-artigen Stelen frei nach einem von vielen Martin Luther-Portraits, die der Renaissance-Maler Lucas Cranach der Ältere der Kunstwelt hinterließ. In Braunschweig erinnern gleich 95 Luher-Stelen des Künstlers Wolf Menzel an die 95 Thesen, mit denen Luther vor 500 Jahren die Reformation initiierte.Hier einige der Fotos, die ich bei Besuchen der Luther-Stelen machen konnte (noch fehlen die jüngsten Bilder, die ich „analog“, also herkömmlich auf Film machte und die noch in Bearbeitung sind).

 

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„Hier steht er wirklich (nicht mehr)
und der mit dem Kasten ist nicht weit“
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Message to Maddin L.

Da sitzt eine junge Frau auf einem Denkmalsockel vor dem sogenannten Schloss in Braunschweig. Sie schaut gespannt auf das Display ihres unvermeidlichen Smartphones; offensichtlich macht sie das, was (fast) alle seit einiger Zeit (fast) unentwegt tun: Sie chattet, ist in ein digitales Gespräch mit einem nicht ersichtlichen Gegenüber vertieft.

Vielleicht ist dieser rätselhafte Gesprächspartner aber gar kein "Gegenüber", sondern steht – gleichsam wundersam 95fach geklont durch Wolf Menzel, einen kreativ regen Braunschweiger – auch auf dem Platz des Einkausschlosses rum. Der Reformator hat nach 500 Jahren endlich gelernt, sich nicht nur der technischen Revolution des Buchdrucks zu bedienen (wie zu seinen Lebzeiten), sondern auch die nur durch Serverausfälle und sonstige Katastrophen eingeschränkte (fast) unendlichen Möglichkeiten von WhatsApp und Co.

Ob die junge Dame wirklich eine "Message to Maddin L." losschickt und auf erhellende Antworten des sich 85fach im Winde drehenden Reformators und seiner Thesen wartet – oder doch vielleicht mit dem "Schwarzen Herzog" gleich neben den 95 Luther-Stelen versucht in Verbindung zu treten – keine Ahnung

Text & Bild: © 2017 Jos van Aken