Ein bisschen Herbst
– gab es dann doch noch

Mit den Jahreszeiten und ihren obligatorischen Erscheinungsformen war es ja 2017 so ’ne Sache für sich; warten wir ab, ob und was der Winter uns noch so bringt. Aber vorher habe ich noch rasch versucht, den Herbst in einigen Bildern festzuhalten. Alle Bilder mit der Mamiya rb67. Zum Vergrößern die Bilder in der Galerie anklicken

Text & Bilder ©  2017 Jos van Aken

herbst – erinnerungen
autumn – memories

ganz ehrlich – ich kann mich nicht entscheiden, welche jahreszeit ich lieber mag: den frühling mit seinem neuen leben, mit frischem grün und ebenso stimmungsaufhellender quietscher neuer blütenpracht – oder eben doch den herbst mit seinem in verführerischen farben sterbendem laub-teppich, den unsere freunde, die bäume uns schenken, damit sie fein sparsam gut durch den winterkommen. nicht zu vergessen das ganz besondere herbstlicht und der stürmische wind, unseren kopf frei bläst.

ich habe mal in alten bildbeständen meiner fotografischen arbeiten gestöbert und bin dabei vor allem auf das jahr 2008 gestoßen. das scheint ein regelrechter bilderbuch-herbst gewesen zu sein (und der letzte herbst, den unser geliebter hund waldi ganz gesund mit uns erleben durfte; ein jahr später ging es sowohl waldi als auch mir – mit dem frisch diagnostizierten parkinson – nicht mehr so wirklich gut).

hier einige herbst-erinnerungen:

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im museumpark ist der laubteppich unter den alten bäumen immer besonders üppig
die oker in herbstliche ufer gebettet
die oker in herbstliche ufer gebettet
die letzten früchte des jahres - nicht nur bei vögeln heiß begehrt
die letzten früchte des jahres – nicht nur bei vögeln heiß begehrt
laubgemälde - künstler: die natur
laubgemälde – künstler: die natur
super-model waldi wusste den herbstlichen hintergrund zu schätzen
super-model waldi wusste den herbstlichen hintergrund zu schätzen
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… und krisen werden im herbst besonders farbenfroh einfachausgesessen

wehrhaft – aber nur
gegen die Okerfluten

abhängen – rund
um das petriwehr

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Geländer der Gaussbrücke mit Blick auf die Oker

Naherholung, das ist in Braunschweig wirklich NAH-Erholung. Mal eben in der Mittagspause „abhängen“ (diesen längst überholten Begriff unserer Kinder haben die Enkel längst durch „Chillen“ ersetzt): Auch wer weder Lust auf noch Zeit für Harz oder Heide hat, kommt bereits auch fast mitten in der Stadt zur Ruhe. Das Zauberwort heißt: Oker, korrekter Okerumflut.

Der südlich von Braunschweig in zwei Arme umgeleitete Fluss, der im Harz entspringt, umgibt die Stadt und bildete vom Mittelalter bis  Ende des 18. Jahrhunderts die mit Wällen zusätzlich geschützte Stadtgrenze. Na ja, damals kam allenfall der hochwohlgeborene Adel auf die verwegene Idee zu „chillen“.

militärisch ab –
und grün aeeufgerüstet

Im 17. Jahrhundert gingen die Braunschweiger auf „Nummer sicher“ und bauten die – bereits vorhandenen Wallanlagen zu 16 wehrhaften Bastionen um. Aber bereits 1803 dämmwerte es den Braunschweigern, dass das militärische Gedöns völlig sinnfreu – und obendrein hoffnungslos veraltet war- Braunschweig tat etwas, was heutzutage weltweit klug wäre: Zumindest die sinnlosen Wehr- und Wallanlagen samt Bastionen wurden komplett abgerüstet.

Aber man beließ es nicht bei der von einer eigens einberufenen „Wall-Demolierungs-Kommision mit deutscher Gründlichkeit geplanten und vollzogenen Schleifung der Wehranlagen – sondern baute die Wälle zu Parkanlagern am Okerumflutgraben um.

Löbbecke_Villa
Villa Löbbecke am Inselwall

 

Und wo es grün ist, da wird dann auch gern gebaut. Eines der schöneren Besipiele findet sich auch heute noch am Inselwall: Die Villa der Bankiersfamilie Löbbecke, im Neorenaissance-Stil 1880 vom Architekten Constantin Uhde gebaut (zwischendurch mal Gästehaus der Technischen Universität Braunschweig, mittlerweile ein Bürohaus). Nach der Schleifung der Wallanlagen war dort zunächst ein großes Gartengrundstück  Der damalige Braunschweiger Star-Architekt entwarf übrigens 1882 südlich von der Löbbecke-Villa den Bammelsburger Teich, gemeinsam mit dem Gartenarchitekten und „Promenadeninspektor“ Friedrich Kreiß.

fischreiher
Der Bammelsburger Teilch – mit seinem Stammgast enem Fischreiher

Neben dem Theater- und Museumpark am östlichen Okergraben und dem Bürgerpark flussaufwärts im Süden der Stadt ist der Inselwallpark am westlichen Okerumflutgraben schon lange ein bevorzugtes Ziel sowohl für die kurze Pause zwischendurch als auch für Hobby, Spiel und Spa0 von morgens bis spät am Abend (während der warmen Jahreszeit zumindest)

Warten auf den ganz großen Fang – unterhalb des Petriwehr (auch Maschwehr genannt)

 

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Das Wehr – von oben gesehen

 

Processed with Snapseed.
Wer von Süden maritim über das Wehr will, muss sein Böötchen erst mal eine Weile zu Fuß befördern

Text&Fotos © 2016 Jos van Aken

Hier die Fotos aus dem Beitrag im Überblick („Diaschau“):

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blick zurück
– schwer belastet

wolfgang_baur_interv
Beim Stöbern in meinem Archiv fand ich heute wieder einmal einige Schwarzweiß-Negative. Die Fotos hatte ich Anfang der 1980er Jahre bei einer Reportage über den engagierten Umweltmediziner Dr. Wolfgang Baur aus Goslar-Immenrode gemacht. Es zeigt unter anderem die Hütten im Goslarer Ortsteil Oker. Diese Betriebe waren gemeinsam mit anderen skrupellosen Firmen der Hütten- und Chemieindustrie jahrhundertelang die auf dem Schild symbolisierten „Schweine“ waren, denen es egal war, dass sie mit den von ihnen produzierten Abfällen die Gegend unter anderem mit Arsen, Blei und anderen hochgiftigen Schwermetallen belasteten.

Auch heute noch finden sich diese Hinterlassenschaften bis hin nach Braunschweig – im lebensbedrohlich belasteten Sediment der Oker-Umflut und der Gräben.

Während meiner Reportage für eine Tageszeitung drehte auch ein Fernseh-Kamerateam einen Bericht über den Umweltskandal in Oker-Harlingerode und den Kampf des Umweltaktivisten und Arztes Dr. Wolfgang Baur, der unter anderem ein Krebsregister für die Region forderte.

Ich habe die Kleinbild-Negative der Fotos eingescannt und ein wenig bearbeitet; sie hatten im Laufe der Jahrzehnte doch ein wenig gelitten.

Wer der grimmig schauende junge Mann ist, der ebenfalls bei den Dreharbeiten beteiligt war, habe ich – schlicht und ergreifend vergessen. Vielleicht kennt in ja jemand; ich gehe davon aus, dass er ein Protest-Poet war, kann mich aber irren. Die Reportage selbst habe ich noch nicht wieder gefunden.

team

 

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halden

 

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