Lesen verboten
… noch nicht wieder

Vor 85 Jahren, am 10. Mai 1933 brannte vor dem Braunschweiger Residenzschloss ein Scheiterhaufen. Studenten der Technischen Universität Braunschweig zündeten gemeinsam mit ihrem Rektor und zahlreichen anderen Braunschweiger Bürgern hunderte von Büchern. Die Braunschweiger Zeitungen hatten zuvor zur Teilnahme an der Bücherverbrennung aufgerufen und eine „Schwarze Liste“ mit der Literatur veröffentlicht, die angeblich auf den Scheiterhaufen gehörte.

Mit dem Projekt „Lesen verboten!“ erinnert das Dezernent für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig noch bis zum 14. Mai 2018 auf den 85. Gedenktag der Bücherverbrennung aufmerksam machen. Auf einer kreuzförmigen Folienklebung, die die Gedenkplatte umschließen und dadurch den Ort der Bücherverbrennung von 1933 deutlich markieren wird, sind die Namen der „verbrannten Dichter“ aufgeführt, deren Bücher in Braunschweig in Flammen aufgingen.

Außerdem wurde auf dem Schlossplatz ein transparenter Lese-Pavillon aufgebaut. Im Innern des Pavillons Kisten mit Büchern, die 1933 verboten wurden. Tagsüber fordert der Pavillon zum Lesen der verbotenen Bücher auf, nachts erinnert er, von innen beleuchtet, symbolisch an den  Ort der Bücherverbrennung

Die Aktion vor 85 Jahren, nur wenige Monate nach der Wahl des Massenmörders Adolf Hitler zum Reichskanzler, unter dem Motto „wider den undeutschen Geist“ war deutschlandweit vom Deutschen Studentenbund organisiert worden. Verbrannt wurden Bücher von 131 vor allem jüdischen,  sozialdemokratischen, marxistischen und pazifistischen Autoren, unter anderem die Werke von unter anderem die Werke von Karl Marx, Franz Kafka, Heinrich Mann, Erich Kästner, Sigmund Freud, Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky.

Mit dem Projekt „Lesen verboten!“ machtdas Dezernent für Kultur und Wissenschaft der Stadt Braunschweig noch bis zum 14. Mai 2018 auf den 85. Gedenktag der Bücherverbrennung aufmerksam machen. Auf einer kreuzförmigen Folie, die die Gedenkplatte umschließt und dadurch den Ort der Bücherverbrennung von 1933 markiert, sind die Namen der „verbrannten Dichter“ aufgeführt, deren Bücher in Braunschweig in Flammen aufgingen.

Zur Erinnerung und Mahnung an die Bücherverbrennung hatte der Braunschweiger  Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann im  Juni 2010 auf dem Braunschweiger Schlossplatz eine Gedenkplatte enthüllt. Zu lesen ist auf der Tafel ein Zitat des Dichters Heinrich Heine aus dem Jahr 1821:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“

Der im Nachhinein prophetisch klingende Text Heines bezog sic übrigens historisch auf eine Verbrennung des Korans nach der Eroberung des spanischen Granada durch christliche Ritter unter dem inquisitorischen Kardinal Gonzalo Jiménez de Cisneros.

Oberbürgermeister Dr. Hoffmann (CDU), der die Braunschweiger Gedenkplatte 2010 enthüllte, war übrigens in jungen Jahren Funktionär der Studentenorganisation der neonazistischen NPD.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

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Abschied vom Weihnachts-„Schloss“

Man kann ja vom sogenannten Braunschweiger „Residenzschloss“, das nach dem Bau einer Kopie eine merkwürdige Mischung aus Verwaltungsdependence der Stadt und Einkaufszentrum ist, ja halten, was man auch immer darin sehen mag – in der Weihnachtszeit streiten sich die Braunschweiger allenfalls darüber, ob der Weihnachtsbaum auf dem Platz vor dem ECE nun im vorigen Jahr, größer oder grüner war – oder ab überhaupt früher mehr Lametta war (Loriot läßt grüßen).

Bevor traditionell nach dem Dreikönigstag endgültig das Festgemüse  verschwindet, habe ich die Chance genutzt, den festlich und umsatzfördernde herausgeputzten Platz in seiner Postkarten-Pracht festzuhalten – und weils nachts bekanntlich nicht nur kälter ist als draußen, sondern auch ein echter Katalysator in Sachen Sentimentalität, habe ich mich für meine Schlussbilder der Saison in dunkler Nacht mit meiner Kamera auf den Schlossplatz gestellt. Hier die ersten Bilder meiner  kleinen Serie: Braunschweiger stilles leuchtendes Nachtleben.

Text & Bilder: © 2018 Jos van Aken

Schloss-Wächter & Bus-Beauty

Begegnungen mit Menscheen in „meiner“ Stadt – das sind immer besondere Momente, natürlich auch für den Fotografen. In den vergangenen Tagen sind mir zwei junge Passanten besonders aufgefallen:

Die junge Frau, die neben mir im Bus zur Stadt saß, fiel mir nict nur wegen ihrer Schönheit auf: Fasziniert war ich von der Ruhe, der Gelassenheit und Würde, die sie ausstrahlte.

 

 

Und dann war da noch der junge Mann, der  mit vielen anderen an der Treppe zum Braunschweiger Schlossmuseum das frühe Fast-Sommerwetter und den Blick auf die alten und neuen Karossen beim Braunschweiger Autofrühling genoss. Fast machte er den Eindruck als sei er der gestrenge Wächter vor den Toren des Braunschweiger Shopping-Castles. Mein persönlicher Eindruck: Er wollte sehen – und unbedingt gesehen werden. Beides gelang ihm. Und Zeit für den obligatorischen Blick ins Smartphone blieb auch noch.

 

Text & Foto:© 2017 Jos van Aken

Grauer Bus gegen
das Vergessen

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Mit „Grauen Bussen“ erinnerte eine Initiative gegen das Vergessen heute vor der Fassade des Braunschweiger Schlosses an mehr als 70.000 behinderte Menschen die während des Nazi-Regimes systematisch ermordet wurden – unter ihnen auch 180 Frauen, Männer und Kinder aus der Neuerkerode Stiftung und viele Patienten des heutigen Landeskrankenhauses Königslutter. Sie alle wurden in grauen Bussen zu den Orten gebracht, wo sie umgebracht wurden – zum Beispiel in die hessische Tötungserlass“Anstalt“ Hadamar.

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Ihre Ermordung wurde von den braunen Machthabern, denen das Volk zujubelte, beschlossen, weil die der irrsinnigen Meinung waren, behindertes Leben sei „unwertes Leben“, das vernichtet werden müsse wie Ungeziefer. Die Schaltzentrale dieses bürokratisch organisierten Massenmordes stand in der Tiergartenstraße 4 in Berlin – bekannt wurde der Mord an Behinderten unter dem Namen „Aktion T4“

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Die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz haben die Todes-Busse in Originalgröße aus Beton gegossen. Innen im begehbaren Gang steht ein Satz, der die Angst und Ungewissheit der Menschen ausdrückt, die damals diese Busse bestiegen: “Wohin bringt ihr uns?”

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Zwei Tieflader mit Teilen des Graue-Busses-Denkmals machten heute vor einem geschichtsträchtigen Ort halt: Im ehemaligen Braunschweiger Residenzschloss, hinter dessen nachgebauter Fassade heute Teile der Stadtverwaltung und ein Einkaufscenter eingezogen sind, war von 1935 bis zu seiner Zerstörung im Krieg eine der beiden im Nazi- Deutschland geschaffenen SS-Junkerschulen zur militärischen und ideologischen Ausbildung und. Schulung späterer SS-Offiziere untergebracht.

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Musikalisch gestaltet wurde der Zwischenstopp des „Graue Busse-Denkmals von der Rockband der evangelischen Stiftung Neuerkerode. Dort muss heute kein Behinderter Mensch mehr befürchten ermordet zu werden – mit ihrer Gruppe „The Mix“ haben sich die Behinderten und nicht behinderten Musikerinnen und Musiker auf den Weg in Richtung Inklusion begeben.

Jos van Aken

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Das „Schloss“ als
Gesprächstreff

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Das Shopping-Schloss als  Sozialzentrum

Bei aller, wie ich ja meine berechtigten Kritik am Braunschweiger „Einkaufs-Schloss“ – es hat durchaus auch sein Gutes. Gemeint sind nicht die vielen Filialisten und ihr kommerzielles Angebot, sondern das Fake-Schloss als Ort der Ruhe und vor allem der Kommunikation – und all das gibt es zum Nulltarif.

So wie diese beiden Damen, die sich übrigens mit der Veröffentlichung dieses Fotos ausdrücklich einverstanden erklärten, finden viele im Ruhebereich mit seinen bequemen Sesseln, die sich leicht zu individuellen Gruppen zusammenstellen lassen, zu einem gemütlichen Klönschnack zusammen. Typisch: Es gibt keine Grenzen oder trennende Barrieren zwischen Behinderten und nicht behinderten Menschen. Da kann so manches Sozialzentrum mit einem Super-Angebot durchaus neidisch werden: Soviel Zulauf von Menschen hat kaum eine andere Einrichtung. Und ich gestehe freimütig: Auch ich bin dort regelmäßig in einem bequemen großen Sessel anzutreffen, wenn meine Kräfte mich immStivh lassen – oder einfach, um Menschen zu beobachten oder ein Schwätzchen mit einem Sessel-Nachbarn über das Wetter, Gott und die Welt zu halten manchmal nennen wir unseren Treff rebellisch,aber lieb gemeint: „Unser Opatorium“ Schande über den, der Böses dabei denkt…

Und: Gar nicht so selten wird dieser Bereich des Einkauscenters mit seiner umstrittenen Schlossfassade zum „Kindergarten“ für einkaufsmüde Männer. Die werden von ihren shoppenden Frauen regelrecht in den Sitzgruppen „geparkt“ und warten mehr oder weniger ergeben in ihr Schicksal auf die Rückkehr der mit Einkaufstüten und Schachteln hochbeladenen Liebsten.

Ich warte bisher aber leider vergebens auf die Lautsprecher-Durchsage: „Der große Hans-Peter ist in der Ruhezone eingeschlafen und kann jetzt abgeholt werden“.

Jos van Aken