Blütenrausch

Wer gerade durch die Gärten schlendert, weiß gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll. Die Natur tobt sich gerade in einem sommerlichen Blütenrausch aus. Ich war in den vergangenen Tagen mit Kameras vor allem im Braunschweiger Botanischen Garten an der Humboldtstraße unterwegs – und machte heute einen Abstecher zum Schulgarten:

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Text und Bilder: © 2018 Jos van Aken

Mein Osterspaziergang
– ohne Johann Wolfgang

Beim Osterspaziergang, einer für Köper und Geist gesunden Angewohnheit – vorausgesetzt natürlich erträgliches und möglichst trockenes Frühlingswetter mit Temperaturen deutlich über dem Nullpunkt der Skala des alten Schweden Anders Celsius – kann der gute deutsche Bildungsbürger,  der auf sich hält, neben einem ausgeglichenen, dem Schönen und Guten sich öffnenden Geist auf eine Zutat an sich nicht verzichten: Eine Portion Goethe mitsamt dem einschlägigen Gedicht des Dichterfürsten aus „Faust I“. Der „Osterspaziergang des Dr. Faust mit seinem Begleiter Wagner  gehört  als poetischen Begleiter ins Gepäck des feiertäglichen Wandlers (oder in seinen Kopf – wenn er diese Perle der Dichtkunst in der Schule, den Notendurchschnitt hebend, Wort für Wort und Reim für Reim in- und auswendig gelernt hat.

Nun, als „Bildungsbürger“ mache ich mich nicht wirklich gut, Mephisto kann mich mal, oder vielmehr: kann mich nicht mal … eben verderben oder verführen, genauso wenig wie irgendwelche Gretchen; und auf die Begleitung eines Herrn namens „Wagner“ verzichte ich auch gern: Wagner  ist für mich in erster Linie eine äußerst mittelmäßige, meinen hoffentlich erträglichen guten Geschmack beleidigende Pizza aus dem Gefrierfach.

 

Und so ließ ich auch in diesem Jahr leichten Herzens den Johann Wolfgang im Bücherregal und machte mich, von keinerlei hehren Versen des Mannes aus Frankfurt/Main  belastet, auf meinen ganz persönlichen Osterspaziergang. Weil ich gerade physisch nicht unbedingt in Spitzenform bin, entschied ich mich für den kurzen Weg – ein Stündchen im benachbarten Schulgarten am kleinen Dowesee im Norden Braunschweigs musste (mal wieder) reichen – Gesundheit schert sich den Mephisto, pardon: Teufel um Feiertage.

Anders als der Schiller-Konkurrent bin ich nicht nur hier Mensch – ich darf es auch anderswo. Das Selfie mit Putte zeigt wohl meinen skeptischen zutiefst menschlichen auf das, was nach Ostern auf mich, auf uns zu kommt.

Da ich dazu neige, (nicht nur) besondere Momente nicht in Reimen à la Goethe oder nach Art des von mir geschätzteren Tucholsky alias Theobald Tiger – sondern eher in photographischen Bildern festzuhalten (dann erinnere ich mich ja vielleicht auch bei fortschreitender Altersdemenz daran), habe ich versucht, meinen kleinen Osterspaziergang mittels meiner Fotoausrüstung zu dokumentieren.

Hier sind erst einmal einige digitale Bildchen zu sehen; die mit einer knapp 50Jahre alten Kamera auf Filmmaterial entstandenen Fotos reiche ich nach – die müssen erst  mal ganz altmodisch entwickelt werden.

Text & Bilder © 2018 Jos van Aken

 

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

Nach Protest: Schulgarten-Zugang endlich wieder barrierefrei

Die gute Nachricht für viele Braunschweiger: Der Schul- und Bürgergarten im Nordviertel der Stadt ist endlich auch wieder für Fußgänger und Menschen mit Behinderung (MmB) ohne unzumutbare Umwege frei zugänglich. Nach Bürger-Protesten reagierte die Braunschweiger Stadtverwaltung prompt und ließ eine Baustelle barrierefrei gestalten, die zweieinhalb Monate lang den Zugang zu dem Naherholungsgebiet versperrte und zu unmutbaren langen Umwegen zwang. Betroffen davon waren vor allem Menschen aus dem benachbarten Siegfriedviertel.

Ausgesperrt fühlten sich viele potentielle Besucher , die kurz vor ihrem Ziel, dem Schulgarten-Eingang, am Baustellen-Sperrzaun, wieder umkehren mussten. Ich wollte es nicht dabei belassen, und ein Beitrag,  den ich in einigen Facebook-Gruppen veröffentlichte, brachte tatsächlich den Stein des Anstosses „ins Barriere befreiende Rollen“. Hier der Facebook-Link zum Nachlesen:

Facebook-Beitrag von Jos van Aken: Till lässt grüssen – alles andere als barrierefrei

Aufgeschreckte Bürokraten

Verglichen mit „sensationellen“ Facebook oder YouTube-Hits, die (warum auch immer) ein noch „sensationelleres“ Echo finden, war die Reaktion auf meinen Hinweis zwar eher bescheiden  - zeigte aber Wirkung. Ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung meldete sich bei mir und versprach Abhilfe.

Er hielt Wort.

Hier der Link zum Facebook-Beitrag, in dem ich von der Rückkehr zur städtischen Vernunft berichtet habe

Damit wir uns nicht missverstehen: Die sachlich unbegründete und unnötige Aussperrung aus einer wichtigen Naherholungs-Oase war kein „die Grundfesten der Teilhabe-Grundsätze erschütternder Skandal“;  mir und vielen Anderen zeigte das Verhalten der Verantwortlichen unseres Gemeinwesens namens Stadt Braunschweig aber, was zum Beispiel verantwortliche Politiker u nd Bürokraten jenseits von Wahl- und Sonntags redenwirklich halten von so wichtigen Maximen wie Recht auf Teilhabe, auf Barrierefreiheit .

Kritik lohnt sich – manchmal

Warum es sich lohnt, auch bei scheinbaren Kleinigkeiten mal nicht immer die sprichwörtlichen „Fünfe grade sein“ zulassen, zeigen vielleicht einige Impressionen, die ich am vorigen Wochenende auch als Rollstuhlfahrer wieder in der kleinen grünen Naherholungs-Oase fast vor meiner Haustür in der Braunschweiger Nordstadt mit der Kamera festhalten konnte (Bilder zum Vergrößern anklicken):</p> <p>

Text &amp; Fotos: © 2018 Jos van Aken

Grau am Dowesee – passt

Endlich mal „stimmt“ das Wetter. Anfang November hat das jahreszeitliche Herbst-Grau  sich pünktlich an seine Pflicht erinnert und vertreibt die letzten spärlichen Reste des angeblich „Goldenen“ Oktobers; der hatte sich ja eher spärlich gezeigt.

Wie auch immer: Der Volksmünder behaupten ja, jede Jahreszeit hätte ihre schönen Seiten. Als notorisch skeptischer Mensch schau ich da doch mal lieber persönlich nach  – und tatsächlich: Der November graut so vor sich her, dass es eine wahre Pracht ist – eine ziemlich graue, aber Pracht bleibt Pracht.

Die Beweisfotos habe ich übrigens im Schul- und Bürgergarten am Dowesee mit einer klassischen Kamera gemacht: Der rund 50 Jahre alten, rein mechanisch und auf Film speichernden Rolleiflex 2.8. Für Freunde der sogenannten analogen Fotografie: Zum Einsatz kam ein Rollfilm der Firma Ilford, der FP4 plus. (Bilder größer anschauen? Einfach anklicken)

Text & Fotos:© 2017 Jos van Aken

nun ruhen alle wälder…
… und ’n schönen gruß vom paule gerhardt

… und nicht nur die.

der alte pastor und verseschmied paul gerhardt ließ in der zweiten zeile seines wohl bekanntesten kirchenliedes, das sich seit rund 250 jahren in den klerikalen hitparaden hartnäckig-frömmelnd-besinnlich in den top-ten hält, mit den winterschlafenden nach- und hochwachsenden ressourchen gleich alles „Vieh, Menschen, Städt und Felder“ in tiefen schlaf fallen, war ja sozusagen „ein aufwasch“. in zeile 3 der nr. 477 des evangelischen gesangsbuches stellt er denn nicht ganz unlogisch fest: „es schläft die ganze Welt“ „nun ruhen alle wälder…
… und ’n schönen gruß vom paule gerhardt“
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